Ergänzende Bemerkung zum Begriff der Hoffnung.

trel ⌂, Dienstag, 28. Februar 2012, 15:11 (vor 2094 Tagen) @ trel

Man gibt Zeitliches hin in der Hoffnung, Ewiges zu gewinnen. Und diese Hoffnung ist wesentlich verschieden von Illusion. Illusionen pflegt man zu verlieren, die Hoffnung - im christlichen Sinne - aber nicht. Diese ist eine Kraft, die mit der Zeit nur wächst. Man muß nur den Anfang geschafft haben.

Diesbezüglich ist vielen Menschen noch nicht klar, daß es zwei fast genau entgegengesetzte Begriffe der Hoffnung gibt.

Vom verbreiteten wissenschaftlichen Standpunkt aus, also seit Aristoteles, jedoch vor der Christus-Erfahrung, ist Hoffnung identisch mit Illusion. Sie ist insofern ein Mangel zunächst an Einsicht, tiefer besehen an Mut, denn der fehlende Mut hindert daran, der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen und sie zu nehmen, wie sie ist. Dagegen wird dann eine Schein-Wirklichkeit aufgebaut.

Hoffnung im zweiten Wortsinne ist keine intellektuelle, sondern eine Gefühls- und Willens-Eigenschaft. Sie ist wie eine Pflanze, die gekeimt hat und nun wächst. Um zu keimen, mußte zuerst eine Grablegung erfolgen, nämlich die eines Samenkorns. Wobei zu beachten ist, daß nicht jedes Samenkorn, das zu Boden fällt bzw. "ins Grab fällt", auch keimt (Mt 13,1-23). Man kann aber die nötigen Voraussetzungen dafür schaffen.

Damit also die Hoffnung aufkeimt, ist es nicht nötig, daß man "sich etwas vormacht" oder über die Auferstehung predigt. Die Predigt kann, muß aber nicht erfolgreich sein; sie ist auch nicht zwingende Voraussetzung für die Keimung.

Auf jeden Fall gewinnt das Wachstum der Pflanze, nachdem sie einmal gekeimt ist, eine Eigendynamik. Sie ist ein realer, kein eingebildeter Vorgang. Zwar kann die Pflanze auch vorzeitig zerstört werden, aber ein kluger Gärtner wird das Nötige tun, um die Pflanze zu pflegen.

Aus diesen Gründen wird jemand, den die Hoffnung leitet, am allerwenigsten dazu neigen, sich Illusionen zu machen, indem er etwa sagt: Der/die Verlorene wird wiederkommen, und dann wird einfach fortgesetzt, was unterbrochen worden war. Es kommt schon wieder, aber vielleicht erst im nächsten Leben, auf jeden Fall aber unter neuen Voraussetzungen. Und darüber soll man sich keine unnötigen Gedanken machen.

Hoffnung äußert sich gerade in der Fähigkeit zum Verzicht.

trel


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