Das ist kein Dekonstruktivismusbau, sondern ein Zerstörungsbau brutalster Art!

Scepticius Scepticissimus, Montag, 05. März 2012, 19:52 (vor 2024 Tagen) @ Scepticius Scepticissimus
bearbeitet von Scepticius Scepticissimus, Montag, 05. März 2012, 20:19

Das Miltärhistorische Museum in Dresden ist ein Militärhysterisches Museum.

Das Wort „Hysterie“ ist abgeleitet vom altgriechischen Wort hystera, „Gebärmutter“, verwandt mit dem lateinischen Wort uterus, „Gebärmutter“, „Mutterleib“, „Bauch“. Als psychologischer Fachbegriff für eine neurotische Störung gilt es zwar inzwischen als veraltet und als durch die Bezeichnungen „dissoziative Störung“ bzw. „histrionische Persönlichkeitsstörung“ ersetzt, weil seiner Etymologie - wegen der Verbindung mit dem weiblichen Geschlecht - angeblich eine „negative Bewertung“ anhaften soll, doch es bringt das, was darunter zu verstehen ist, viel expliziter zur Sprache. Deshalb sollte man auch fachbegrifflich nicht von ihm abrücken. Außerdem bedeutet das altgriechische Wort hysteros, „letztere(r)“, „hintere(r)“, „spätere(r)“, soviel wie „zurückbleibend“, das ebenfalls dafürspricht, auch fachbegrifflich von „Hysterie“ als eine Form der Neurose - in etwa als eine überspannte psychische Einstellung der Extraversion - oder allgemeiner als Sammelbezeichnung für abnormes Verhalten (umgangssprachlich: „hyterische Reaktion“) zu sprechen.

Der „Keil“ des Militärhistorischen Museums in Dresden ist ein Symbol für den gewollten Bruch mit der Tradition auch insofern, als daß er die brutale Gewalt repräsentiert, mit der aus diesem Militärhistorischen Museum ein Militärhysterisches Museum gemacht wurde. Jede angeblich „revolutionäre“ Gruppe kann sich hier ideologisch bestätigt sehen und ihre Phantasien realisieren. Besonders auch der Femininismus! Die fachbegriffliche Bezeichnung „Hysterie“ geht ja auf Hippokrates (ca. 460-377) zurück: Hysterie bedeutete in der Antike nämlich ein typisches Frauenleiden, das man auf krankhafte Vorgänge in der Gebärmutter (hystera) zurückführte. In den 1890er Jahren wurde schließlich die Definition gefunden, die Sigmund Freud bei seinen Studien über die Hysterie (1895 als Buch veröffentlicht) bekanntmachte: Ausdruck verdrängter Wünsche (v.a. aus dem Sexualbereich!). Wenn wir nun gemäß des architektonischen Dekonstruktivismus alle unsere verdrängen Wünsche (v.a. aus dem Sexualbereich!) und Phantasien Ausdruck verleihen (sollen), dann ist das ganz im Sinne des architektonischen Dekonstruktivismus (vgl. auch dessen Wahlspruch: „form follows fantasy“). Vom archtektonischen zum soziologischen Dekonstruktivismus ist es - so gesehen - nicht weit. Beide gehen auf den philosophischen Dekonstruktivismus und dieser auf die Linguistik zurück:

„Das, was ich Text nenne, ist alles, ist praktisch alles. Es ist alles, das heißt, es gibt einen Text, sobald es eine Spur gibt, eine differentielle Verweisung von einer Spur auf die andere. Und diese Verweise bleiben nie stehen. Es gibt keine Grenzen der differentiellen Verweisung einer Spur auf die andere. Eine Spur ist weder eine Anwesenheit noch eine Abwesenheit. Folglich setzt dieser neue Begriff des Textes, der ohne Grenzen ist – ich habe deshalb gesagt, auch als scherzhafte Bemerkung, es gäbe kein Außerhalb des Textes –, folglich setzt dieser neue Begriff des Textes voraus, dass man in keinem Moment etwas außerhalb des Bereichs der differentiellen Verweisung finden kann, das ein Wirkliches, eine Anwesenheit oder eine Abwesenheit wäre .... Ich habe geglaubt, dass es notwendig wäre, diese Erweiterung, diese strategische Verallgemeinerung des Begriffs des Textes durchzuführen, um der Dekonstruktion ihre Möglichkeit zu geben.“ (Jacques Derrida, in: Postmoderne und Dekonstruktion, Hrsg.: Peter Engelmann, 2004, S. 20f.).

Eine besondere Rolle spielt die Praxis der Dekonstruktion in sozialwissenschaftlichen Theorien, die sich mit Identitäten oder Identifizierungen beschäftigen, wie zum Beispiel die „Queer-Theorie“ und die „feministische Theorie“ von Judith Butler (*1956). Die „Queer-Theorie“ behauptet, die geschlechtliche und die sexuelle Identität seien nicht „naturgegeben“ sondern erst in sozialen und kulturellen Prozessen „konstruiert“. Unter Rückgriff auf die Methoden und Erkenntnisse von Dekonstruktion, Poststrukturalismus, Diskursanalyse und „Gender Studies“ versucht die „Queer-Theorie“, sexuelle Identitäten, Machtformen und Normen genaus zu dekonstruieren, wie es der architektonische Dekonstruktivismus mit den traditionellen Gebäuden tut, indem er sie spaltet, ja zerstört.

Die „Queer-Theorie“ und die „feministische Theorie“ von Judith Butler wirken mit ihrer „Dekonstruktion“ genauso zerstörerisch,
wie der „Keil“ das Militärhistorische Museums in Dresden zerstört, indem er es zum Militärhysterischen Museum „dekonstruiert“!


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