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Breiviks "Demaskierung" wird fortgesetzt. Doch wem nützt das?

admin @, Dienstag, 17. April 2012, 23:18 (vor 1981 Tagen) @ admin

Der "Spiegel" titelt: "Demontage des Bösen". Schön wär's. Doch das Böse bzw. der Böse kann grundsätzlich nicht demontiert werden. Und wenn Breivik in seinem Narzißmus "demaskiert" wird, so befriedigt das auch nur ein nicht gerade edles Bedürfnis.

Anders Breivik wollte aus seiner Aussage vor Gericht seinen großen Auftritt machen, doch die Staatsanwältin durchkreuzte den Plan. Sie demaskierte den Attentäter von Norwegen, stutzte sein übergroßes Ego. Zurück blieb ein Mann, der sich feiert - und doch vor allem selbst betrügt.

Mag sein. Und jetzt feiert sich eben die Gegenseite. Aber wem ist damit geholfen? Allenfalls den Angehörigen der Opfer, die dankbar Alles zur Kenntnis nehmen, was den Täter als klein erscheinen läßt. Verständlich ist es ja. Mehr nicht.

Auf ein interessantes Argument Breiviks wurde leider nicht eingegangen:

Die 77 Toten hätten allein dazu gedient, weiteres Blutvergießen in einem Bürgerkrieg zwischen islamistischen Einwanderern und norwegischen Ureinwohner zu vermeiden. Das war die menschenverachtende Quintessenz seines entemotionalisierten Vortrags. Breivik gefiel sich in seiner Rolle, brüstete sich, in der gleichen Lage gehandelt zu haben wie amerikanische Generäle im Zweiten Weltkrieg, die Bombenangriffe gegen Deutschland und Japan befohlen hätten, "um größeres Leid zu verhindern".

Das Argument Breiviks ist hier völlig eingedeckt von psychologischen Bewertungen. Ob das Argument aber stichhaltig ist, erfahren wir nicht. Doch gerade darauf käme es an!

Wohlgemerkt, es geht mir nicht darum, Breivik freizusprechen. Mir geht es vielmehr darum, darauf hinzuweisen, daß dieser Fall eigentlich Anlaß bietet, über gewisse politische Ereignisse und Entwicklungen tiefer nachzudenken. Eine Gelegenheit, die leider wohl nicht genutzt wird.

admin


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