Gibt es die absolute Wahrheit - oder ist das eine gefährliche Behauptung?

trel ⌂, Montag, 16. Juli 2012, 17:14 (vor 1714 Tagen)

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Links sehen wir den gekreuzigten Gott, rechts die Hure von Babylon. Vergleichen wir mal.

Vom Standpunkt des Unverständigen wäre zu sagen:

Dumm gelaufen für Jesus. Gibt sich aus als die verkörperte Wahrheit, droht mit Verdammnis, provoziert die Herrschenden bis zum Geht-nicht-mehr - und was hat er erreicht? Das spricht doch für sich! Jetzt heißt es zwar, von wegen, er sei ja auferstanden. Aber wo ist er? Und wenn er, trotz diesem Fiasko, wenigstens im Ansatz recht gehabt hätte, warum waren dann Alle - fast Alle - gegen ihn und schrieen: "Kreuziget ihn, kreuziget ihn?" Da gab es doch einen Konsens!

Dagegen siehe die feine Dame rechts. Reich und mächtig ist sie, hat ein einzigartiges Reittier, das sonst niemand hat, und wird angebetet von den Königen dieser Erde. Alles, was auf dieser Erde zu erreichen ist, hat sie erreicht. Kann sie falsch liegen? Allein der Erfolg gibt ihr recht. Und das Merkwürdigste: Sie ist auch noch bescheiden. Denn, anders als Jesus, gibt sie sich nicht als die Größte aus. Vorbildlich!

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Wer tiefer nachdenkt, dem fällt aber etwas auf. Nämlich: Wer jemanden auf Grund von dessem Absolutheits-Anspruch als Feind der Menschheit ausgemacht hat, der gibt sich nicht nur rein nominell als Antichrist zu erkennen, sondern er muß auch handeln, d.h., er muß etwas gegen den Feind unternehmen. Anderenfalls wäre er ja grausam und verdiente dann auch keine Anerkennung mehr.

Nur - in dem Falle hätte er sich selber absolut gesetzt. Das ist freilich verwirrend. Wer hat denn nun wirklich recht? Um Klarheit zu gewinnen, müssen wir die beiden Wesen einmal näher vergleichen.

Hat Jesus nur die Toleranzschwelle seiner Gegner falsch eingeschätzt und sich ihnen durch seine Maßlosigkeit selbst ausgeliefert? War sein Opfer unfreiwillig? Ist er wirklich auferstanden?

Wer dies alles bejaht und dabei bleibt, dem ist nicht zuhelfen. Aber man kann es ja auch anders sehen: Jesus wußte, was er tat, und er vertraute auf die Gerechtigkeit seines himmlischen Vaters. Dann hätte er ein gewaltiges Opfer erbracht und außerdem noch einen Sieg errungen, den bis dahin noch niemand errungen hat: den Sieg über den Tod. Damit wäre er für uns alle ein Hoffnungsträger ohnegleichen.

So betrachtet, wirkt dann aber auch die feine Dame nicht mehr sehr anziehend. Sie trägt außer Gold und edlen Steinen auch noch Perlen. Das sind ursprünglich verletzende Fremdkörper in Muscheln, welche durch sie Schmerz erleiden und mittels Perlmutt bildender Absonderungen dem Schmerz entgegenwirken. Die Perlen sind somit unfreiwillige Opfer.

Die Hure von Babylon hat also keine Opfer gebracht, sondern Opfer gefordert und erwirkt. Und sie droht im Falle fehlender Konsensbereitschaft mit weiteren Opfern, die unter Menschen und ingestalt von Menschen zu erbringen sind. Natürlich betrifft das nur Menschen, die anders denken als alle denken, wobei das, was alle denken, im Egebnis das ist, was die Hure von Babylon denkt.

Von alledem ist Jesus das Gegenteil. Er hat keineswegs konsensuell gedacht, im Gegenteil, und sich selbst folglich als Opfer dargebracht - freiwillig.

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Die Ideologie der Hure von Babylon ist insbesondere durch Herbert Marcuse ausgearbeitet worden. Er prägte den Begriff der "repressiven Toleranz", d.h. einer Toleranz für jedes Verhalten, das Lust, insbesondere sexuelle Lust jeder Art erzeugt. Wer nun die Priorität der Lustmaximierung nicht vertritt, also falsch denkt, den hat die Gesellschaft zu beseitigen.

Das ist die Revolution gegen den Vater, der ideologische Vatermord. Konsequenterweise war es auch Marcuse, der den Feminismus als die zukunftsfähigste Form des Sozialismus sah.

Näheres zu diesem Thema ist nachzulesen in den Schriften von Georg Huntemann, wie sie auszugsweise im Portal von Horst Koch aufzurufen sind.

trel


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