Unaufgelöst gebliebener Widerspruch

Herr Mann, Samstag, 22. Dezember 2012, 06:42 (vor 1796 Tagen) @ trel
bearbeitet von Herr Mann, Samstag, 22. Dezember 2012, 07:40

Guten Morgen, Herr Lentze!

„Sie sind vorgeprägt durch Spengler und Brune und messen nun alles, was Ihnen neu ist, an diesem System, und fragen: Warum sagt Steiner nicht genau dasselbe wie Brune?“

Ja, „vorgeprägt“ sind wir irgendwie alle, aber das ist nicht der Grund bzw. das Motiv meiner Frage gewesen. Ich habe einfach nur Ihren Text gelesen und versucht, ihn ganz genau zu verstehen. Dabei bin ich aber eben unter anderem auf einen Widerspruch gestoßen und zu jener Frage gelangt, warum jemand gerade dort, wo der Auferstehungskult begangen wurde „den Auferstehungsgedanken verloren hätte“. Um auf diesen Widerspruch zu kommen, muß man nicht vorgeprägt sein - es sei denn, man verstünde unter „Vorprägung“ auch die Logik.

Ich fand es z.B. sehr interessant zu lesen, wie sich die Polarität zwischen Mesoptamien und Ägypten symbolisch äußerte. Sie sind dann zu folgendem Schluß gekommen:

„- Mesopotamien: Mysterien der Geburt. Öffnung zum Himmel. Tempelprostitution, Sexualkulte.“
„- Ägypten: Mysterien des Todes. Ausrichtung zu den Tiefen der Erde. Einbalsamierung, Mumienkulte.“

Diese Polarität nennen Sie auch „Gegen-Weihnachten“ und „Gegen-Ostern“ .

„»In Chaldäa drang das turanische Element ein und verseuchte das geistige Leben dieses Landes. Der Astarte- und Baalkultus, der sich unter den Vökern Mesopotamiens und Syriens verbreitete, führte zu einer Auffassung der Geburt, die das strikteste Gegenteil von der Auffassung war, die gepflegt werden sollte. Das Geschlechtsleben sollte von seinen göttlichen Quellen losgerissen werden und dämonischen Mächten anheimfallen; die Geburt sollte mechanisiert werden. Dieses sollte dadurch erreicht werden, daß alle Erstgeburten getötet werden sollten, was eine zweckmäßige Maßnahme war, um die bewußte liebevolle Erwartung der herabsteigenden Seelen unter der Menschheit zu vernichten und durch eine bewußtlose mechanische Produktion von Menschenwesen zu ersetzen. ... Hochspirituelle Seelen können nur in dem Falle geboren werden, wenn sie bewußt erwartet werden. Es ist eine Grundbedingung für ihr Erscheinen, daß das freie menschliche Bewußtsein der Eltern mitwirkt.« (Valentin Tomberg, Anthroposophische Betrachtungen über das Alte Testament, 1989², S. 22).

Entsprechend zu den Mysterien des Todes in Ägypten:

»Wie in Chaldäa die Geburt materialisiert wurde, so wurde andererseits in Ägypten der Tod materialisiert. Der große Gedanke von der Auferstehung, der in den heiligen Mysterienstätten Ägyptens gepflegt wurde, wurde durch die Begierde, die äußere Gestalt, die Leibesform zu erhalten, ersetzt. Indem der Mumienkultus eingeführt wurde, beging Ägypten eine ähnliche Sünde wider das Mysterium des Todes, wie Chaldäa wider das Mysterium der Geburt, indem es dem Baalkultus frönte.« (Ebd., S. 22).

Im ersten Fall wurde also gewohnheitsmäßig ein Gegen-Weihnachten praktiziert, im zweiten ein Gegen-Ostern. Das war der Grund, warum Abraham mit seinem Stamm Chaldäa verließ. In Ägypten war dieser Stamm vor der Korruption der Geburten geschützt und konnte zum Volk heranreifen. Bleiben konnte das Volk aber auch dort wiederum nicht, weil es dort den Auferstehungsgedanken verloren hätte.“

„Nur“ der letzte Satz beinhaltet den Widerspruch. Ich hatte gehofft, daß Sie mir den auflösen würden, aber statt dessen haben Sie - leider - einfach nur davon gesprochen, daß jemand „vorgeprägt“ sei. Ich wollte doch einfach nur wissen, warum es in dem Text, den Sie sich „angelesen“ und dann „übernommen“ haben, einen so fetten Widerspruch gibt.

So bleibt der Widerspruch wohl unaufgelöst. Schade!

Vielleicht nennen Sie mir aber die Bibeltextstelle, aus der Sie die Information über Ägypten, den Auferstehungsgedanken und Abraham haben. Ich besitze auch eine Bibel - sogar mehrere (in jeweils verschiedenen Sprachen!).

Mit freundlichem Gruß!

Herr Mann


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