Anfrage zur häuslichen Gewalt: Bonner Polizei verstummt

XY, Donnerstag, 20. Mai 2010, 18:38 (vor 2800 Tagen)
bearbeitet von admin, Freitag, 20. August 2010, 00:41

An poststelle.bonn@polizei.nrw.de  Gesendet  Do 01 Apr 2010 11:43:15

Sehr geehrte Herren und Damen,

die Pressesprecherin der Polizei Bonn, Frau Lindemann, hat mich bezüglich Fragen zum Thema Häusliche Gewalt nach kurzem Gespräch an Sie verwiesen.

Ich bin kein Journalist, recherchiere aber seit einigen Jahren zum Thema Häusliche Gewalt. Dabei fällt mir auf:

1.
Obwohl die weitaus meisten wissenschaftlichen Studien zum Thema zum Ergebnis kommen, daß Frauen etwa genau so häufig, wenn nicht häufiger häusliche Gewalt ausüben als Männer, behaupten Sie auf Ihrer Themenseite ("Wer schlägt, geht"), die Situation im Raum Bonn betreffend,  "dass es sich bei Gewalt in Beziehungen gerade nicht um Streitigkeiten, sondern um Gewalttaten fast ausschließlich von Männern an Frauen handelt [...]".

Auf meine Frage, ob sie den Unterschied zwischen Hellfeld- und Dunkelfeld-Untersuchungen kenne, reagierte Frau Lindemann gereizt. Jedoch ist auf Ihrer Themenseite keine Rede davon, so daß der Eindruck entstehen muß, daß Ihrer Meinung nach das Dunkelfeld zur Beurteilung des Sachverhalts ausreichend sei.

Anmerkung: Im letzten Satz müßte "Hellfeld" statt "Dunkelfeld" stehen. admin, 20-8-2010

2.
Lese ich die einschlägigen Bericht im "Bonner Generalanzeiger" und im "Express Bonn", so vermisse ich regelmäßig Angaben zur Beweisaufnahme. Man muß als Leser zwangsläufig den Eindruck gewinnen, daß einerseits die bloße weibliche Behauptung wie "Mein Mann/Partner hat mich geschlagen" genügt, um den Mann seiner Wohnung verweisen zu lassen, anderseits der Mann keine Chance hat, ernstgenommen zu werden, wenn er die Vorwürfe zurückweist.

Irritierend ist in diesem Zusammenhang auch eine Meldung wie die von heute (1.4.2010), in welcher dreimal  eine Tatsachenbehauptung aufgestellt wird, wonach ein Mann eine Frau angegriffen habe, dann aber genauer ausgeführt wird: "Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 46-Jährige [...]", womit die Tatsachenbehauptung wieder relativiert wird. In diesem Stil sind aber so gut alle Meldungen zum Thema Häusliche Gewalt gehalten. Bei allen anderen Delikten wird m.W. klarer zwischen Verdacht und festgestellter Tatsache unterschieden.


Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir auf meine Fragen in zitierfähiger Weise antworten würden.

Mit freundlichen Grüßen
XY, Bonn
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Von  "Kreft,Frank"<Frank.Kreft@polizei.nrw.de> » Gesendet Mi 07 Apr 2010 09:42:20 CEST 

Sehr geehrter Herr XY,

ihre Anfrage ist bei uns eingegangen. Sie wird in der nächsten Woche von Herr Kolbe,

dem Leiter des Präsidialbüros, bearbeitet werden. Herr Kolbe befindet sich derzeit in Urlaub.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Frank Kreft

Präsidialbüro
-Pressestelle-
Polizeipräsidium Bonn
Königswinterer Straße 500
53227 Bonn

Tel.: 0228/15-1023
Fax: 0228/15-1202

www.polizei-bonn.de
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Von  XY Gesendet  Di 27 Apr 2010 12:56:36 CEST

Sehr geehrter Herr Kreft,

Sie hatten mir eine Beantwortung meiner Anfrage durch Herrn Kolbe in Aussicht gestellt. Leider hat sich Herr Kolbe bis jetzt noch nicht bei mir gemeldet. Ich frage hiermit höflichst an, wann ich mit einer Antwort rechnen kann, da ich meine Anfrage ansonsten als ergebnislos kennzeichnen müßte.

Mit freundlichen Grüßen
XY
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Mein Kommentar: (20.Mai)

Eine Beantwortung der Frage war in Aussicht gestellt worden, ist aber letztlich dann doch nicht erfolgt, auch nicht nach Erinnerung, und nicht einmal in Form einer Entschuldigung, etwa: Der Kollege ist unerwartet in Urlaub gegangen, bitte haben Sie Geduld.

Den Grund kann ich nur vermuten: Sicher weiß der Sachbearbeiter, wie sich häusliche Gewalt zwischen den Geschlechtern verteilt; und er weiß auch, was ein Internetbenutzer schnell erfahren kann. Wer etwa die Googlesuche benutzt, kommt u.a. auf den Wikipedia-Artikel zum Thema Häusliche Gewalt, auf den entsprechenden Artikel bei MANNdat e.V., von da vielleicht auf die auf Seite des BMFSFJ, und so weiter. Dort liest man dann Dinge, die mit der Behauptung, die einem auf der Webseite der Polizei vermittelt wird, nicht in Einklang stehen.

In seiner Verlegenheit hat der Sachbearbeiter sich dann wohl an einen Vorgesetzten gewandt, dieser vielleicht dann an das Justiz- oder an das Frauenministerium, und letztlich die Anweisung bekommen, den Mund zu halten. Der Kriminologe Prof. M.Bock, bekannt u.a. durch sein Gutachten zum Entwurf des Gewaltschutzgesetzes sowie einer Studie zum Thema Häusliche Gewalt, hat beschrieben, wie das läuft:

Zum totalitären Arrangement braucht man letztlich auch die Büttel in Polizei und Justiz, die die schmutzige Arbeit machen. Wer mag, kann hierzu die Begründung zum Gewaltschutzgesetz studieren, mit denen der Rechtsstaat im Interesse von Frauen suspendiert wurde. Oder den dazu passenden Aktionsplan der Bundesregierung zur Aufrüstung der öffentlichen Meinung und zur Gehirnwäsche der Experten in Polizei, Justiz und Sozialbehörden. Die neuen polizeilichen Dienstanweisungen und die Wolke der teils amtlichen, teils von Verbänden und Initiativen verteilten Flyer und Broschüren sprechen eine eindeutige Sprache. Er mag auch einen Blick in das Land von Theodor Heuss werfen, in dem es als Gesellschaftsspiel mit Preisen angesehen wird, möglichst vielen Männern die "Rote Karte" zu zeigen. So ein wenig Pogromstimmung für einen guten Zweck kann doch nicht schaden, oder? Auch die Prozesse wegen sexuellen Missbrauchs oder die ganz alltäglichen Sorge- und Umgangsrechtsverfahren unserer Familiengerichte sind aufschlussreich. Die Zahl der existentiell von Anwälten, Gerichten, Jugendämtern und Polizei vernichteten Männer im Gefängnis, auf der Straße und auf den Friedhöfen nimmt dramatisch zu. Natürlich sind sie im Zweifel selbst schuld oder haben es verdient.

Prof. M.Bock hat auch beschrieben, was ihm selbst widerfahren ist, will sagen, wie er zum Schweigen gebracht worden ist.

Was wird wohl in den Polizisten selber vor sich gehen, die einerseits mit den Tatsachen und den Anfragen der Bürger, andererseits mit den Anweisungen ihrer Vorgesetzten konfrontiert sind? Sicher gibt es einige unter ihnen, die fest an den Mythos vom männlichen Gewalttäter glauben, und die sich auch liebend gerne einmal als Drachentöter zur Rettung einer hilflosen Prinzessin profilieren möchten. Die meisten aber dürften mit der Wirklichkeit vertraut sein, aber um ihren Job fürchten. Sie sind nicht zu beneiden.

Vielleicht kann sich ja auch mal ein Angestellter der Polizei - eventuell anonym - hier zu Wort melden.

XY


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