Typisch für den "Spiegel" - oder für das gegenwärtig herrschende Menschenbild schlechthin?

trel ⌂, Sonntag, 16. August 2015, 10:58 (vor 734 Tagen)
bearbeitet von admin, Freitag, 04. September 2015, 10:46

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Man beachte zunächst den Titel und Untertitel: "Wie ich ich bleibe. Mensch sein im Google-Zeitalter."

Es geht also, in einem bestimmten Kontext, um die Frage: Was ist der Mensch? Genauer: Was macht die jemeinige Identität aus? Das ist eine Frage, die das Tier nicht stellt und nicht stellen kann, denn das Tier hat kein Ich. Daher geht es, wie der Untertitel richtig vermerkt, um das Menschsein.

Folgerichtig ist im Hintergrund das Gesicht eines Menschen zu sehen. Das Gesicht ist das Individuellste am Menschen; daher dient es zur Identifizierung in Personaldokumenten. Vorzugsweise im Gesicht erkennt man sich auch selbst. Dazu dient der Blick in den Spiegel. Das abgebildete Gesicht erweckt den Eindruck eines Menschen, der sich im Spiegel eindringlich beobachtet, so als wolle er sich seiner selbst vergewissern.

Nur - dieser Mensch ist weiblich. Und das ist er im "Spiegel" (dem Nachrichtenmagazin) immer, wenn es um das Wesen des Menschen oder um die Belange (meist Benachteiligung) irgend einer Menschengruppe geht. Die Botschaft des "Spiegel" ist also - in regelmäßiger Wiederkehr - die folgende:

"Seht, das ist der Mensch (ecce homo), und er ist weiblich."

Das Weib als der eigentliche Mensch, der Mann als der abgeleitete Modus des Menschen. So will es das Menschenbild des "Spiegel", vermutlich aber die politisch gleichgeschalteten Presse überhaupt.

Es wird Zeit, dies zu hinterfragen, denn Mann und Weib sind in ihrem Menschsein keineswegs gleich. Sie sind nicht nur ungleich in ihrer geschlechtlichen Ausprägung (m/w); sie sind auch nicht in gleichem Maße Mensch. Gerade in der Presse kursieren ja Formeln wie "...davon betroffen waren auch Frauen und Kinder." Häufig also werden Weiber und Kinder in einem Atemzug genannt, Männer und Kinder niemals. Weiber werden aber auch z.B. vor Gericht viel mehr als Männer wie Kinder behandelt. In der Wirtschaft übrigens auch: sie gelten als leichter beeinflußbar.

Es kann also nicht verwundern, daß während der längsten Zeit der menschlichen Kulturgeschichte der Mann als das Urbild des Menschen gesehen wurde. Der Mann hat ein stärker ausgebildetes Ich, eine ausgeprägtere Identität, als Individualität eine größere statistische Abweichung. Diese ist meßbar, also nicht zu bezweifeln.

Was hat es nun zu bedeuten, wenn das "Urbild" des Menschen heute als weiblich dargestellt wird? Zunächst einmal, ungeachtet aller politischen Absichten, bedeutet es, daß das Menschsein selbst in Frage steht. Der Mensch - nicht das Tier - evoluiert. Der Mensch muß sein Ich immer wieder selbst finden, weil er es nie endgültig "hat".

Die Abbildung des urbildlichen Menschen als weiblich ist also Ausdruck einer gegenwärtigen tiefen Verunsicherung. Diese Verunsicherung ist als Tatsache unbezweifelbar. Daß daraus auch politisches Kapital geschlagen wird, und dies vielleicht in Verflechtung mit antichristlichen Mächten, das wäre gesondert zu diskutieren.

trel


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