Wer ist "bibel"? - Johanneisches Christentum bei Fichte und - in der Folge - bei Steiner.

trel ⌂, Montag, 09. Mai 2016, 22:49 (vor 442 Tagen) @ bibel
bearbeitet von trel, Montag, 09. Mai 2016, 22:55

Der Johannesjünger, als Mystiker, ist derjenige, welche die Führung der Kirche in den letzten Tagen übernehmen wird. das Ende oder die Vollendung der Kirche wird die Mystik sein. Bereits sieht man diese Vollendung heraufscheinen, insbesondere in den drei Persönlichkeiten der letzten Päpste. Alle drei zeigen deutliche Züge von Mystikern. Nur die Mystik wird eine Vereinigung der aufgesplitteten Kirche zulassen, resp. ist Vorausseztung für diese. Doch darüber hinaus wird es auch die Mystik sein, welche über die Religionsgrenzen hinaus Verbinung schafft und so zu einer Kirche der Heiligen f¨hren wird, also einer Kirche der Rechtgläubigen, wie es Jesus im Johannesevangelium anklingen lässt, im Gespräch mit der Samariterin.


Interessante Dinge, die Sie erwähnen.

Aber es ist verwirrend, hier zwei Autoren zu lesen, die sich beide "bibel" nennen, und doch nicht identisch zu sein scheinen.

Was den Vorwurf der Gnosis bezüglich der Anthroposophie betrifft, so ist dies ein sehr alter, bis heute tradierter, aber meines Erachtens falscher Vorwurf, den irgendwer, der Steiner kaum gelesen hat, einmal in die Welt gesetzt haben muß. Die Gnostiker überzeichneten den Geist-Aspekt Christi; sie nahmen ihn als mensch-gewordenen Gott nicht sehr ernst. Das ist bei Steiner völlig anders.

Allerdings ist das anthroposophische Christentum ein ausgeprägt johanneisches. Diese Haltung könnte Steiner von Johann Gottlieb Fichte übernommen haben, genauer: von dessen "Anweisung zum seligen Leben". Fichte bekannte sich ausdrücklich zum johanneischen Christentum, und Steiner war von Fichte vollkommen eingenommen. Keinen anderen Autor hat er so gründlich gelesen, und kein anderer Autor hat ihn so sehr beeinflußt. Demgegenüber war die indisch-englische Theosophie eine relativ späte, vorübergehende Episode.

Wer über diese Hintergründe Genaueres erfahren will, der lese nach in "Philosophie und Anthroposophie. Die philosophische Weltanschauung Rudolf Steiners - Grundlegung und Kritik", einem über tausend Seiten starken Buch von Hartmut Traub, erschienen 2011. Die bisherigen großen Steiner-Monografien von Lindenberg und von Zander werden damit teilweise hinfällig.

trel


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