sich dem Bösen zuwenden? Luzifer, Ahriman, Asura

Bernhard @, München, Sonntag, 22. Mai 2016, 13:41 (vor 515 Tagen) @ bibel

Hallo, bibel!

Weshalb ist man ein Sado-Masochist, wenn man versucht, das Gute im Bösen zu suchen und hervorzuheben? - Als überzeugter Christ sollte es Ihnen eine un-bedingte Selbstverständlichkeit sein: Alles was ist, ist gut, und auch das Böse hat seinen guten Zweck.

Böse ist zum einen dasjenige, was disloziert, zur falschen Zeit und/oder mit falscher Intensität wirkt; zum anderen kann das Böse nur als solches erscheinen. Das sind die Arten des Bösen, welche ich von dem eigentlich Bösen unterscheide.
Anthroposophisch konstatiert: Das disloziert Böse wirkende hat ahrimanischen, das scheinbare, subjektiv vermeintlich Böse luziferischen Charakter. Das wahrhaft Böse steht zwischen und über jenen beiden in der christlichen Mitte -

Wie groß aber ist die Weisheit des Menschen, um alle drei Arten des Bösen voneinander unterscheiden zu können? Wann weiß er, ob etwas wirklich Böses oder nur etwas scheinbar Böses vorliegt? - Und wie ist es dabei mit der jeweils subjektiven Empfindung, mit dem jeweils subjektiven Urteil? -

Eben hier setze ich mit meiner Erkenntnisarbeit an! Schlichtweg alles, was einem persönlich und völlig subjektiv als "böse" erscheint, auch allgemein als böse zu deklarieren, ist der falsche Weg. Ihm entgegentreten, es ergründen und durch-schauen führt zu einem realen objektiven Urteil.

Zwei Beispiele:

1. Das dislozierte Böse: In unserer Münchener Fußgängerzone erfreuten vier Studenten - mit Flöte, Viola, Cello und Klavier - die Passanten mit bekannten klassischen Stücken. Sicher spielten sie nicht hoch professionell, dafür aber mit viel Liebe und Freude. Auf dem kleinen etwas schäbigen Klavier stand ein dickes patiniertes Blech-Sparschwein für die Spenden. - Nach einer Weile standen recht viele Leute dabei und genossen die heiter-ruhevolle Stimmung der Musik, applaudierten zwischendurch und warfen die eine oder andere Münze in die Kasse. Schließlich trat während einer Pause ein gut gekleideter großwüchsiger Herr zu den jungen Musikern hin, stellte sich ihnen als Kenner der klassischen Musik vor und konfrontierte sie mit allerlei fachspezifischen Spitzfindigkeiten: Wie sie sich getrauten, mit abgenutzten und teilweise missgestimmten Instrumenten sich so unprofessionell öffentlich "bloßzustellen"; da und dort passten weder Ton noch Einsatz, die Tempi seien instabil usw., - ja, und wie sie für dieses "Theater" auch noch unverfroren Geldgeschenke erwarteten. - Jener Musik-Profi schien völlig nüchtern und klar, er redete wie jemand, der das Metier in- und auswendig kennt. - Die Zuhörer um ihn herum waren empört und schafften es auch, ihn schnellstens fortzujagen. - Nun war der Nörgler sicherlich ein Profi in Sachen Musik und Musik-Kritik; nur: Er übte seinen "Beruf" - oder besser seine Neigung - am unpassenden Ort und zur falschen Zeit aus. Genau hierdurch wirkte er böse. Hätte er dies in der geschützten Räumlichkeit der Universität getan, wären die Studenten dankbar auf seine Ratschläge eingegangen und hätten sich entsprechend auf ihren öffentlichen Auftritt vorbereiten können. Jene Bloßstellung in der Öffentlichkeit hat den jungen Leuten ganz sicher geschadet, und auch waren sie seither nicht wieder in der Münchener Fußgängerzone aufgetreten. -

2. Das scheinbar Böse: Wer kennt etwa nicht den "bösen Nachbarn", der bei der Begegnung nicht grüßt, die Türe dicht hinter einem zufallen lässt, über den Müllbeutel neben der Tonne murrt oder sich über die "lärmenden" Kinder beschwert - bis man sich eines Tages ein Herz fasst und versucht, mit ihm ins Gespräch zu kommen, ihm da und dort eine Gefälligkeit leistet oder ihm ein kleines Festtagsgeschenkt überreicht - und plötzlich erlebt, wie der "böse" Mann aus sich herauskommt und sein im Grunde gutes Wesen auszustrahlen und wirken zu lassen beginnt. -

Das meine ich mit: das Böse durchschauen entzaubern, es erlösen, die Erscheinung des Boshaften richtig zu deuten.

Ich hoffe deutlich machen zu können, was notwendig ist, um dies vollbringen zu können: Selbstlosigkeit und Herzensmut - eben echt gute, sprich: christliche Eigenschaften.

Da ich meine Bücher von Max Heindel (al. Carl Louis v. Grasshoff) nicht in greifbarer Nähe habe, kann ich nicht nachsehen, ob ich jene angebliche Aussage des Paulus auch von dorther kenne - was ich eigentlich ziemlich sicher meine.


Schönen Gruß!

Bernhard


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