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Die tägliche Haßrede im "Spiegel": Christian Stöcker bringt den Ratten-Vergleich.

admin @, Sonntag, 20. November 2016, 15:04 (vor 129 Tagen)

Ich entsinne mich einer Deutschstunde im Bonner Abendgymnasium. Da hatten wir uns die Rede eines Nationalsozialisten vorgenommen, in welcher gewisse Menschen - Juden - als Ratten bezeichnet oder in die Nähe von Ratten gebracht wurden. Wir sollten daraus lernen, daß eine Redeweise, in der Teile der Bevölkerung in die Nähe von schädlichen Tieren gerückt werden, zu den Kennzeichen des Faschismus in Deutschland gehörte.

Genau das tut nun der "Spiegel"-Redakteur Christian Stöcker in seiner Kolumne Woher der Hass kommt - Die Ratte in uns.

Eines vorweg: Wenn Journalisten gegenwärtig über Haß schreiben, dann entspringt das einer tiefen Enttäuschung und einem tiefen Ärger. Sie behandeln ein Phänomen, welches ihnen zeigt, daß ihr Bemühen um Volksverhetzung ins Leere geht. Haß ist für sie gleichbedeutend mit ausbleibender Zustimmung, mit System-Kritik. Im Grunde schreiben sie über ihren eigenen Haß, den sie aber als solchen leugnen.

Nicht, daß Stöcker uns Systemkritiker direkt als Ratten bezeichnet. Er spricht nur von der "Ratte in uns", und zwar im Allgemeinen. Diese Ratte in uns, das ist ein primitives, aber allgegenwärtiges menschliches Verhaltensmuster: Um uns wohlzufühlen, setzen wir andere Menschen herab.

Die Sozialpsychologie kennt eine einfache Methode, mit der sich nahezu jeder Mensch in nahezu jeder Situation gleich ein bisschen besser fühlen kann. Diese Methode heißt, wenig elegant, abwärtsgerichteter sozialer Vergleich.

Es wirkt auf Menschen belohnend, auf andere herabzublicken. [...]

Auf dieser Form des abwärtsgerichteten sozialen Vergleichs - ich erhebe mich über dich, weil du einer aus meiner Sicht niederen Gruppe angehörst - basieren ganze Staatsgebilde und politische Systeme. Der politisch-gesellschaftliche Kulminationspunkt des abwärtsgerichteten sozialen Vergleichs ist der Faschismus: Ganze Völker erklären sich selbst für wertvoller, andere für minderwertig. Solche Ideologien bringen Begriffe wie "Untermensch" hervor, gewissermaßen der begriffgewordene abwärtsgerichtete soziale Vergleich. Am Ende, so paradox das klingt, hassen Menschen andere Menschen - Juden, Schwarze, "Ausländer", wen auch immer - um sich selbst besser zu fühlen. Verachtung als Methode der Selbstwertsteigerung.

Ist diese Methode nicht genau die, welche die Systempresse im Allgemeinen, und Stöcker hier im Besonderen, auf uns Meinungs-Abweichler anwendet? Wir: die Deppen, das Pack, die Frustrierten, die Zu-kurz-gekommenen.

Und obendrein sind wir, Stöcker zufolge, auch noch selber schuld.

Wir können auch anders. Anders als Tiere können Menschen sich dem simplen Belohnungsschema verweigern, motiviert durch ein höheres Gut. Alkoholiker werden trocken, weil sie ihre Familie behalten wollen, Spielsüchtige hören auf zu zocken, weil ihnen ihr Haus wichtig ist.

Und jetzt der Hammer! Stöckers...

wichtigste Schlussfolgerung aus dieser Erkenntnis ist diese: Das derzeit so häufig eingeforderte Verständnis für diejenigen, die Rassismus, Sexismus, Homophobie und so weiter als Krücken fürs eigene Selbstwertgefühl benutzen, ist fehlgeleitet. Einem Alkoholiker hilft man ja auch nicht, indem man Verständnis für seine Sucht zeigt.

Sondern, "indem man ihn dabei unterstützt, vom Alkohol loszukommen."

Wir Meinungs-Abweichler sind also Suchtkranke mit der schrecklichen Folge, daß die Ratte in uns zum Ausdruck kommt. Wir müssen nicht von irgendwas überzeugt werden, nein. Wir müssen dazu gebracht werden, einer Therapie zuzustimmen. Das ist neuerdings die Aufgabe von "Spiegel"-Journalisten. Es bleibt die Frage, was mit denen geschieht, die sich einer Therapie verweigern und damit beweisen, daß sie gerade keine Ratten sind.

Was unterscheidet diesen Faschismus von dem des Dritten Reiches? Ich sehe da keinen Unterschied mehr.

trel/admin


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