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Ein "Spiegel"-Redakteur (Dirk Kurbjuweit) macht Ausflug in die Realität - und schreibt darüber!

admin @, Montag, 06. November 2017, 09:02 (vor 37 Tagen)

Im heutigen "Spiegel"-Newsletter, den ich per E-Mail erhalte, teilt der stellvertretende Chefredakteur, Dirk Kurbjuweit, folgendes Erlebnis mit (Hervorhebungen im Original):

Zug des wahren Lebens

Gestern Nachmittag, 16 Uhr, Berlin, eine kurze Bahnfahrt von Gneisenauer Straße nach Eisenacher Straße, von Kreuzberg nach Schöneberg, mit der U7, eine Stunde später zurück. Es war wenig los an den Bahnhöfen und im Zug, schlechtes Wetter, eine tote Zeit. Von den Leuten, die ich gesehen habe, hatten siebzig Prozent ein Problem. Sie waren furchtbar arm, sie haben getrunken, sie waren zugedröhnt, sie haben offen Drogen gekauft und verkauft, sie stanken, sie nuschelten mir etwas zu.

Es war wie eine Dystopie, in die ich gestolpert war. Oder wie das Erwachen aus einem schönen Traum, und das hier ist die Realität. Diese Menschen sind ja immer da, aber in der Masse des Alltags gehen sie unter. Solange wir den Eindruck haben, ihre Zahl sei klein, sind wir weitgehend unbesorgt. Aber gestern in der U7 war das ihre Welt und ich der Außenseiter. Sozialpolitik bleibt ein großer Auftrag, auch für Jamaika.

An sich ist das, was er schreibt, nicht aufregend. Es handelt sich um den deutschen Alltag, wie man ihn durch Benutzung der Massenverkehrsmittel zwangsläufig erlebt. Aber daß er es schreibt, ist aufregend. Denn der Redakteur gibt hiermit ja ganz ungeniert zu, daß er in einem Elfenbeinturm lebt und nur gelegentlich aus diesem ausbricht: "Aber gestern in der U7 war das ihre Welt und ich der Außenseiter." Und nicht nur das: Er hält auch seine Leser für realitätsfremd. Es war ja wohl nicht seine Absicht, sie zu langweilen!

Es gibt eine Studie - augenblicklich habe ich sie nicht parat -, der zufolge heutige Zeitungsjournalisten ganz überwiegend dem linken und grünen Milieu zugehören; also einem Milieu, in dem man als Wohlsituierter die angebliche Ausgrenzung von Außenseitern, Ausländern usw. kritisiert, seine eigenen Kinder aber lieber in Privatschulen schickt. Für die durchschnittliche "Spiegel"-Leserschaft gilt das offensichtlich auch. Dennoch bin ich überrascht über die obige Mitteilung. Schießt der "stellvertretende Chefredakteur" sich damit nicht ins Knie?

Die Erfolge der Alternative für Deutschland (AfD) sollten diese Hinterwäldler eigentlich zur Besinnung bringen. Tun sie aber nicht. Sie schrecken auf, führen aber nur zu Abwehrreflexen und eben leider nicht zur Besinnung.

admin


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