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Über das Verschwinden von Menschen und Forum-Einträgen - ein Vergleich.

admin @, Mittwoch, 26. Januar 2011, 16:58 (vor 2856 Tagen)

Dieses Forum war aus einer Art Notlage gegründet worden: Viele Beiträge in dem großen wgvdl.com-Forum wurden und werden vom Betreiber gelöscht - ohne Vorwarnung und ohne Dokumentation. Meist sind es neue Threads, und zwar solche, die nicht gegen die Forumregeln verstoßen. Das Verschwinden ist also nicht vorhersehbar.

Ebenso werden Schreiber, zumindest unter den Nichtregistrierten, immer wieder gesperrt, und zwar ebenfalls ohne Vorankündigung und ohne Erklärung. Oft können sie nach einer gewissen Zeit dann wieder schreiben, ohne daß klar wird, warum und für wie lange.

Bisweilen sind aber die Gründe erkennbar bzw. werden genannt. Ein solcher Grund ist die Religion, insbesondere das Christentum. Aus diesem Grund entstand zeitgleich zum Reserveforum das wgvdl.eu-Forum, das von vornherein als ein konkurrierendes Unternehmen gedacht war, und daher sowohl in der Domain-Bezeichnung als auch im Design dem ersten Forum täuschend ähnlich sieht.

Aber auch dort gab es Rauswürfe. Immerhin wurde das begründet und ausführlich diskutiert - ein Fortschritt zum Besseren! Zu den "Opfern" - ich stelle das in Anführungszeichen - gehöre auch ich. Daher begründete ich das Reserveforum, das aber, wie im Namen zum Ausdruck kommt, kein konkurrierendes Unternehmen sein soll. Es dient gegenwärtig vor Allem mir selbst: Als Ort der Beitrags-Sicherung, aber auch zur übersichtlichen Ablage von Themen, die ich in meinen Artikeln ausgestalte.

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Indem ich feststelle, daß im wgvdl.com-Forum Threads gelöscht und Schreiber unvorhersehbar gesperrt werden, behaupte ich nicht, daß es insgesamt ein schlechtes Forum oder sein Betreiber ein Unmensch sei. Im Gegenteil, das Forum erfüllt seine Aufgabe sehr gut, und sein Betreiber schreibt selber exzellente, konzentrierte Beiträge. Dennoch verlangt die Praxis, die ich hiermit erwähne, eine Bewertung.

Es ist eine Errungenschaft des Rechtsstaates, daß niemand ohne Anklage und Gerichtsverfahren verurteilt wird; ferner, daß selbst der Verurteilte noch über Rechte verfügt. Im Absolutismus war das anders: Der Souverän konnte ohne Begründung seine Untertanen einkerkern oder sie auch veranlassen, das Land zu verlassen, indem er sie für vogelfrei erklärte. Wenn Untertanen nicht wieder auftauchten, war er auch niemandem Rechenschaft schuldig.

Selbstverständlich hat der Ausschluß aus einem Internetforum keine auch nur annährend vergleichbare Wirkung auf die Integrität der Betroffenen, und er bedeutet auch keinen Rechtsverstoß nach dem Gesetz. Die moralische Haltung des Forumbetreibers ist aber die genau die gleiche, und insofern sehr wohl zu vergleichen mit der Haltung eines absolutistischen Fürsten.

Anders nämlich als ein Weblog, das nur hilfsweise ein Kommentieren durch Außenstehende zuläßt, ist ein Internetforum eine zwar ebenfalls privat betriebene, in seiner Erscheinung und Dynamik aber durchaus öffentliche Einrichtung. Und gerade wenn es zu einer "Institution" geworden ist, wie es beim wgvdl.com-Forum der Fall ist, dann gilt in einem zwar nicht rechtlichen, wohl aber moralischem Sinne: Eigentum verpflichtet.

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Zum besseren Verständnis sei die Parallele zu den Medien gezogen. Zeitungen sind nicht verpflichtet, einen Autor, der nicht in ihr politisches Konzept paßt, bei sich schreiben zu lassen. In dem Maße ihrer Verbreitung hat das aber Einfluß auf die gesamte Gesellschaft eines Landes. Insoweit trägt der Herausgabe für ihre Entwicklung eine Mitverantwortung. Noch mehr gilt das für die öffentlich-rechtlichen Sender, deren Programme bekanntlich von sehr vielen Menschen empfangen werden. Es kann zu Formen der Gleichschaltung und der Monopolbildung kommen.

Das Internet durchbricht diese Einschränkungen zwar. Anderseits können sich auch hier Meinungs-Moonopole bilden, wenn etwa innerhalb einer begrenzten Bewegung, wie die Männerbewegung ist, ein bestimmtes Internetforum seine beherrschende Stellung nutzt, um bestimmte Auffassungen zu unterdrücken.

Der Einwand, daß ja genügend andere Foren zur Verfügung stehen oder problemlos neu gegründet werden können, hat gewisse Ähnlichkeiten mit dem Einwand gegen die Demokratie-Verdrossenheit. Wir kennen ihn, er lautet: Wählt doch eine andere Partei oder gründet selber eine!

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Aber die Meinungsführerschaft ist eine Sache; das Verschwindenlassen von Beiträgen, von denen der Autor im Vertrauen möglicherweise keine Kopie gemacht hat, ist eine andere.

Diese Praxis ist nicht zu rechtfertigen. Jedes Forum, auch das wgvdl.com-Forum hält die Möglichkeit bereit, unerwünschte Einträge in andere Bereiche zu verlagern. Diese führen andernorts Bezeichnungen wie "Arena" (wenn noch darüber gestritten werden kann) und "Friedhof" (wenn sie endgültig gesperrt wurden).

Selbst wenn das dem Betreiber zu lästig ist, kann er aber dem Autor des vernichteten Eintrags noch eine Mitteilung machen, wenn nicht vorher, dann zumindest nachher. Dies kann auch auf einer Extraseite geschehen, wie sie selbst in einem Forum mit Baumstruktur durch einen simplen Klick einzurichten ist.

Auf diese Weise würde dem Forum der Zug genommen, der als absolutistisch oder totalitär genannt werden muß, und der einer Befreiungsbewegung, wie sie die Männerbewegung nun einmal ist, schlecht ansteht, ja dazu beitragen kann, sie unglaubwürdig zu machen.

trel


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