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S.M.Gearharts globales Entmannungs-Plädoyer - JETZT AUF DEUTSCH !

admin @, Montag, 07. Februar 2011, 01:07 (vor 2718 Tagen)

Als ich zum ersten Mal, es war in einem Buch von Claudia Heyne ("Täterinnen") die folgenden programmatischen Sätze las:

1. Jede Kultur muß jetzt Schritte unternehmen, damit die Zukunft weiblich wird.

2. Die Verantwortung für den Fortbestand der menschlichen Gattung muß in allen Kulturen wieder in die Hände der Frauen gelegt werden.

3. Der Anteil der Männer muß auf ungefähr 10 % der menschlichen Rasse reduziert und festgeschrieben werden.

- da nahm ich an, daß die Autorin mindestens ebenso verrückt gewesen sein müsse wie die Valerie Solans, d.h., daß sie irgendwann in ihrem Leben um sich geschossen hat, sodann in die Psychiatrie gekommen ist, und zuletzt unter unwürdigen Umständen in einem Obdachlosenasyl endigte.

Folglich ließ ich die Angelegenheit zunächst einmal auf sich beruhen, zumal ich mit der Google-Suche nicht weiterkam. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht klar, daß in dem besagten Buch der Name falsch geschrieben war, nämlich "Gaerhart" statt "Gearhart". In dieser falschen Schreibung übernahm ich ihn zunächst auch in meinem Sexistinnen-Pranger. Von dort "pflanzte" sich der Schreibfehler fort, u.a. in das "Männerhaßbuch" und in Manifolds Blog.

Mit der Zeit wurde ich aber immer neugieriger. Schließlich wurde ich in der englischsprachigen Wikipedia fündig. Dort erfuhr ich, daß es sich bei der Autorin um eine noch lebende Literatur-Professorin handelt, also um eine feinsinnige Person von überdurchschnittlicher Bildung. Darauf schrieb ich u.a. den deutschsprachigen Wikipedia-Artikel über sie, der dort auch halbwegs unverändert stehenblieb.

Währenddessen ließ aber meine Neugier nicht nach. Könnte es sein, daß Gearhart vielleicht gar nicht mehr zu ihren Aussagen steht? In dem Falle wäre es unfair, sie heute noch zu zitieren. Zu oft hatte es mich geärgert, wenn deutschen Autoren irgendwelche Aussagen zur Last gelegt wurden, die sie während der Hitlerzeit gemacht hatten. Denn niemand von uns kann wissen, wie er sich unter den gleichen Umständen verhalten hätte. Zudem macht die Autorin auf ihrer persönlichen Webseite wirklich einen feinsinnigen Eindruck.

Zudem ist es ja möglich, daß sie ihre Aussagen gar nicht so ernst meinte und etwa im Zuge einer ihrer gesellschaftspolitischen Kampagnen gemacht hat, wo Übertreibungen dazugehören.

Schließlich bestellte ich den Sammelband, der ihren Aufsatz enthält, in der Bonner Uni-Bibliothek per Fernleihe. Es sind nur 18 Seiten. Die Übersetzung ins Deutsche schaffte ich in drei Tagen.

Was ich nun zu lesen bekam, belehrte mich aber eines anderen: Gearhart meint es ernst! Sie selbst kennt und diskutiert die entscheidenden Einwände. So lesen wir in Abschnitt (I) die folgende Passage:

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Die Vorrangigkeit der Frau bedeutet nicht, daß der Mann sich verkriechen oder aussterben müßte. Sie ist - oder würde es sein, wenn die ganze künstliche Selbstverständlichkeit der gegenteiligen Auffassung erst einmal weggewischt ist -, einfach eine Tatsache, die nichts besser oder schlechter macht. Ich weiß, wie diese Worte klingen, und wie in der Menschheitsgeschichte derartige Worte unausgesetzt mit Herablassung oder auch wohlwollender Despotie gebraucht worden sind, um die Überlegenheit einer (gewöhnlich ethnischen) Gruppe über eine andere zu begründen. Ich bin mir der Gefahren des biologistischen Determinismus bewußt und fürchte ihn in genau der Weise wie jeder von uns ihn fürchten würde. Doch bis jetzt, hier auf der Ebene der menschlichen Sexualität, bin ich schließlich zu sagen gezwungen, daß ich die Unterschiede als solche der Vorrangigkeit und Verschiedenheit sehe, das heißt, als den grundlegendsten Unterschied, den es zwischen den Mitgliedern der menschlichen Rasse gibt. Gerade weil der Unterschied so fundamental ist, gibt es keine Analogie, an der sich aufzeigen ließe, wie die Anerkenntnis der weiblichen Vorrangigkeit qualititativ verschieden wäre von der faschistischen Forderung, daß [dunkel-]farbige Menschen die Vorrangigkeit der Kaukasier anerkennen. Ich komme wieder zurück auf das, was mir letztlich die Wahrheit zu sein scheint, daß weibliche Vorrangigkeit die Tatsache, die Wahrheit ist, einsehbar sowohl durch Männer als durch Frauen, während jede Höherbewertung auf der Basis von rassischem und ethnischem Hintergrund schlicht und offensichtlich absurd ist.

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Gearhart weist also in aller Entschiedenheit jede Analogie (Entsprechung) zwischen ihrem Programm der weltweiten Reduktion des männlichen Geschlechts und den Völkermorden der Geschichte zurück. In gewisser Hinsicht hat sie sogar recht, denn die Methode, die sie vorschlägt, besteht nicht in Krieg oder Massen-Hinrichtung, sondern in einer Manipulation der Fortpflanzung, nämlich der Eiverschmelzung. Dadurch würden Frauen nur noch Mädchen gebären; genauer gesagt: sie würden sich klonen.

Wenn es sich aber, um im Vergleich zu bleiben, darum handeln würde, etwa die schwarze Rasse zu "reduzieren", dann würde durchaus wohl der Vorwurf des Völkermordes laut werden, mit Sicherheit aus dem Mund der Betroffenen selbst. Außerdem könnte allein schon die Absichtserklärung sekundär völkermordähnliche Zustände auslösen, etwa als präventive Maßnahmen gegen diejenigen, welche die Idee geäußert haben oder die an ihrer Ausführung beteiligt sein könnten.

Weiterhin behauptet Gearhart allen Ernstes, daß Frauen, wenn sie weltweit die Macht übernähmen, niemals auch die Gewalt ausüben, die sie den Männern vorwerfen. Siehe die folgende Passage:

Zu sagen, wenn Frauen die Gelegenheit zu einer solchen Macht hätten, dann würden sie sie ausüben, wie Männer es getan haben, heißt zu unterstellen, daß Männer ihre patriarchale Macht nur durch Glück oder Zufall gewonnen hätten. Allein die Tatsache, daß Frauen unterdrückt waren, müßte ihren Widerwillen, Gewalt auszuüben selbst angesichts wachsender männlicher Kontrolle, bezeugen. Frauen sind sicher in der Lage, Waffen zu tragen, sich selbst und ihre Nachkommen zu verteidigen, sich zu üben im Krieg oder in der Politik, genau wie Männer auch. Aber meiner Erfahrung nach wählen Frauen nicht, gewalttätig zu werden, besonders in der breiten Skala von Gewalt, aus der Männer anscheinend wählen.

Das ist erstaunlich naiv. Es ist allgemein bekannt, daß Gewalt meist von denen ausgeübt wird, die sie selbst erlitten haben. Das kommt immer zur Sprache, wenn wieder einmal ein Jugendlicher wegen Gewaltkriminalität verurteilt werden soll. Ein weiteres Beispiel sind die Aufnahmerituale in Männergruppen wie etwa in Rockerbanden oder beim Militär: Dort müssen die Novizen brutalste Demütigungen über sich ergehen lassen von älteren Mitgleidern, die Gleiches früher ebenfalls erduldet haben. Ich will das nicht kritisieren. Mich wundert nur, daß Gearhart das nicht weiß oder nicht zur Kenntnis nehmen will.

Kann man Gearhart abtun, indem man sagt, sie sei in einem leichten, universitäts-verträglichem Maße verrückt? Als Verrückthat man auch Hitler und Stalin bezeichnet. Dann fragt sich aber, warum gerade die Verrückten so viel Gefolgschaft finden und so erfolgreich werden. Was Gearhart von ihnen unterscheidet, ist möglicherweise nur das fehlende Charisma, nicht aber ihre "Logik" der Menschenverachtung.

Siehe die Übersetzung hier:

http://sexistinnen-pranger.de/gearhart.html

oder in dem anschließenden Eintrag.

trel


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