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Die Hölle - es gibt sie.

admin @, Donnerstag, 17. Februar 2011, 00:44 (vor 2709 Tagen)

Ich nehme zum Anlaß dieses Beitrags einen Spiegel-Artikel über einen unterirdischen Schwelbrand, der seit 1962 besteht und seitdem nicht gelöscht worden konnte. Zwar hat es an Anstrengungen nicht gefehlt, doch im Ergebnis mußte der Ort - die Stadt Centralia in Pennsylvania, USA - geräumt werden.

Wie ein gieriges Tier mit vier Armen hatte sich das Feuer unter Tage durchgefressen. Es gedieh in den stillgelegten Stollen, den Versorgungstunneln, mäanderte durch Luftschächte und wuchs zum gewaltigsten Minenfeuer Amerikas heran. Und es verzerrte bis heute eine Fläche von rund 35 Fußballfeldern - ohne dass es jemand stoppen konnte.

Bemerkenswert ist in der Folge auch das offizielle Verschwinden des Ortes:

Heute führen die einstigen Auffahrten der Grundstücke auf leere Wiesen, in den Dehnungsfugen der Straßen wuchert das Unkraut, wo einst Häuser waren, stehen nur noch Mauerreste: Die wenigen verbliebenen Einwohner leben wie in einer Art Geisterstadt, seit Januar 1992 gilt ihr Aufenthalt dort als illegal. Die Regierung ließ die letzten Hausbesitzer enteignen und machte sie zu Besetzern ihrer eigenen Häuser. 2003 verlor der Ort überdies seine Postleitzahl, das Gebiet wurde dem nahe gelegenen Ashland zugeschlagen.

Auf neueren Landkarten wird Centralia oft gar nicht mehr eingezeichnet.

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Der Ort und das Geschehen erinnern mich an meine Vorstellungen, die ich als Kind von der Hölle gehabt habe. Ich stellte sie mir als einen Ort in der Tiefe der Erde vor, wo es sehr heiß ist, und wo Menschen nach ihrem irdischen Dasein zur Strafe gequält werden. Und zwar durch den Teufel, der eine schwarz-zottige Gestalt ist, teils Mensch, teils Tier, teils Dämon. Der macht das aber nur in Absprache mit Gott, d.h. wer nicht zu Gott in den Himmel kommt, der kommt dann eben zum Teufel in die Hölle.

Später. als ich okkultistische Literatur zu lesen begann, erfuhr ich: Die Hölle ist kein Ort, sondern ein zeitlich begrenzter Zustand innerhalb einer an sich unräumlichen Welt, in der die Menschen solange gefangen bleiben, bis sie sich von ihren irdischen Verhaftungen endgültig gelöst haben. So beschreibt es etwa Georg Ritchie in seinem sehr lesenswerten kleinen Erfahrungsbericht "Rückkehr von morgen".

Noch später las ich bei Rudolf Steiner und lese jetzt wiederum bei Valentin Tomberg, daß die Welt des Bösen tatsächlich im Inneren der Erde auszumachen sei, und zwar in neun unterscheidbaren geistigen Tiefenschichten. Sie ist gemeint, wenn es im Glaubenbekenntnis von Christus heißt, daß er zwischen Kreuzigung und Auferstehung "niedergefahren zur Hölle" sei.

In seinem Buch "Anthroposophische Betrachtungen über das neue Testament und die Apokalypse" (geschrieben um etwa 1938) beschreibt Tomberg diese Höllenfahrt in einer sehr anrührenden Weise. Die geistige Welt habe den Atem angehalten, denn es sei nicht ausgemacht gewesen, daß die "Reise" gutgehen würde. Aber in der Folge ist Ahriman bzw. der Satan (wohl zu unterscheiden von Luzifer oder Diabolos!) überwunden worden, und mit ihm der Tod.

Der Mensch ist durch den Anblick dieser objektiven Hölle unmittelbar nach seinem Tod geschützt. Er hat während etwa drei Tagen eine klare und ruhige Lebensrückschau, während der sich sein Ätherleib auflöst.

Christus hat auf diese Lebensrückschau bzw. diesen Schutzwall verzichtet und unmittelbar in die Hölle bzw. die Welt Ahrimans hinabgeschaut. Ich zitiere Tomberg:

Es wird berichtet, daß im Augenblick Seines Todes der Vorhang im Tempel zerriß: dieses ist Ausdruck der Tatsache, daß sich ein neues karmisches Gleichgewichtsverhältnis zwischen Gut und Böse eingestellt hat; indem der Vorhang der "Hölle" genommen wurde, wurde auch der Vorhang des "Allerheiligsten" genommen. Nun ist aber die Folge des des neuen karmischen Verhältnisses die: wenn das Mysterium des Guten nun der Erkenntnis der Menschen zugänglich geworden ist und das Geheimnis des Bösen ebenfalls, so gewinnt das Gute dadurch, daß es erkannt wird, das Böse verliert aber, wenn es als solches erkannt wird. Denn dieses ist der Wesensunterschied zwischen Gut und Böse: Das Gute gewinnt, indem es erkannt wird, das Böse aber verliert, indem es erkannt wird, denn es wird dann entlarvt.

Es war die höchste Tat des Erkenntnismutes, daß der Christus Jesus auf den "Vorhang der Hölle" verzichtete und mit seinem Wesen - statt das Lebenstableau zu schauen - in die Finsternis des Erdinneren untertauchte. Jenes Untertauchen war ein Ereignis, das zu charakterisieren keine Sprache der Menschen vermag. Es gibt nichts Erschütternderes, als das Verschwinden der Wesenheit des Christus Jesus in die Finsternis der unteren Sphären für den Blick der geistigen Wesen, die aus der geistigen Welt hinabschauten. Eine atemlose Erwartung stellte sich in der geistigen Welt ein - die Welt der Hierarchien wurde still und atemlos in der Erwartung entweder des höchsten Sieges oder der höchsten Katastrophe...Nur ein Gedanke, nur eine Frage erfüllte die gesamte Welt der Hierarchien in jenen Tagen: kommt er zurück? Wird Er aus dem Abgrund wieder auftauchen?

Und wiederum ist alle menschliche Sprache machtlos, um auch den schwächsten Abglanz des kosmischen Jubels wiederzugeben, der die Himmel erfüllte, als der Auferstandene aus der Finsternis des Abgrunds in der Sphäe des Zwielichts erschien...Damals wurde in den Sphären der Himmel das kosmische Osterfest gefeiert, und jene kosmische Feier ist und bleibt für alle Zeiten das Ur- und Vorbild aller menschlicher Feiern auf Erden.

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Das war nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Kapitel bzw. einem Buch, das es verdient, in Gänze gelesen zu werden.

trel


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