Die „Kultur des Todes“ ist der Teil der Kultur, der sich „Zivilisation“ nennt

Herr Schütze ⌂ @, Mittwoch, 02. März 2011, 00:39 (vor 2847 Tagen) @ admin

Lieber Admin, ich nehme Ihre Antwort zum Anlaß, mein Verständnis von der „Kultur des Todes“ als dem Teil der Kultur, der sich „Zivilisation“ nennt, zu verdeutlichen und dabei versuche, auf diejenigen Ihrer Aussagen, die ich hier zitiere, zu orientieren.

Ich sehe eher die umgekehrte Gefahr: Die künstliche Verlängerung des vegetativen Lebens von Menschen, die natürlicherweise sterben würden und sterben wollen, gegen ihren Willen. Das ist zwar in jedem einzelnen Falle mit sehr großen Kosten verbunden, aber seltsamerweise scheint der Trend in diese Richtung zu gehen. Es ist paradox!

Ganz genau! Noch nie hat man etwas mittel- bis langfrsitig trotz der „sehr großen Kosten“ durchsetzen können, sondern immer hat man etwas mittel- bis langfristig wegen der „sehr großen Kosten“ aufgeben müssen.

Ich kann mir sogar vorstellen, daß dies als ein neues Foltermittel angewandt werden könnte, nach dem Motto "Stirb langsam".

Vorstellbar ist vieles.

Es gibt jedenfalls zu denken, daß zahlreiche Menschen Testamente geschrieben haben für den Fall, daß sie unheilbar erkranken und gegen ihren Willen zum Fortleben gezwungen werden sollen.

Jedenfalls ist das der Trend. Aber man darf nicht vergessen, wie schnell die Anpassungsprozesse sein können, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen, und wie schnell die Wendehälse sich drehen können, sobald die politischen Rahmenbedingungen sich geändert haben.

Nimmt man die Wiederverkörperung an, dann wird man so werten, wie ich es oben getan habe. Lehnt man diese Idee ab, dann wird man das Leben - wie auch immer - um jeden Preis verlängern wollen ....

Ich glaube nicht an den „Gutmenschen“, genauer gesagt: an den, der vorgibt, einer zu sein. Die abendländischen Ärzte sind zur Verlängerung des Lebens gezwungen, weil es für sie (noch!) keine andere Gesetzeslage gibt. Sobald sich etwas Grundlegendes ändert, wird sich auch die „Mentalität“ der Ärzte ändern. Wetten?

Man wird aber trotzdem auch dann noch „das Leben der Ungeborenen jedoch sehr gering bewerten“, wie Sie schreiben, weil man sich anderen Zwängen ausgesetzt hat, weil man sie fälschlicherweise für vorteilhaft gehalten hat. Man denke nur an die heute überall in der westlichen Welt vorherrschende Priorität der (Finanz-)Wirtschaft gegenüber jeder Politik, jeder Rechtssprechung u.s.w., ja jeder Kultur überhaupt. Das nämlich ist die „Kultur des Todes“.

Die „Kultur des Todes“ ist der Teil der Kultur, der sich „Zivilisation“ nennt.

Es ist die „Zivilisation“, die den Tod einer Kultur heraufbeschwört. Sie ist der Teil der Kultur, der den Tod der Kultur will, der nihilistisch, aber auch verführerisch „modern“ ist.

Ich habe noch den alten, den deutschen Begriff von „Kultur“. Leider ist er durch den angelsächsischen Begriff „Civilisation“ - im Zuge der anglizistischen Seuche - in den Hintergrund getreten. (Siehe auch: Definition von „Kultur“ und „Zivilisation“!). Im Deutschen ist „Zivilisation“ einerseits das Hyponym zum Hyperonym „Kultur“, andererseits aber auch deckungsgleich mit Kultur, d.h. beide können je nach Text und Kontext auch Synonyme sein. Im Englischen aber ist „Civilisation“ stark abgegrenzt von „Culture“, d.h. beide sind fast nie wie Synomyme verwendbar. „Civilisation“ ist einerseits deckungsgleich mit dem deutschen Wort „Zivilisation“, andererseits zum Teil auch deckungsgleich mit dem deutschen Wort „Kultur“. Nun hat sich aber bei den Deutschen aufgrund der Politkorrekheit immer mehr die englische Version durchgesetzt. Und das ist selbst schon ein Zeichen von „Zivilisation“, wie ich sie verstehe, denn ich verstehe sie ja im Sinne der deutschen Sprachnorm als den dekadenten Teil der Kultur (sprachwissenschaftlich gesagt: als Hyponym zum Hyperonym „Kultur“). Trotz (und wegen) der Tatsache, daß heute immer mehr Deutsche die englische Definition bevorzugen, ist die deutsche Definition der englischen Definition überlegen und - auch darum - vorzuziehen. Die englische Definition ist eine zivilisationistische Definition, d.h. sie ist nicht neutral, nicht wissenschaftlich, sondern von vornherein bewertend. Sie wertet die Kultur ab und die Zivilisation auf. Diese Definition ist pro-zivilisationistisch, weil sie selbst ein Ausdruck der Zivilisation ist. **

Es gibt einen Lebenstrieb und einen Todestrieb (vgl. meinen Text zum Thema „Neger-Quote, Frauen-Quote ...“ vom 04.02.2011,16:01 Uhr). Bezüglich einer Kultur ist ihre „Zivilisation“ der Todestrieb. Sie ist durch und durch nihilistisch. Ihr „Todeszug“ beginnt mit der Bekämpfung der alten Mächte, also auch der Kirche - dabei verspricht sie alles und kann auf Dauer nichts halten.

Der Kultur des Todes ist in aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Ja, aber kann man das, wenn sie „Zivilisation“ (also: Teil einer Kulturgeschichte!) ist?

Was stellen wir der Kultur des Todes entgegen?

Die Kultur des Lebens! Und das ist die Kultur selbst!

Wenn wir ihr nichts entgegenzustellen haben, dann bliebe nur die Resignation.

Amor fati?

Ich weiß es nicht, außer: daß auch ich grundsätzlich gegen die „Kultur des Todes“ bin.

Sollten wir unser Schicksal lieben? Oder ist Ihnen das zu NIETZSCHEANISCH? Sollten wir unseren Untergang FAUSTISCH gestalten? Oder ist Ihnen das zu SPENGLERIANISCH?

Freundliche Grüße

Herr Schütze


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