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Kultur des Todes.

admin @, Mittwoch, 02. März 2011, 09:47 (vor 2821 Tagen) @ Herr Schütze

Guten Tag Herr Schütze,

vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Die Unterschiede im Verständnis von Kultur und Zivilisation waren mir bisher nicht so klar, und darum begrüße ich Ihre aufhellenden Bemerkungen.

Leider bin ich mit Spengler nicht vertraut. Ich sage "leider", denn ich habe immer stärker den Eindruck, daß seine Lektüre gewinnbringend wäre. Vor einiger Zeit gab es eine billige Neuausgabe seines Werkes "Der Untergang des Abendlandes", doch habe ich nicht rechtzeitig zugegriffen. Selbst wenn Spengler im heutigen Wissenschaftsbetrieb nicht viel gilt, so ist das kein Einwand, denn von seinen Werken geht zweifellos eine inspirierende Kraft aus. Das gilt übrigens für viele der älteren Autoren, die ich deshalb bevorzugt lese.

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Sie unterstellen einen Todestrieb, schon in ihrem früheren Beitrag. Hier möchte ich jetzt einmal kritisch ansetzen. Der Begriff war mir bisher als ein Terminus von S.Freud bekannt, ferner sinngemäß in Zusammenhang mit der "Kultur des Todes", von der Kardinal Ratzinger sprach.

Der Todestrieb erscheint mir als eine bloße Konstruktion, eine Abstraktion, real als Unmöglichkeit. Kein Wesen kann den Tod als solchen wollen - auch dann nicht, wenn es Selbstmord begeht. Nun kann man natürlich den Todestrieb als ein abstraktes Prinzip verstehen, aber das ist wohl eher eine Verlegenheitslösung.

Alternativ zu dem Konzept von Spengler (das ich noch nicht gut kenne) und dem von Hubert Brune (in das ich mich auch erst gründlicher einarbeiten müßte), stelle ich Ihnen ein anderes Konzept vor, von dem ich meine, daß es Beachtung verdient. Es ist das anthroposophische Konzept verschiedener Autoren, das - angeblich, und für mich glaubwürdig - durch geistige Empirie gewonnen wurde.

Demnach sind die kosmischen Kräfte wesenhaft vorzustellen. Wesen habe ihre jeweils eigene Evolution bzw. Geschichte, Herkunft, "Charakter", usw. Es gibt nun drei Gruppen von zerstörerischen Wesenheiten. Wenn wir sie etwas abstrahieren, so lassen sie sich (willkürlich) benennen wie folgt:

1. Luzifer (Lichtbringer). Identisch mit dem "gefallenen Engel" der Bibel. Die luziferischen Wesen sind evolutiv zurückgeblieben auf dem "Alten Mond", dem dritten von sieben kosmisch-planetaren Weltzuständen, in deren Folge unsere Erde der vierte Weltzustand ist.

Anmerkung: Zwischen den Weltzuständen gibt es keine Existenz. Nur unsere Erde ist physisch, und das auch nur in ihrer jetzigen (Unter-Unter-)Periode. Die anderen Daseinsformen erschließen sich nur dem hellseherischen Bewußtsein.

Die luziferischen Wesen sind insofern relativ "junge" Wesen, und ihr "Charakter" ist recht gut einfühlbar. Er ist bezeichnet mit Stolz, Hochmut, Selbstliebe, Egozentrik, Rebellion. Viele Künstler sind luziferisch geprägt. Die Selbstaufblähung führt jedoch zum evolutiven Stillstand, daher das Sprichwort:

"Dummheit und Stolz / wachsen aus einem Holz."

Kosmisch besehen, verursachte Luzifer eine Frühreife des Menschen, dergestalt, daß dessen Ich nicht erst mit 21, sondern mit etwa 3 Jahren zu erwachen beginnt. Das führte zum Ausschluß aus dem Paradies (das man sich nicht physisch vorstellen soll!) und zu Mühe, Krankheit und Tod, aber auch zur vielbesungenen Freiheit des Menschen.

Luzifer war es, der Jesus in die erste Versuchung führte, indem er ihm "alle Königreiche dieser Welt" anbot. Allerdings ist er relativ gut "belehrbar", natürlich nur durch Christus, in einer (für den Esoteriker) absehbaren Zukunft.

2. Ahriman. Identisch mit dem "Satan" der Bibel. Die ahrimanischen Wesen waren zurückgeblieben schon auf der "Alten Sonne", dem zweiten kosmisch-planetaren Weltzustand. Sie sind daher mächtiger als die luziferischen Wesen.

In vielerlei Hinsicht bilden sie das polare Gegenstück zu ersteren. Ahriman ist gefühllos, aber von eisernem Willen und kaltem Intellekt, dabei ohne Eitelkeit. Ahrimanisch inspirierte Menschen sind Machtmenschen, die im Hintergrund wirken und rastlos und äußerst effizient damit beschäftigt sind, Systeme aufzubauen, in denen Menschen ihre Freiheit verlieren, und für die keine Verantwortlichen gefunden werden. Die ahrimanische Macht ist anonym. Sie wirkt vor allem in Wirtschaft und Technik.

Die Schäden, die Ahriman am Menschen anrichtet, werden nicht durch Krankheit und Tod, sondern immer wieder durch Wiederverkörperung ausgeglichen.

Luzifer und Ahriman gemeinsam waren es, die Jesus in die zweite Versuchung führten: Sich vom Tempel fallen zu lassen, d.h. in die Regionen des Unbewußten. Die Psychoanalyse hat hierin ihren Ursprung, ebenso die Massenpsychosen, der Hitlerismus u.a.

Ahriman allein war es, der Jesus in die dritte Versuchung führte: Steine in Brot zu verwandeln, d.h. die Illusion zu wecken, aus Totem Lebendiges zu schaffen; Lebendiges durch Totes zu substituieren. Damit wurde Jesus aber nicht völlig fertig, denn hinter Ahriman stand verdeckt der Sonnendämon. Daher antwortete Jesus: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein [also immerhin auch vom Brot], sondern auch vom Wort Gottes."

3. Sorat oder "die Asuras". Identisch mit dem Sonnendämon in der Apokalypse. Die asurischen Wesen sind bereits auf dem "Alten Saturn" zurückgeblieben dem, ersten kosmisch-planetaren Weltzustand.

Diese Wesen werden durch Steiner, Tomberg u.a. nur selten erwähnt (aus Scheu?), und entziehen sich weitgehend einer Beschreibung. Ihre zerstörerische Macht ist ohne Vergleich. Ihre Macht ist gegenwärtig im Kommen; sie "reißen Stücke aus dem Ich" (Steiner), wollen es völlig zerstören. Eines ihrer Mittel ist das Schaffen sexueller Perversionen in massenhafter Verbreitung.

Es gibt in diesem Weltzustand keine Möglichkeit, die durch sie angerichteten Schäden auszugleichen. Es gilt, sie zu erkennen und zu meiden.

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Das war gedacht als Vorbereitung zu einer Betrachtung der sieben nach-atlantischen Kultur-Epochen, wie sie das anthroposophisch ausgebildete Erkenntnisorgan zutage fördert.

Anmerkung: Vorher gab es, ebenfalls jeweils 7-gliedrig, atlantische Periode; davor die lemurische, davor die hyperboräische, davor die polarische Periode. - Erst in der Mitte der lemurischen Periode geschah die Trennung des Mondes von der Erde und, gleichzeitig damit die Trennung in zwei Geschlechter, sowie eine Verfestigung der Erde.

Jede der sieben nachatlantischen Kulturen oder Kultur-Epochen dauert 2160 Jahre, also ein Zwölftel der durch die Präzession bedingten Verschiebung des Frühlingspunktes im Tierkreis.

1. Ur-indische Epoche. Wirken der Rishis. Höchste kosmische Weisheit, doch Zurückschrecken vor der Verbindung mit der Erde und ihrer Bearbeitung. - Kultur des ausgebildeten Ätherleibes.

2. Altpersische Epoche. Wirken des Ur-Zarathustra (er re-inkarnierte mehrfach). Auseinanderstzung zwischen Iran und Turan bzw. einer sehr kleinen Gruppe fortgeschrittener, kulturschaffender Menschen und einer großen, zurückgebliebenen Gruppe. Dualistisches Weltbild; Kampf des Lichtes (Ahuro Mazda) mit der Finsternis (Ahriman). Bearbeitung der Erde; Züchtung der kulturbildenden Pflanzen- und Tierrassen. - Kultur des ausgebildeten Astralleibes.

3. Sumerisch-babylonisch-ägyptische-hebräische Epoche. Zikkurats in Mesopotamien, Pyramiden in Ägypten. Schriftkultur. Kosmisches Bewußtsein, Astrologie. Schriftkultur. Landvermessung. - Kultur der ausgebildeten Empfindungsseele.

4. Griechisch-römische Epoche. - Kultur der ausgebildeten Verstandesseele.

5. Gegenwärtige (mitteleuropäische) Epoche. Beginnend um etwa 1480. - Kultur der Bewußtseinsseele: Vereinzelung des Menschen; ausgeprägter Materialismus; geistig-kosmische Isolation höchten Grades; aber auch Entwicklung neuer geistiger Fähigkeiten - in manchen Menschen, d.h. die Chance wird nicht von allen ergriffen; eine Spaltung der Menschheit zeichnet sich ab, die später in zwei Kulturströmungen, dann in zwei sehr verschiedene neue Rassen ausmünden wird.

6. Russische Epoche. - Kultur des Geistselbst (Manas). Andeutungen dieser Kultur z.B. im Werk von Wladimir Solowjew.

7. Amerikanische Epoche.

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Jetzt käme es darauf an, dies alles

a) noch weiter zu begründen, und zwar sowohl inbezug auf die Entwicklung des Menschen, als auch inbezug auf die Entwicklung der 9-gliedrigen Hierarchie bereits höher entwickelter Wesen (sehr kompliziert!). Aufgaben und Gefahren der Kulturepochen, wie sie als Gesamtheit nach- bzw. vorauswirken, sind - sehr verschlüsselt - in den sieben "Sendschreiben" der Apokalypse beschrieben; ausführliche Erläuterung u.a. bei Tomberg.

b) in Beziehung zu setzen zu der Kulturepochenlehre anderer Autoren.

Zu bemerken bleibt mir noch, daß man die Entwicklung der Kulturen auch nicht zu schematisch sehen sollte. Es gibt vielfältige Überschneidungen, Konflikte, Abspaltungen, usw.

Sieht man es wesentlich, so wird die Evolution außerdem noch zu einem Drama. Tomberg verglich sie mit einer Fahrt auf dem Schiff, sagen wir einer Ozean-Überquerung.

Der gewöhnliche Passagier denkt, mit dem Kauf des Billets sei alles getan. Für die Mannschaft - also die "höheren Wesen" - sieht es aber nicht so einfach aus; sie sind ständig dabei, den Kurs zu korrigieren, Einflüsse vorauszuberechnen und ihnen entgegenzusteuern. Und - wir können uns mit ihnen sogar in Beziehung setzen! Das ist uns freigestellt. Doch um es wirklich zu können, ist auch eine Vorbereitung nötig.

Soviel für heute.

Gruß
admin


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