Avatar

Vom "Krieg aller gegen alle". Die gegenwärtig einsetzende Scheidung der Geister.

admin @, Samstag, 05. März 2011, 12:48 (vor 2844 Tagen)
bearbeitet von admin, Donnerstag, 24. März 2011, 17:24

Anläßlich des Falles eines übertölpelten Samenspenders spaltet sich die Leserschaft im themabezogenen Spiegel-Forum in zwei Gruppen:

o Solche, die sinngemäß sagen: "Die beiden lesbischen Frauen sollten sich schämen, das Vertrauen eines Mannes so zu mißbrauchen. Zudem entmutigen sie damit heterosexuelle Paare, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können und jetzt keinen Spender mehr finden."

o Und solche, die sagen: "Geschieht ihm recht, wenn er so doof ist, seinen Samen zu spenden. Denn die Gesetzeslage ist eindeutig. Und die beiden Mütter tun nur ihre Pflicht, wenn sie im Namen des Kindes Unterhalt einklagen."

An diesem Fall, aber auch an anderen Fällen wird er ersichtlich, daß sich zwei verschiedene, irgendwie gegensätzliche Menschengruppen herausbilden, von denen die eine aus dem Gewissen urteilt, die andere jedoch aus der "Klugheit der Schlange" handelt.

Tatsächlich gibt es wohl keinen Mißstand, gegen den man sich nicht auf gleichem Niveau wehren kann. Lebt man in einem Umfeld, wo einem Angriffe drohen, so wird man sich bewaffnen, und damit Angreifer abschrecken. Droht einem Pfändung, so kann man sich selbst enteignen und auf einem materielles Minimum leben. Schützt das Gesetz den Mann nicht mehr vor den Tücken der Frau, dann wird er die Ehe, ja letztlich jede Beziehung meiden und sich mit Prostitution und Masturbation begnügen.

Beruhigend ist dieser "Fortschritt" aber nicht. Denn es ist ein Fortschritt hin zum Primitiven, zum Tierhaften. Es wie die wiederholte Amputation von schmerzenden Gliedmaßen: Den Schmerz ist man los, aber auch einen Teil der Handlungsfähigkeit.

Es gibt aber auch den Fortschritt in die umgekehrte Richtung. Er geht über die freie, durch Liebe zum Menschen motivierte Gewissensentscheidung, und er ist mit Leiden und Opfern verbunden. Das ist der Weg, den uns Christus vorgezeichnet hat. Der andere Weg ist derjenige seiner Widersacher: Luzifer, Ahriman, die Asuras.

--------------------

Sieht man sich die Porträts von Sally Miller Gearhart an, wie sie sie auf ihrer Webseite gibt, so gewinnt man einen Eindruck von Menschlichkeit, ja Gewissenhaftigkeit:

[image]

Das entspräche übrigens auch ihrem Selbstverständnis:

"Immer häufiger preise ich die Menschen, welche durch Andere als "mein Feind", "unakzeptabel" oder "verrückt" bezeichnet werden. Diese Menschen haben meinen Hunger nach Mannigfaltigkeit verstärkt und mich zur Erkenntnis geführt, daß, am Ende und am Anfang, die Liebe die universale Wirklichkeit im Herzen der Schöpfung ist."

Wie ist es dann möglich, daß derselbe Mensch - besten "Gewissens"! - die weltweite "Reduzierung" der einen Hälfte der Menschheit fordert?

Einer Antwort auf diese Frage kommt man näher, wenn man bedenkt, daß wohl alle "Verbesserungsvorschläge", mit denen die Menschheit bisher "beglückt" werden sollte, ethisch motiviert worden sind. Und das sicher auch mit Überzeugung, mit idealistischer Begeisterung! Hatte nicht z.B. Marx "ein Herz" für die ausgebeuteten Arbeiter? So herzlos er im persönlichen Umgang auch war (das hat selbst seinen Freund Engels bisweilen aufgebracht), so glaubwürdig ist seine "aufrichtige" Empörung angesichts der Zustände des Frühkapitalismus.

-------------------

Hierzu eine erhellende Passage aus Tombergs "Betrachtungen über das Alte Testament", 1933, 1989², Seite 95f.:

Der Ausdruck "Mitleid" ist eigentlich nicht der richtige, um den Beweggrund der luziferischen Wesen zum Abfall von den Göttern genau auszudrücken. Die deutsche Sprache hat kein entsprechendes Wort. Auch der englischen und französischen Sprache fehlt dieses Wort. Die russische Sprache hat dagegen ein Wort, das eine genaue Vorstellung von dem Beweggrund der luziferischen Empörung gibt. Es ist das Wort shalostj. Sein Inhalt ist:

Jammer um ein Wesen, das man als zu schwach empfindet, um von sich aus etwas im Sinne der Befreiung aus einer leidvollen Situation tun zu können.

Dieses Gefühl unterscheidet sich vom Mitleid (russisch - ssostradenie) dadurch, daß man Mitleid auch mit einem Wesen, das man achtet, haben kann, während das hier gemeinte Gefühl ein mißachtendes Gefühl bedeutet. Es enthält in sich eine verborgene Verachtung dem Wesen gegenüber, das man in dieser Weise bemitleidet. Man kann sowohl dieses Gefühl, als auch die Ideologie, die es hervorrufen kann in den wichtigsten Menschheitsangelegenheiten, am besten verstehen, wenn man das Kapitel über den Großinquisitor aus dem Roman von Feodor Dostojewskij "Die Brüder Karamasow" liest.

Dort wird so deutlich, wie nirgendwo anders, der Unterschied zwischen der Liebe des Christus Jesus und derjenigen des Großinquisitors dargestellt. Während Christus Jesus die denkbar größte Achtung der Menschheit gegenüber durch Seine Tat entgegenbringt, indem Er nicht durch Kraft und Wunder (die Versuchung in der Wüste), sondern durch das Opfer wirkt, ist der Großinquisitor der Überzeugung, daß die Menschheit nicht fähig ist, aus der Freiheit zu Christus zu kommen - der Irrtum des Christus müsse durch diejenigen gutgemacht werden, die bereit sind, das Kreuz der Bevormundung der Menschen zu tragen, indem sie die gesamte Verantwortung für die Menschheit allein übernehmen.

Der Großinquisitor liebt nicht die Menschheit mit der Liebe, mit der sie Christus liebt; er empfindet bloß ein brennendes, aber mißachtendes Mitleid der Menschheit gegenüber. Die Freiheit soll - nach seiner Überzeugung - wenigen Auserwählten vorbehalten bleiben; die Masse der Menschheit soll aber geführt werden. Und sollte Christus wiedererscheinen, so wäre es die Pflicht des Großinquisitors - auch wenn er Ihn erkannt hätte - Ihn als gefährlichen Ketzer einzukerkern, denn sein Kommen würde die Gemüter der bevormundeten Masse der Menschheit in Verwirrung bringen - das Gespenst der Freiheit würde wieder erstehen und das Werk des Mitleids vernichten.

Dieser Abschnitt aus Dostojewskis Werk ermöglicht ein tiefes Herzensverständnis für die Gründe der luziferischen Opposition den göttlichen Absichten gegenüber. Und aus diesem Herzensverständnis heraus kann man nachempfinden, daß das luziferische Mitleid in seiner wahren Wesenheit nichts anderes als Hochmut, als Selbstüberhebung ist. Denn es beruht auf Geringschätzung der Menschheit, die bevormundet werden soll. Darum ist es kein Widerspruch, wenn gesagt wird: Luzifer empört sich gegen die Götter aus Hochmut, indem es ihn um die Menschheit jamerte. Was seelisch als luziferisches Mitleid erlebt wird, ist geistig Selbstüberhebung.

----------------------

Nun wirken die luziferischen Wesen im menschlichen Astralleib. Die ahrimanischen Wesen wirken "eine Schicht tiefer", im Ätherleib (Lebensleib). Schäden, die "oben" angerichtet werden, sinken irgendwann ab. Wir haben es zu tun mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Doppelgänger im Menschen. Sie lassen sich aber verwandeln bzw. austreiben. (Oder "abtreiben"?)

Fortsetzung folgt!

trel


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum