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Fortsetzung: Die Antinomie "Realismus - Nominalismus"

admin @, Samstag, 05. März 2011, 20:01 (vor 2817 Tagen) @ admin
bearbeitet von admin, Samstag, 05. März 2011, 21:03

Tomberg:


2. Die Antinomie "Realismus - Nominalismus"

In dieser Antinomie wird der Ausdruck "Realismus" anders verstanden als in der Antinomie "Realismus - Idealismus". Realismus bedeutet hier eine Schule westlichen Denkens, die denjenigen generalisierenden Begriffen objektive Wirklichkeit zuschreibt, die man heute gewöhnlich als "abstrakt" bezeichnet, die aber die mittelalterliche Philosophie "universalia" (Allgemeinbegriffe) nannte. Die Strömung westlichen Denkens, die die objektive Realität der Allgemeinbegriffe leugnet und Wirklichkeit nur für Einzeldinge gelten läßt, ist die des "Nominalismus".

Beim "Realismus" in diesem Sinne geht es also um die objektive Wirklichkeit der "Universalien" (der Gattungen und Arten), nicht um die Übereinstimmung der Begriffe des Intellekts mit der Wirklichkeit der Dinge als Kriterium der Wahrheit. Es geht hier also um ein ganz anderes Problem als bei der Entgegensetzung "Realismus - Idealismus". "Realisten" hinsichtlich des Problems der Wirklichkeit der Allgemeinbegriffe sind tatsächlich extreme "Idealisten" in der Frage, ob Intellekt oder Tatsache den Vorrang haben.

Das der Antinomie "Realismus - Nominalismus" zugrunde liegende Problem wurde in der Ideengeschichte zu erstenmal ausdrücklich von Porphyrius (232/233 - 304 n.Chr.) gestellt, und zwar in seiner "Isagoge" oder "Einleitung von Porphyrius, dem Phönizier, Schüler des Plotin von Lycopolis, in die Kategorien" (wie der vollständige Titel dieser kleinen Schrift lautet). Das Problem ist darin gleich am Anfang mit aller wünschenswerten Klarheit formuliert worden:

"Was, um gleich mit diesem anzufangen, bei den Gattungen und Arten (d.h. den Allgmeinbegriffen) die Frage angeht, ob sie etwas Wirkliches sind oder nur auf unseren Vorstellungen beruhen und ob sie, wenn Wirkliches, körperlich oder unkörperlich sind, endlich, ob sie getrennt für sich oder in oder an dem Sinnlichen auftreten, so lehne ich es ab, hiervon zu reden, da eine solche Untersuchung sehr tief geht und eine ganz eigene umfangreiche Erörterung fordert."


Tatsächlich widmete man diesem Problem von Boethius bis zur Renaissance und selbst bis auf den heutigen Tag jene ganz eigene und umfangreichere Erörterung, von der Porphyrius glaubte, daß es sie verdient. Denn die mittelalterlichen Gelehrten, die klar gesehen hatten, daß das Problem der Allgemeinbegriffe (Universalienproblem) im Mittelpunkt der Philosophie steht, behandelten es als zentrales Problem, was Anlaß gab zur Teilung der Welt der Philosophen in "Realisten" (die Gattungen und Arten bestehen in sich selbst, oberhalb und außerhalb der Individuen) und in Nominalisten (die Gattungen und Arten bestehen bestehen nicht außerhalb der Individuen; sie sind nur "Namen", nützliche Worte zum Zweck der Klassifikation).

Eine dritte Schule - die der "Konzeptualisten" oder, je nachdem der "gemäßigten Realisten" oder der "gemäßigten Nominalisten" (die Allgemeinbegriffe bestehen wohl, aber sie bestehen nur im Geist desjenigen, der sie faßt) - entstand während der Kontroverse und bedeutete zwar keine Synthese, spielte aber eine ähnliche Rolle, wie sie Kaiser Lothar I. Lothringen in seiner Stellung zwischen Frankreich und Deutschland zuwies, nämlich die eines Mittlers.

Der Streit zwischen Realismus und Nominalismus wurde ein Jahrtausend lang leidenschaftlich ausgetragen, und er beschränkte sich nicht auf gelehrte Disputationen, sondern nahm verschiedene Formen an, einschließlich der Entscheidungen von Kirchenkonzilien, wie z.B. des Konzils von Soissons, das 1092 den Nominalismus verurteilte.

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Die These der "Realisten" geht auf Platon zurück, auf seine Ideenlehre, die der "Nominalisten" knüpft an Antisthenes an:

"Ich sehe wohl Pferde, aber keine Pferdheit."

Der Kern des Problems ist, ob die Pferdheit vor de individuellen Pferden ist (universale ante rem - das Allgemeine ist vor dem Besonderen), ob sie den individuellen Pferden innewohnt (universale in re - das Allgemeine ist im Besonderen) oder ob sie nach den individuellen Pferden ist und erst auf dem Wege der Abstraktion gewonnen wird (universale post rem - das Allgemeine ist nach dem Besonderen). Nach Platon existiert die Pferdheit als Idee vor den Pferden; nach Aristoteles existiert die Pferdheit nur in den Pferden als formgebendes Prinzip; nach den Konzeptualisten (z.B. Kant) ist die Pferdheit ein Begriff, den der Geist im Wege der Sumierung der allen Pferden gemeinsamen Merkmale und der Abstraktion von den Besonderheiten bildet (universale post rem).

Die Streitfrage, ob die Pferdheit den wirklichen Pferden vorausgeht, ob sie ihr formgebendes Prinzip ist oder ob sie nur einen von der Sinneserfahrung losgelösten Begriff des Geistes darstellt, ist, offen gestanden, nicht so aufregend, solange es sich allein um die Pferdheit handelt. Allerdings wird sie es, wenn es um die Menschheit oder die Welt geht. Denn dann wird sie zum Problem des Unterschieds zwischen der Schöpfung und Entstehung.

In der Schöpfung besteht die Idee oder der "Plan" der Welt vor dem Akt ihrer Verwirklichung, während es bei der Entstehung oder Evolution weder Idee noch Plan vor der Tatsache gibt, wohl aber eine den Substanzen und individuellen Wesen innewohnende Kraft, die sie treibt, durch Versuche und Irrtümer den Weg des Fortschritts zu suchen. Was die Menschheit betrifft, wird sie zum Problem des urbildlichen Menschen oder des himmlischen Adam, d.h. zum Problem der Schöpfung des Menschen oder aber seiner evolutionären Entstehung.

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Prüfen wir jetzt näher die Grundthesen des Realismus und des Nominalismus.

"Das Allgemeine ist vor dem Besonderen" ist die grundlegende Formel des Realismus.

"Das Besondere ist vor dem Allgemeinen" ist die Gegenformel des Nominalismus.

Diese beiden gegensätzlichen Thesen implizieren, daß für den Realismus das Allgemeine wirklicher und von höherem objektiven Wert ist als das Besondere, für den Nominalismus das Besondere wirklicher und von höherem Wert als das Allgemeine. Mit anderen Worten, für den Realismus ist die Menschheit wirklicher und ein höherer Wert Wert als der Mensch; dagegen ist für den Nominalismus der individuelle Mensch wirklicher und von höherem Wert als die Menschheit.

Für den Realismus würde es keine Menschen geben, wenn es keine Menschheit gäbe; für den Nominalismus dagegen würde es keine Menschheit geben, wenn es keine Menschen gäbe.

Die Menschen bilden die Menschheit, sagt der Nominalist.

Die Menschheit erzeugt in ihrem unsichtbaren, aber wirklichen Schoß die individuellen Menschen, sagt der Realist.

Wer hat recht? Der Realismus mit seinem Idol der Kollektivität, die der Individualität, der individuellen Seele, vorausgeht, jener Realismus, der durch den Mund des Kaiphas die Rechtfertigung des über Jesus Christus gefällten Todesurteils sprach, indem er sagte:

"Es ist besser, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als daß das ganze Volk zugrunde geht" (Jo 11,50; Jo 18,14)?

Jener Realismus, der durch die Gerichte der Inquisition die schädlichen Individuen ausrottet, indem er sie dem Interesse der Menschheit oder der Kirche opferte? Der Realismus endlich, der, indem er entweder die Rasse oder Klasse über die einzelnen Menschen stellt, Millionen von Juden und Zigeunern durch die Nazis und Millionen von "Kulaken" oder wohlhabenden Bauern und Angehörigen der oberen Klassen durch die Bolschewiken ausrottete?

Dann also der Nominalismus?

Aber der Nominalismus ist blind für Ideen und Prinzipien, die für ihn nur Worte sind. Das Wahre, Schöne und Gute existieren für ihn nicht als objektive Wirklichkeiten, es sind nur Fragen des Geschmacks. Keine Wissenschaft und keine ernstzunehmende Philosophie, die ihre Namen wirklich verdienen, könnten bestehen, wenn der Nominalismus der einzige intellektuelle Boden wäre, auf dem sie leben müßten. Denn anstatt auf das Allgemeine zu zielen ,wären sie darauf aus, das Besondere zu suchen. Sie würden nur besondere Tatsachen sammeln und, weit entfernt, deren gemeinsamen Merkmalen Wert beizulegen, aus denen sich Gesetze oder Prinzipien herleiten ließen, würden sie nur zu einer Art Museum von besonderen Tatsachen führen. Dieses Museum würde vergeblich den Advent des wissenschaftlichen und philosophischen Denkens erwarten, um der Menschheit auf allgemeine Weise nützlich zu sein: Der Nominalismuswäre nicht einmal imstande, diess Denken hervorzubringen, denn er steht im Gegensatz zur Wissenschaft.

Statt der Wissenschaft oder der Philosophie würde er einer Menge von Sekten mit subjektiver Geschmacksrichtung Raum geben. Jeder würde nach seiner eigenen Art denken und glauben. Man würde sich nur an das halten, was gefällt.

Genau aus diesem Grunde hat die Kirche den Nominalismus als Lehre verurteilt und die Wissenschaft ihn als Methode verbannt. Er hätte die Kirche in eine Menge kleiner Religionen nach dem persönlichen Geschmack jedes einzelnen atomisiert, und er hätte die Wissenschaft in ein steriles Sammlertum und eine Unzahl privater Meinungen aufgelöst.

Wir können also nicht auf den Realismus verzichten, wenn wir auf die objektive Wahrheit (Wissenschaft) und auf die transsubjektive Wahrheit (Religion) Wert legen. Man muß also die objektive und die transsubjektive Wahrheit anerkennen, wenn man die Vereinigung der Menschheit in der universalen objektiven Wahrheit der Wissenschaft und der transsubjektiven Wahrheit der Religion erstrebt.

Können wir auf den Nominalismus verzichten?

Ebensowenig. Denn für die Weltanschauung des Nominalismus besteht die Welt aus individuellen, einzigartigen und unersetzbaren Wesen. Er ist die Sicht der Welt als einer großen Gemeinschaft von Wesen, anstelle einer Welt von Gesetzen, Prinzipien und Ideen. Er ist die Weltanschauung, in der der Vater, der Sohn und der Heilige Geist als wahre und lebendige Personen, vereint durch die ewigen Bande der Vaterschaft, Kindschaft und Bruderschaft herrschen, umgeben von Seraphim, Cherubim, Thronen, Herrschaften, Kräften, Gewalten, Fürstentümern, Erzengeln, Engeln, Menschen und sichtbaren und unsichtbaren Wesen der Natur. Wie könte man in aller Aufrichtigkeit des Herzens das Gebet zum Vater, der in den Himmeln ist, sprechen: "Dein Name werde geheiligt", wenn man nicht glaubt, daß es der einzige und heilige Name des lebendigen, einzigen und heiligen Wesens ist und nicht die Bezeichnung für die höchste Idee, die "causa prima" (Erstursache) oder das "absolute Prinzip"? Kann man eine unsichtbare Welt von unpersönlichen "Erstursachen" lieben, eine Welt, bevölkert von Gesetzen und Prinzipien?!

So wie die allgemeine intellektuelle Erkenntnis der Welt als solcher (Wissenschaft) und als Werk Gottes (Philosophie) nicht möglich ist ohne den idealistischen Realismus, ebensowenig ist die individuelle intuitive Erkenntnis der einzelnen Wesen durch die Liebe (Mystik, Gnosis und Magie) möglich ohne den realistischen Nominalismus.

Man kann weder den idealistischen Realismus noch den realistischen Nominalismus ohne Vorbehalt annehmen, noch auf den einen oder anderen verzichten. Denn sowohl der Intellekt, der den idealistischen Realismus fordert, als auch die Liebe, die den realistischen Nominalismus fordert, sind strukturelle Fähigkeiten der menschlichen Natur. Die menschliche Natur selbst ist realistisch hinsichtlich des Denkens und nominalistisch hinsichtlich der sozialen Gemeinschaft oder der Liebe.

Das "Universalienproblem" ist in der Geistesgeschichte der Menschheit durch die Tatsache der Inkarnation entschieden worden, als das der Welt zugrunde liegende Allgemeine - der Logos - zu Jesus Christus wurde, der das der Welt zugrunde liegende Besondere ist. Damals wurde das Allgemeinste des Allgemeinen, das Prinzip der Intelligibilität überhaupt, der Logos, zum Besondersten des Besonderen, ja zum Urbild der Persönlichkeit, Jesus Christus.

Vor allem das Johannesevangelium hebt auf klare und ausdrückliche Weise die Tatsache der Vereinigung des Prinzips der allgemeinen Erkenntnis mit dem Wesen der individuellen Liebe von Herz zu Herz hervor. Dieses Evangelium beschreibt das Werk der Göttlichen Alchemie, wo das Wasser sich mit dem Feuer vereinigte, und wo das Wasser zu lebendigem Wasser und die Feuerzungen zu den "Pfingstzungen" wurden, die jeder in seiner Sprache verstand. Die Substanz der Taufe - das belebte Wasser und das Feuer, das das Besondere nicht verzehrt, sondern es teilhaben läßt an der Ewigkeit - ist aus dem Werk der Inkarnation und der Erlösung hervorgegangen.

Im Bereich der Geistesgeschichte geschieht die Taufe auch bei der Vereinigung von Realismus und Nominalismus, von Kopf und Herz in menschlichen Wesen, denn diese Vereinigung ist nur der Abglanz der Tatsache der Inkarnation, in der "das Wort Fleisch geworden ist".

Die christliche Hermetik ist ebenso Freundin des idealistischen Realismus, insofern dieser nach dem Logos strebt, wie des realistischen Nominalismus, insofern dieser nach der mystischen Erfahrung der Vereinigung der Wesen durch die Liebe strebt. Sie selbst kann nur die Erkenntnis des Allgemeinen sein, das sich im Besonderen offenbart. Für die Hermetik gibt es keine "Prinzipien", "Gesetze" und "Ideen", die außerhalb der individuellen Wesen bestehen, nicht als strukturelle Merkmale ihrer Natur, sondern als getrennte Wesenheiten und unabhängig von ihnen. Für die Hermetik gibt es weder das "Gesetz der Schwerkraft" noch das "Gesetz der Wiederverkörperung": es gibt nur die Anziehung und Abstoßung von Wesen (auch die Atome sind Wesen), soweit es die Schwerkraft betrifft, und die Anziehung der Wesen durch das irdische Leben mit seinen Freuden und Schmerzen, soweit es die Wiederverkörperung betrifft.

Andererseits, wenn es nicht solche Wesenheiten in der Welt gibt wie Gesetze der Schwerkraft und der Wiederverkörperung, so gibt es doch den universalen Wunsch der Wesen - der kleinen wie der großen -, sich zu verbinden, miteinander Moleküle zu bilden, Organismen, Familien, Gemeinschaften, Nationen...Das ist ein Wunsch, ein universales strukturelles Bedürfnis, das sich als "Gesetz" manifestiert. Die "Gesetze" sind den Wesen immanent, wie die Logik dem Denken immanent ist als Teil der eigentlichen Natur des Denkens. Und der wirkliche Fortschritt, die wirkliche Evolution, ist das Fortschreiten der Wesen vom Leben unter einem Gesetz zum Leben unter einem anderen Gesetz, d.h. die strukturelle Änderung der Wesen.

So ist das Gesetz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" im Begriff, allmählich ersetzt zu werden durch das Gesetz der Vergebung. So wird auch das Gesetz "der Schwache dient dem Starken, das Volk dem König, der Schüler dem Meister" eibnmal dem Gesetz weichen, das der Meister im Akt der Fußwaschung aufgezeigt hat. Nach diesem höheren Gesetz dient der Starke dem Schwachen, der König dem Volk, der Meister dem Schüler - ganz wie es in den Himmeln ist, wo die Engel den Menschen dienen, die Erzengel den Engeln und den Menschen usw. Und Gott? Er dient allen Menschen ohne Ausnahme.

So wird auch das "Gesetz" des Kampfes ums Daein, das Darwin auf biologischem Felde beobachtet hat, einmal seinen Platz dem Gesetz des Zusammenwirkens für das Dasein einräumen, das schon im Zusammenwirken der Blütenpflanzen mit den Bienen besteht, im Zusammenwirken der verschiedenen Zellen in einem Organismus und im Zusammenwirken im menschlichen sozialen Organismus.

Das Ende des "Gesetzes" vom Kampf um das Dasein und der künftige Sieg des Gesetzes vom Zusamenwirken für das Leben sind durch den Propheten Jesaja angekündigt worden:

"Dann wohnt der Wolf bei dem Lamm und lagert der Panther bei dem Böcklein. Kalb und Löwenjunges weiden gemeinsam, ein kleiner Knabe kann sie hüten." (Jes 11,6)

Das wird geschehen, weil das neue "Gesetz" - d.h. eine tiefe Umwandlung in der psychischen und physischen Struktur der Wesen - das alte "Gesetz" ablösen wird, zuerst im Bewußtsein, dann in den Wünschen und Neigungen und schließlich in der organischen Struktur der Wesen.

Die "Gesetze" folgen aufeinander und wandeln sich. Sie sind keine metaphysischen unbeweglichen Wesenheiten. So ist es auch mit den "Prinzipien" und "Ideen".

"Der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Darum ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat." (Mk 2,27f.).

Dies ist die Beziehung zwischen den Wesen auf der einen und den Gesetzen, Prinzipien und Ideen auf der anderen Seite.

Gesetze, Prinzipien und Ideen sind also nicht real?

Sie sind es wohl, aber ihre Realität besteht nicht darin, daß sie ein von den Wesen getrenntes Dasein haben. Sie sind keine metaphysischen Wesenheiten, die eine Welt oder einen Plan bevölkern - eine Welt der Gesetze, Prinzipien und Ideen, die ihnen eigentümlich ist. Die geistige Welt ist keine Welt der Gesetze, Prinzipien und Ideen; sie ist eine Welt der geistigen Wesenheiten - der menschlichen Seelen, der Engel, Erzengel, Fürstentümer, Mächte, Kräfte, Herrschaften, Throne, Cherubim, Seraphim und der Heiligen Trinität des Heiligen Geistes, des Sohnes und des Vaters.

Welches ist dann die Realität der Gesetze, Prinzipien und Ideen?

Sie liegt in ihrer strukturellen geistigen, seelischen und körperlichen Verwandtschaft. Alle Wesen bekunden eine universale Verwandtschaft und legen Zeugnis ab von ihrem gemeinsamen Ursprung und ihrem gemeinsamen Archetypus. Dieser gemeinsame Archetypus, den die Kabbala "Adam Kadmon" nennt, ist das Gesetz, das Prinzip und die Idee aller Wesen. Das "Ebenbild und Gleichnis Gottes" (Gen 1,26) in Adam ist das Gesetz, kraft dessen Adam herrscht über "des Meeres Fische, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über alle Landtiere und über alle Kriechtiere am Boden" (Gen 1,26). Adam ist das Gesetz, das Prinzip und die Idee aller Wesen der Natur, weil er ihre urbildliche Synthese ist.

Der Realismus hat daher recht, wenn er die Realität der Universalien behauptet; denn sie sind die strukturellen Merkmale des Archetypus aller besonderen Wesen. Der Nominalismus hat ebenfalls recht, insofern er lehrt, daß es keine anderen Wirklichkeiten in der Welt gibt als die individuellen Wesen und daß die Universalien sich nicht unter diesen Wesen befinden.

Die Hermetik betrachtet den Logos, der Mensch geworden ist, als das archetypische Universale, welches das vollkommene besondere "Wesen" geworden ist. Für die christliche Hermetik besteht die Streitfrage zwischen Realismus und Nominalismus nicht.

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Ende des Abschnitts.


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