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Antwort auf beide Darstellungen.

admin @, Montag, 07. März 2011, 16:05 (vor 2816 Tagen) @ Herr Schütze

Ich habe lange überlegt, was ich darauf antworten kann. Bewunderns- und nachahmenswürdig finde ich vor Allem die grafischen Darstellungen durch Brune. Sie zeugen von einer Kunstfertigkeit, die ich mir auch zueigen machen will - um dann allerdings das von mir vertretene Modell darzustellen.

Ebenso zeugt die sprachliche Darstellung Spenglers von einer großen Kunstfertigkeit. Sie ist auf ihre Weise bilderschaffend und fordert zu einer grafischen Ausgestaltung geradezu heraus.

Sachlich dagegen erscheinen mir beide Konzepte als unzureichend, genauer gesagt, als konstruiert. Diese Konstruktionen entbehren nicht einer inneren Logik, ja Ästhetik. Es fehlt ihnen aber, aus meiner Sicht, der volle Realitätsbezug.

Der volle Realitätsbezug ist erst hergestellt unter Berücksichtigung der geistig schaffenden personalen Mächte. Diese werden von Spengler geleugnet, von Brune zumindest nicht berücksichtigt. Werden sie aber als gegeben gesetzt - sei es aus unmittelbarer Intuition, sei es aus einem zunächst nicht begründbaren Für-wahr-halten -, so kommt man zu Kulturepochen von jeweils etwa 2100 Jahren, die sich sich wiederum in Abschnitte von etwa 300 Jahren aufteilen lassen, sowie zu Knotenpunkten, Komplikationen usw. Diese Aufteilungen sind aber nicht willkürlich und nicht an den Phänomen orientiert, sondern in Zusammenhang mit geistigen personalen Wesen gesehen.

Die Evolutionen dieser Wesen bilden wiederum ein kompliziertes Geflecht. Ich bin gegenwärtig in der für mich unbefriedigenden Lage, daß ich mir selbst erst den Überblick erarbeite und also gar keine überzeugenden Darstellungen geben kann. Ich weiß aber, daß ich mich, sobald ich dazu in der Lage bin, mich der grafischen Darstellung bedienen werde, wie Brune sie in mustergültiger Weise beherrscht.

Der entscheidende Unterschied zwischen "meinem" und den anderen beiden Konzepten ist, abgesehen von der Berücksichtigung geistiger personaler Mächte, die moralische Komponente, die damit verbunden ist. Unter dieser Voraussetzung ist Kulturgeschichte nicht mehr ein nur ästhetische Beschäftigung, sondern eine solche, die das Gewissen bewegt. Man ist nicht mehr nur Betrachter, sondern man ist Beteiligter.

Kulturgeschichte ist dann nicht mehr ein Gemälde, das man "mit interesselosem Wohlgefallen" anschaut, sondern sie wird zu einem Drama, das Gefühle und innere Bewegungen ("Emotionen") erzeugt. Man kann dann auch nicht mehr neutral bleiben. Man weiß, daß man sich entweder schon entschieden hat oder noch seine Entscheidung wird treffen müssen.

Gruß
trel


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