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Anmerkung...Induktion und Deduktion.

admin @, Mittwoch, 20. April 2011, 19:18 (vor 2741 Tagen) @ Herr Schütze

Guten Tag, Herr Lentze!

Sie schreiben: „Das kommt, wenn die Religion zur Ideologie degeneriert.“

So ist es, und je länger eine Moderne bzw. Zivilisation einer Kultur andauert, desto mehr wird die Religion zur Ideologie. ** **

Lieber Herr Schütze,

ich habe die Kulturlehre von Hubert Brune nochmal gelesen, eigentlich überflogen, weil sie doch recht kompliziert ist. Der Sicht von Kulturepochen als Lebewesen mit Zeitgestalt - einschließlich pränataler Stufen - ist schon bestechend und überzeugt mich teilweise.

Aber letztlich erscheint mir das ganze System als etwas zu konstruiert. Die Erkenntnisgewinnung scheint eine induktive zu sein, d.h. aus der Fülle von Gegebenheiten werden Gesetze abgeleitet.

Ich stehe unter dem Vorurteil der Steiner'schen Weltanschauung. Ich gehe einfach von einer Siebenheit von Zeitgeistern (Archai) aus, die ich empirisch nicht erkennen kann, und die bei Anwendung von Deduktion zu der Behauptung führen, daß es wesentlich nur sieben Kulturepochen geben kann, und nicht z.B. acht. Freilich wird dieses Modell differenziert durch Einschachtelungen und modifiziert durch mitwirkende, niederrangige Geister, zuletzt durch mehr oder minder freie Willensentscheidungen von Menschen. Alle diese Geister sind dynamisch zu verstehen, d.h. sie haben ihre Lebensalter und Aufgabenzeiträume.

Nun können Sie natürlich einwenden, daß man an höhere Wesen, die man zudem nicht sicher wahrnehmen kann, nicht glauben sollte. Nun gut. Für mich sind es gleichsam Hypothesen, und zwar solche, die mich zu sehr einleuchtenden Ergebnissen führen. Wieso die Siebenzahl? Das ist doch Zahlenmystik! Nein, nicht ganz. So willkürlich, wie es dem heutigen Nahsichtigen erscheint, ist es nicht. Nehmen wir die Zahlenverhältnisse in der Musik: Die sind einfach zwingend. Oktaven haben sieben Tonschritte. Zwar gibt es auch Pentatonik etc., sogar Atonalität, aber das führt dann nicht mehr zur musikalischen Hochkultur. Die war gebunden an die sieben-schrittige Oktave.

Übertragen wir diese Sichtweise zum Vergleich auf unsere Kraftfahrzeuge. Wer die Existenz von Ingenieuren und Fahrern ablehnt, wird vielleicht sagen, daß die Autos aus Fabriken herauskommen und einer Evolution unterstehen, die darauf aus ist, die Autos möglichst weit, schnell und verbrauchsarm fahren zu lassen. Demnach merkt sich "die Evolution", wenn ein Modell nichts taugt und schafft darum immer neue Modelle. Direkt falsch ist das ja nicht. Ich kann mir Zeitgenossen vorstellen, die mir sagen, sie glaubten nicht an Ingenieure: "Ich sehe keine." Kontakt aufnehmen, wozu? "Ich brauche keine Ingenieure, um mir die Existenz und die Evolution von Autos zu erklären."

Das war jetzt ein Vergleich, um die verschiedenen Blickwinkel zu charakterisieren. Man kann natürlich beide verbinden, etwa indem man sich fragt: Gesetzt, es gibt höhere Wesen, was müssen das für Wesen sein, was treibt sie, wenn sie solche und solche Kulturen hervorbringen? Auch das kann zu "Begegnungen" mit diesen Wesen führen, weil diese Fragestellung mit einer dafür nötigen Offenheit verbunden ist. Diese Offenheit ist Voraussetzung.

Letztlich kann ich aber nur raten, die entsprechenden Schriften bzw. Vorträge von Steiner zu lesen. Sich darauf einzulassen, bedeutet natürlich einen radikaler Schnitt mit der eingefahrenen Denk- und Arbeitsweise. Man kommt in einen ganz neuen Kosmos hinein, der allerdings so neu auch wieder nicht ist, ja früheren Menschen, je weiter wir zurückgehen, sogar sehr vertraut war. Neu ist nicht das Weltbild, vielmehr ist die Erkenntnismethode (oder bescheidener: Herangehensweise) neu. Sie setzt das moderne wissenschaftliche Denken voraus, steigert es aber in einer besonderen Weise. Inwiefern, dies zu erkennen verlangt ein genaueres Studium der entsprechenden Schriften.

Freundliche Grüße
trel


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