Gender

Dana Stoll, Samstag, 04. Juni 2011, 16:25 (vor 2630 Tagen)

Weder Männer noch Frauen noch irgend welche anderen Gender werden sich in irgendeiner Form ändern, wenn wir ihnen weiter diesen globalisierten Schönheits- und Erfolgswahn präsentieren, bzw. die Debatte darüber weiter ohne diesen Einfluss diskutieren. Wer keine Medienkompetenz hat kann ja bald kein Bild mehr von sich im Internet veröffentlichen, ohne dabei ein "schlechtes Bild" auf sich zu werfen, weil alles andere totretouchiert ist. Jede gesellschaftliche Interaktion ist von derselben abhängig, wird von ihr beeinflusst und wirkt auf sie zurück.

Grade neulich hab ich wieder einen Streifen gesehen, in dem eine lesbische Radiosprecherin dargeboten wurde, und welches Klischee wurde wieder bedient? "Ich will nicht immer stark sein *Tränendrüse*!" So tut das halt nicht. Zeigt halt mal sympathische Männer in dieser Situation, oder sympathische Frauen, die's durchstehen.

Es gibt mindestens genausoviele Männer, die von erfolgreichen Frauen nix wissen wollen, weil ihnen dazu die vorgelebten und nachahmbaren Verhaltensstereotype fehlen, und auch daraus wieder ein Minderwertigkeitsgefühl entstehen kann. Das kannst hin und her wenden, wie du's willst. Dafür sind weder "die Männer" noch "die Frauen" verantwortlich.

Ausgangspunkt dessen sind etablierte Verhältnisse in der Gesellschaft (der Status Quo, wie eben aktuell das Empfinden ist), und die meinungsbildenden Einflussfaktoren, von denen in erster Linie die Medien zu nennen sind. Ich bin mir ganz sicher, dass die Göttin uns nicht in die Wiege gelegt hat, dass es erstrebenswerter sein soll, mit einem großen Auto viel Benzin zu verbrennen, statt mit einem kleinen Auto Sprit zu sparen. Was machen die Hersteller? Sie promoten just in dem Zuge die SUVs. Das ist kaputt. Hausgemachter Irrsinn.

Genauso kaputt ist die Pornoflut. Das Zeug wird immer kaputter und härter und Menschen werden in zunehmend erniedrigerenden Situationen gezeigt, damit man sich hinterher ja wieder davon distanzieren kann, und so tun, als gehöre man ja "nicht dazu". Was daraus resultiert ist eine ganz große Abstumpfung. Was soll dann im Schlafzimmer bitte noch interessant sein?

Vor dieser Abstumpfung kapitulieren wir grade, nicht davor, ob Männer oder Frauen irgendwo "rückständig" wären. Und dieselben, die diese Abstumpfung fördern, sind auch diejenigen, die überhaupt kein Interesse daran haben, "starke Frauen" oder "schwache Männer", um "neue Möglichkeiten der Lebensgestaltung" mal zu pointieren, in die Breite zu tragen. Dort ist man viel mehr an der Polarisierung interessiert und der Frage, wie man daraus Kapital schlagen kann. Oder wie ein tibetischer Mönch vor einer Weile sagte: Niemand will mehr "normal" sein.

Wie die Ist-Verteilung des Kapitals beschaffen ist, und wie die Entscheidungsfindung in unseren Unternehmen verteilt ist, das zu beschreiben helfen wissenschaftliche Studien durchaus, und das sind auch welche, von denen man de-facto Aussagen treffen kann, welche Zustände das Beibehalten dieser Kultur zementiert.

Umbruchsphasen bringen immer einen Mangel an Orientierung für alle Beteiligten. Da Hin- und Herschieben des schwarzen Peters ändert aber nichts am Status Quo.

Viele Grüße
Dana


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