Anmerkungen zum Oberchristen im wgvdl.net-Forum.

trel ⌂, Dienstag, 06. September 2011, 13:54 (vor 2212 Tagen)

Es gibt merkwürdig paradoxe Wörter, wie etwa das Wort "Oberschwester" im Krankenhauspersonal. Wer nicht verwandte Menschen mit Bruder und Schwester bezeichnet, will damit deren Gleichrangigkeit bezeichnen. In christlichen Institutionen erscheint das passend, denn Christen sollen einander lieben, d.h. den Vorteil des anderen wie den eigenen Vorteil behandeln.

Doch nun der Reihe nach. Aus Anlaß einiger Wortmeldungen der letzten Tage hier im Forum habe ich heute ins wgvdl.net-Forum geschaut und bin auf einen Thread gestoßen, der mich namentlich zum Thema hat. Dazu will ich mich direkt nicht äußern. Aber um eine Meinungsäußerung zum Eintrag eines Schreibers namens "Nick" komme ich nicht herum. Dabei spielt es keine besondere Rolle, daß der sich auf mich bezieht. Er könnte sich genausogut auf jemand Anderen beziehen. Mir geht es um den Anspruch von "Nick", für das Christentum, wenn nicht im Namen aller wahren Christen, zu sprechen.

"Nick" hat mich früher oft angegriffen. Das steht einem Ritter, als der er sich sieht, auch gut an. Nur hat er sich dabei mehr Blessuren zugezogen als durch andere Männer, die er angegriffen hat. Zu seiner Ehre füge ich hinzu: vielleicht sogar die einzigen Blessuren überhaupt, denn ein guter Rhetoriker ist er zweifellos. Haupt-Schauplatz war das (längst nicht mehr bestehende) Forum "Fragen an das Christentum". Dort verließ er immer wieder grollend das Schlachtfeld mit der Ankündigung, unter solchen Bedingungen nicht mehr wiederzukommen. Lange konnte er sich aber nie zurückhalten, und so legte er sich immer wieder mit mir an.

Leider ist unser "Nick" kein guter Verlierer. Eine Zeitlang versuchte er in anderen Foren, seine Niederlagen mit ausführlichen "psychologischen Gutachten" mir heimzuzahlen, oder mit anderen Mitteln der Diffamierung. Das hat er auch ziemlich professionell gemacht, nur hat er damit letztlich wohl nicht, oder nicht überall, überzeugen können.

Jetzt hat er also noch einmal nachgetreten, siehe hier. Aber wie gesagt: Ich würde das nicht erwähnen, wenn derselbe Mensch sich nicht anmaßen würde, das wahre Christentum, also: die Nachfolge Christi, zu vertreten.

Und hier weiß ich mich verpflichtet, ein klärendes Wort zu sprechen. Ich will es nicht dulden, wenn das Christentum verleumdet wird. Ohne Zweifel sind wir alle Sünder, und niemand von uns kann wissen, wie er diesbezüglich selbst von Gott beurteilt wird. Sogar für die Heiligen ist es charakteristisch gewesen, daß sie sich selbst als große Sünder bezeichnet haben, woraus wir schließen dürfen, daß die Anforderungen, die an einen gestellt sind, mit der eigenen Größe mitwachsen. Es geht mir also nicht darum, mich diesbezüglich mit "Nick" zu messen.

Es gibt gewisse Äußerungen und Haltungen, die evident und krass gegen den Anspruch, Christ zu sein, verstoßen. Ich zitiere aus dem erwähnten Eintrag:

Man möchte schließlich gerne weiterleben und hat noch anderes zu tun.

*Was genau wurde mit ihm gemacht?*

Nichts. Ich ignoriere ihn heute noch nicht einmal mehr.

Das ist vom therapeutisch-hygienischen Standpunkt zwar vernünftig, nur wird eine ganz andere Absicht erkennbar, sobald das veröffentlicht wird. Verständlich ist es trotzdem. Aber ein Christ hat sich zu entscheiden, ob er als Christ und Moralist schreiben will oder als Kämpfer, der sich seine Moral selber gibt. Beides zusammen geht nicht.

Nicht, daß ein Christ nicht auch ärgerliche, ja verletzende Dinge sagen darf. Jesus hat es getan. Aber das hatte ein ganz andere Färbung! Er hat Wahrheiten, die verborgen gehalten wurden, beim Namen genannt und den Theokraten aufs Gesicht zu gesagt. Er wußte auch, welche Folgen das für ihn haben würde, denn was er sagte, mußte tief verletzen. Es mußte die Autoritäten vor dem Volk degradieren. Aber er sagte es nicht, um ihnen etwas zu vergelten, und schon gar nicht, um nachzutreten. Er sagte es, weil es gesagt werden mußte und kein Anderer es hätte sagen können.

Aussagen wie "Ich ignoriere ihn heute nicht einmal mehr" sind ihrem Wesen nach anti-christlich. Ein Christ soll sich dem Mitmenschen, auch dem ihm unliebsamen Menschen, öffnen und jedenfalls nicht verschließen, schon gar nicht demonstrativ. Er kann es als Nichtchrist tun, das ist heute normal. Für einen bekennenden Christen aber ist das nicht normal, schon gar nicht, wenn er sein Christentum dermaßen an die Glocke hängt, wie "Nick" es tut.

Wer also jetzt entgegnen würde (ich kenne das aus Erfahrung), ich würde erst aggressiv und dann - inkonsequenterweise - wehleidig werden, der hat nicht erfaßt, worauf es ankommt. Ich verteidige hiermit eine christliche Glaubensfrage! Ich will einfach, daß das Christentum glaubwürdig vertreten wird, und nicht, daß es abschreckt aufgrund von Menschen, die es fälschlich vertreten und dann für seine typischen Vertreter gehalten werden.

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Im Übrigen halte ich den Standpunkt der demonstrativen Ignoranz für allgemein kontraproduktiv, abgesehen von der Glaubensfrage. So wird, um ein Beispiel zu nennen, im wgvdl.com-Forum jeder Verweis auf eine Frauen- oder feministische Seite gelöscht oder verschlüsselt, angeblich, um ihnen nicht die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie erregen wollen. - Ich habe es umgekehrt gemacht: ich habe in meinem "Sexistinnen-Pranger" die schärfsten Feministen zitiert, teilweise sogar mit Übersetzungen längerer Artikel. Ich sehe in Feministen keine Feinde, sondern Gegner. Aber das soll jeder halten, wie er will, solange er darin konsequent bleibt.

trel


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