Abtreibung: Frauenrecht oder Babycaust? Zur Frage der Bewertung.

trel ⌂, Donnerstag, 13. Oktober 2011, 18:54 (vor 2228 Tagen)
bearbeitet von trel, Freitag, 21. Oktober 2011, 00:48

Können Sie sich ein Gesetz vorstellen, das es Menschen erlaubt, ihre pflegebedürftige Eltern, also Vater oder Mutter - oder gegebenenfalls beide - zu töten? Falls Ihnen das schwerfällt: Warum eigentlich?

Wenn Menschen so alt geworden sind, daß sie der unheilbaren Demenz verfallen sind, dann heißt das doch, daß sie ihre Lebensaufgabe erfüllt haben. Es ist durchaus vernünftig, zu fragen, was den Erhalt eines rein biologischen Lebens noch rechtfertigen kann.

Doch diese Frage pflegt sofort heftige Abwehrreaktionen auszulösen. Es kommen auch sogleich standardisierte Abwehrargumente im Stil von "Das hatten wir doch schon einmal." Aber ist "unsere" Vergangenheit wirklich der Grund für die Abwehr?

Der tiefere Grund wird vielmehr sein, daß jeder von uns an seinen eigenen Tod denkt, sobald es um die erlaubte Tötung von demenzkranken Alten geht. Wir fürchten den Verlust der Souveränität auch für den Fall, daß wir sie schon längst nicht mehr haben. Das Motiv ist also Egoismus.

Im Falle des Pränatalmordes, zynischerweise "Abtreibung" genannt, handelt es sich - in jeder Hinsicht - um den gegenteiligen Fall: Das Leben des Ungeborenen ist in höchstem Maße noch erfüllungsträchtig, in höchstem Maße also wertvoll, da alle Zukunftsmöglichkeiten noch unverbraucht in ihm enthalten sind. Anderseits kann die Mutter sagen: "Das bin nicht ich, das ist ein Fremdkörper, ein Parasit."

Es ist also derselbe Egoismus, der die Tötung verbrauchten Lebens verhindert und die Tötung unverbrauchten Lebens erlaubt.

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Diese paradoxe Einstellung gerät aber ins Wanken, sobald man die Idee der Wiederverkörperung ins Spiel bringt. In diesem Falle wird man nämlich sagen müssen: Der Mensch kommt mit einem Lebensentwurf auf die Erde. In diesem Lebensentwurf sind die Eltern, das eigene Geschlecht, der Ort und die Zeit der Geburt festgelegt. Wird die Geburt nun verhindert, so sind alle Vorbereitungen hierfür, die vielleicht Jahrhunderte gedauert haben, umsonst.

Zwar wird der "abgetriebene" Mensch sich sofort Ersatz-Eltern suchen; er kann gar nicht anders, wenn er schon einmal in erdnaher Region angekommen ist. Aber es werden Eltern sein, zu denen er keine oder eine weniger enge Beziehung hat, die ihn also auch weniger gut fördern können. Ein nicht vorgesehener Ort- und Zeitwechsel kommen hinzu. Auf jeden Fall ist der Lebensentwurf jetzt durchkreuzt worden.

Dies alles einmal angenommen, stellt sich die Frage: Ist die "Abtreibung" wirklich folgenlos für die Mutter? (Ich spreche nur von der Mutter, weil allein diese rechtlich die Entscheidungsgewalt hat.)

Ich unterstelle, daß die Wiedergeburt für immer mehr Menschen zur Gewißheit werden wird. Diese Gewißheit stelle ich mir nicht als eine "Glaubens"-Frage vor, sondern als ein Phänomen, das ein Teil der Evolution der Menschheit darstellt. Der Wert eines individuellen Lebens wird sich dann u.a. an der Frage seines karmischen Verbrauchs bemessen. Man wird ungeborene Menschen als die lebenswertesten Menschen betrachten; anderseits wird man den eigenen Alterstod nicht mehr im bisherigen Maße fürchten.

Wenn diese Entwicklung der Erkenntnis-Erweiterung eintritt - man kann das natürlich bestreiten -, dann wird zukünftig die "Abtreibung" als das viel größere Verbrechen gelten, verglichen mit der Tötung demenzkranker alter, d.h. karmisch völlig verbrauchter Menschen. Der Ausdruck "Babycaust" als Analogie zum quasi-industriellen Judenmord erweist sich dann als gerechtfertigt.

Wobei noch zu bedenken ist, daß die Zahl der vorgeburtlich Getöteten (gerechnet seit der Gesetzesänderung, welche den straffreien Pränatalmord erlaubt) die der in Gaskammern Getöteten bereits jetzt übersteigt.

trel

P.S.: Dies soll kein Plädoyer sein für die Tötung von Menschen, die von unheilbaren Krankheiten betroffen sind. Ich habe die Altersedemenz nur als Referenzfall genommen, um einen bisher nicht diskutierten Gesichtspunkt in der Diskussion um "lebensunwertes Leben" zu erläutern.


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