Feminismus, Genderismus (Teil IV).

Herr Schütze ⌂ @, Montag, 14. November 2011, 14:05 (vor 2137 Tagen) @ trel
bearbeitet von Herr Schütze, Montag, 14. November 2011, 17:04

Sehr geehrter Herr Lentze!

Zunächst dieses Zitat:

»Man neigt zur Annahme, daß der Völkische Feminismus ... untergegangen sei oder nur in Nischen existiere. Das stimmt nicht ganz, denn er ist auch heute massenhaft verbreitet - nur nicht mehr unter seinem verdienten Namen. In jedem Falle spielt das Geschehen in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft. .... Bemerkenswert ist der Rückgriff auf die - eigentlich vergangene - Welt der Einzelkämpfer, also der Ritter und anderer Helden, und dies selbst da, wo die Handlung in der Zukunft spielt. In jedem Falle spielt das Geschehen in einer hierarchisch gegliederten Gesellschaft. Die Handelnden sind also elitär, ihr Geschlechterverhältnis dagegen egalitär. Feindbild im Völkischen Feminismus ist immer eine andere Rasse, ein anderes Volk oder eine global operierende Organisation - seien es die Juden und/oder ›Überstaatlichen‹, Freimaurer und Jesuiten (bis 1945); seien es Zwerge, Riesen, Tiermenschen, Untote oder sonstwie gruppenbildende Entartete. Allerdings ist klar, daß in der Nachkriegsordnung die Feindbilder gewechselt haben und zumindest nicht mehr von Juden die Rede ist. Christen und Muslime werden aber weiterhin thematisiert, und zwar massenhaft in haßerfüllten Leserkommentaren, nicht nur auf Netzseiten wie PI (›Politically Incorrect‹). Denn fast immer, wo sie als Feindbilder vorkommen, wird ihnen - zumindest implizit - Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Hierbei handelt es sich um einen - ich möchte es mal so ausdrücken - unterschwellig Völkischen Feminismus. Er ist egalitär, was das Verhältnis der Geschlechter angeht, jedoch elitär, soweit es das Verhältnis zum Gegner betrifft. Und der Gegner, das ist die monotheistische Religion, entweder ingestalt des Christentums oder aber des Islams. Insgesamt bleibt festzustellen, daß der Völkische Feminismus viel weiter verbreitet ist, als man gemeinhin denkt; ja daß er heute ein Massenphänomen darstellt. Man sieht das nur dann nicht, wenn man diesen Begriff reflexhaft mit dem Nationalsozialismus und der Zeit davor verbindet. Doch frage sich ein jeder, ob er etwa nicht für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eintrete. (Ich bin gegen sie, aber ich vertrete keine Mehrheitsmeinung.) Frage ein jeder ebenfalls, ob nicht Judentum, Islam sowie die strengen Formen des Christentums dieser Gleichberechtigung im Wege stehen. Und frage er sich drittens, ob er nicht für heidnische, sexualbetonte Kulte eine gewisse Sympathie empfindet.« (Thomas R. E. Lentze, Formenkreis des Feminismus, 02.11.2011 **).

Zur Verortung des Völkischen Feminismus innerhalb des Feminismus (sie dazu auch Ihre Graphik):

Meiner Meinung nach ist die von Ihnen vorgenommene Gliederung des Feminismus in jeweils zwei »Äste« mit jeweils zwei »Zweigen« insofern grob richtig, als daß sie wegen der Komplexität des Feminismus ohnehin nur grob dargestellt werden kann. Sie stellen die »vier Formen«, wie Sie sie nennen, auch in Form von Text vor (**). Der Völkische Feminismus, um den es hier ja geht, ist meiner Analyse zufolge wahrscheinlich jedoch sowohl dem Identitäts-Feminismus als auch dem Differenz-Feminismus zuzuordnen - und er ist nicht sexistisch, wie auch Sie betonen (**). „Feminismus ist umfassender als Sexismus.“ (**). Der Völkische Feminismus scheint nach meinem Dafürhalten eine besondere Rolle innerhalb des Feminismus zu spielen: er steht einerseits im Zentrum und andererseits an der Grenze des Feminismus.

Auch Ihrem Urteil nach ist die erste Zweiteilung - Identitäts-Feminismus und Differenz-Feminismus - eine »gröbere Zweiteilung« und »schon seit längerer Zeit bekannt. Sie besagt, daß es in der Hauptsache zwei Richtungen gibt. Nach ersterer sind Mann und Frau natürlicherweise gleich; tatsächliche Unterschiede, gemeint sind Benachteiligungen zu Lasten der Frau (!), seien künstlich und erforderten Korrekturen. Dabei setzt die marxistische Fraktion auf die politische Diktatur des Feminats, die völkische Fraktion auf subversive Restauration alteuropäischen Gemeinschaftslebens. Der anderen Richtung zufolge sind Mann und Frau von Natur aus verschieden, und zwar dergestalt, daß die Frau den höherwertigen, würdigeren Teil darstellt. Folglich ist das männliche Geschlecht, um nicht zu stören, entweder zu entmachten und zu reduzieren (sexistische Fraktion), oder es hat zumindest gelegenheitsweise gewisse Benachteiligungen einzustecken (opportunistische Fraktion). Genauer besehen sind die Verhältnisse aber komplizierter. So haben beide Richtungen je eine Fraktion, deren Vertreter sich durch Homosexualität auszeichnen, und die weiblichen unter ihnen (die ›Lesbofeministinnen‹) zudem durch eine bemerkenswerte Militanz. Die zwei übrigen Fraktionen sind jedoch sexuell normal.« (Thomas R. E. Lentze, Formenkreis des Feminismus, 02.11.2011 **).

In Ihrer Systematik gehört der Völkische Feminismus zum Identitäts-Feminismus, obschon ja »genauer besehen ... die Verhältnisse ... komplizierter« (**) sind. Meiner Analyse zufolge ist der gesamte Feminismus eingebettet in die Systematik der modernen Ideologien, also der Totalitarismen, die aus der „bürgerlich-revolutionären“ Parole hervorgegangen sind; wie ich schon mehrfach beschrieben habe (Herr Schütze, Feminismus, Genderismus, 03.11.2011; 18:25 **).

Innerhalb der Feminsimus-Systematik sind also meiner Analyse zufolge mehrere Dreierschritte (vgl. Hegels Dialektik **) enthalten, die aber allesamt wiederum in dem Dreischritt der »bürgerlich-revolutionären« Totalitarismus-Systematik enthalten sind und diese stets wiederholend kopieren. Weil bei diesem Kopieren extrem übertrieben wird, entsteht der Eindruck mit dem Trugschluß, es handele sich dabei um etwas Neues; in Wirklichkeit ist es etwas Altes; es wird wieder vorbeigehen und nach einer mehr oder weniger langen Zeit des Vergessens wiederkommen (jedenfalls war das bisher immer so!). Und nachdem wir die Phase der »bürgerlich-revolutionären« Antithesis als der (ideologischen!) Dominanz der »Gleichheit« und also auch des »Gleichheit«-Feminismus (Identitäts-Feminismus) über die »bürgerlich-revolutionäre« Thesis als die »Freiheit« und also auch den »Freiheits«-Feminismus (Feminismus am »bürgerlich-revolutionären« Anfang) verlassen haben, beschreiten wir die Phase der »bürgerlich-revolutionären« Synthesis als der (ideologischen!) Dominanz der »Brüderlichkeit« und also auch des »Schwesterlichkeits«-Feminismus (Differenz-Feminismus) über jeweils beide (Antithesis und Thesis - wie eben beschrieben), indem sie »aufhebt« (**). Das wird noch eine spannende Phase werden, denn sie hat ja erst mit dem „Mauerfall“ am 9. November 1989 begonnen! »Brüderlichkeit« und »Schwesterlichkeits«-Feminismus« stehen ja - jedenfalls nach dem Verständnis des bisher Gesagten - in einem ganz bestimmten Widerspruch zueinander und werden daher wohl kaum zu einem gemeinsamen »Aufheben« (**) in der Lage sein. Oder doch? Und wenn doch, dann aber garantiert nicht mit dem »Sexistischen Feminismus« (er ist ja einer der »Zweige« des »Schwesterlichkeits«-Feminismus, der ja als »Ast« Differenz-Feminismus heißt **). Der Völkische Feminismus könnte vielleicht dazu in der Lage sein - doch in Ihrer Systematik ist er kein »Zweig« des Differenz-Feminismus, sondern des Identitäts-Feminismus. Müssen Sie Ihre Systematik ändern? Oder ich meine?

Der Völkische Feminismus ist eben wohl doch nicht nur ein »Zweig« des Identitäts-Feminismus, wie Sie meinen (**), sondern auch ein »Zweig« des Differenz-Feminismus, d.h. sowohl dem Identitäts-Feminismus als auch dem Differenz-Feminismus zuzuordnen, wie ich meine.

Freundliche Grüße!

Herr Schütze


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