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Mittelschicht. - Dreierschritte. -

admin @, Montag, 14. November 2011, 19:03 (vor 2143 Tagen) @ Herr Schütze

Guten Abend Herr Schütze!

Eigentlich hätten wir ein neues Thema eröffnen müssen, denn das, was Sie beschreiben, scheint mir, entgegen Ihrer Aussage, nur wenig mit dem Ausgangsthema (Formenkreis des Feminismus) zusammenzuhängen.

Aber zur Sache.

Ihre Mitteilungen zur Ausbeutung der Mittelschicht gemeinsam durch Ober- und Unterschicht sind zweifellos interessant. Für mich war das Meiste neu, aber es leuchtet mir ein. Die zugeordneten Grafiken sind auch dem Verständnis sehr hilfreich.

Die verlinkte Abhandlung „Menschenrechte“ als Untergangsbeschleuniger habe ich nur angelesen, weil sie sehr umfangreich ist. Ich will das später nachholen, weil der Text die Lektüre lohnen dürfte.

Was mir vorerst nicht einleuchtet, sind Ihre Ausführungen zum Dreierschritt der Prinzipien der Französischen Revolution. Anscheinend fehlt es mir an Kenntnissen anderer Texte, die zur Vorbereitung eines Verständnisses notwendig sind.

Insbesondere einen Zusammenhang zwischen dem sexistischen Feminismus und der Synthese der Schwesterlichkeit sehe ich nicht. Überhaupt sehe ich nicht ein, daß der Feminismus eingebettet sei "in die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen Entwicklungen, die wiederum in den Kulturkreis eingebettet sind."

Diese Verständnisschwierigkeiten müssen keine dauerhaften sein. Wir sollten uns aber bewußt sein, daß wir von völlig verschiedenen Weltmodellen ausgehen, somit vielleicht sogar in Denkschablonen befangen sind. Wie gesagt, schließt das eine Annäherung nicht aus, aber das dürfte seine Zeit dauern.

Was insbesondere die Prinzipien der Französischen Revolution betrifft, so sehe ich sie gemäß dem anthroposophischen Modell drei Bereichen zugeordnet:

Diese drei Bereiche sind gemäß den Zielen der Dreigliederungsbewegung strikt zu trennen. Aus Vermischung entsteht Unheil. In der zugehörigen Literatur ist das detailliert ausgeführt worden. Wäre die Dreigliederung durchgeführt worden, so Steiner, dann hätte der Erste Weltkrieg (aus heutiger Sicht: der Zweite Dreißigjährige Krieg) verhindert werden können.

Die Dreigliederung geht aber viel tiefer; sie bezieht sich auch auf Leib und Seele:

Diese Trichotomien bilden aber keine Drei"schritte", sondern bestehen zeitgleich und notwendig aufeinander bezogen. Ferner bilden sie verschachtelte Systeme. Und immer besteht die Gefahr der Vorherrschaft eines dieser Bereiche, oder ihrer disharmonischen Beziehung.

Die von Ihnen in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückte Ökonomie ist m.E. nur Ausdruck eines der drei menschlichen Grundtriebe, hier aufgeführt in Zusammenhang mit seinen monastischen Idealen:

Dem entsprechen die drei Versuchungen Jesu, hier in der richtigen Reihenfolge:

Die letzte Versuchung bestand Jesus zunächst nur teilweise, was dann zu seiner Einsamkeit in der Gethsemane-Nacht und zur Kreuzigung (aber auch zur Auferstehung) führte. Denn hinter Ahriman stand unerkannt und zunächst unerkennbar die dritte widergöttliche Macht: Asura.

Ebenso gab bzw. gibt es - dies aber meine eigene Idee - drei totalitäre Ideologien:

Und hier gibt es auch einen zeitlichen Dreischritt mit Zielrichtung "nach unten", denn die Klassenkämpfe tendieren zum Biologischen hin. Vgl. Lenin-Hitler-Schwarzer (1) und Lenin-Hitler-Schwarzer (2).

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In den Analysen von Hubert Brune, so aufklärend sie auch sind, vermisse ich Eines: den Aspekt der göttlichen Welt. Er geht vor wie etwa Freud mit seiner Psychoanalyse. Dieser "entlarvte" den Menschen in seiner dämonischen, perversen Abgründigkeit. Nur - damit hatte er nicht den ganzen Menschen beschrieben, sondern sozusagen nur die Hölle in ihm, nicht auch den Himmel.

Sieht man den Menschen dermaßen reduziert (wobei ich keinesfalls behaupte, daß die Ergebnisse an sich falsch seien), so sieht man keine Zukunft mehr und verdammt sich selbst zum "Unbehagen an der Kultur". Man wird dann auch nichts ändern können.

Das ist auch, was ich an der gegenwärtigen Männerbewegung ganz allgemein zu beklagen habe: sie "entlarven" den Feminismus und beschrieben seine Gestalten. Damit sind sie täglich beschäftigt. Gut, das tue ich auch. Aber wenn man den Mist einmal konstatiert hat, dann soll man auch sagen, welchen Stellenwert der Gegner hat, und was er fürchtet, m.a.W. man soll eine wünschenswerte Zukunft beschreiben. Das aber kann gegenwärtig, soweit ich sehe, nur das anthroposophisch vertiefte Christentum.

Demnach ist diese wünschenswerte Zukunft eben gerade nicht ein "Himmel" als glücklicher Endzustand. Etwas Entsprechendes wird zwar - vorübergehend - kommen (vgl. die anthroposophische Kosmologie), aber das entzieht sich jeder Vorstellungskraft und muß uns auch nicht sogleich beschäftigen.

Entscheidend ist: Die Widersachermächte, die ihrerseits ständig evoluieren, haben einen Sinn, genauso wie die gegnerische Mannschaft in einem Fußballspiel. Ohne sie gibt es keine Siege; ja gibt es nichts, wofür sich zu spielen (zu leben) lohnte!

Ich hoffe Sie angeregt zu haben zu einer weiteren Diskussion.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen
T.R.E.Lentze


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