Feminismus, Genderismus (Teil Id).

Herr Schütze ⌂ @, Dienstag, 22. November 2011, 16:05 (vor 2128 Tagen) @ trel
bearbeitet von Herr Schütze, Dienstag, 22. November 2011, 19:04

Guten Tag, Herr Lentze!

Mit der Absicht, das Thema in diesem „Thread“ (**) zum Abschluß zu bringen, will ich meinen Text dazu auf eine möglichst kurze Formel bringen, weil ich Ihr „Desinteresse an Themen, die mit Geld zusammenhängen (**), nicht länger auf die Folter spannen will:

Auch der Feminsimus hat seine historischen Ursachen; primär sind da die kulturhistorischen Ursachen zu nennen; ich habe die wirtschaftshistorischen Ursachen und die - fast wie Konstanten wirkenden - wirtschaftlichen Motive und Gründe verdeutlicht, weil sie auch dazugehören und in Ihren Kommentaren fehlen.

Mehr eigentlich nicht.

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Zu Ihrer 1. Hauptaussage bezüglich Wissenschaft und Christentum:

„Um aber von der Wissenschaft zur Philosophie und weiter zum Christentum zu gelangen, muß man die Kreuzigung üben, eigentlich eine Passionsstufe, hier als methodischer Schritt.“ (Thomas R. E. Lentze, Wissenschaft und Christentum, 20.11.2011; 23:30 **).

Methodischer Schritt? Ja! Da bin ich eigentlich immer gleich dabei! Was aber, wenn man nicht zum Christentum gelangen will? Weil man vielleicht nicht unglücklich darüber ist, es seit 1970 mehr oder weniger hinter sich zu haben? Oder weil man vielleicht den Glauben als das Für-wahr-Halten fast nur noch wissenschaftlich und philosophisch, nicht aber mehr religiös gebraucht? Weil man nichts gegen Religiös-Gläubige hat, selbst aber nur Wissenschafts-und-Weisheits-Gläubiger ist, vielleicht sogar Angst oder Furcht hat, von den Religiös-Gläubigen wieder unterdrückt zu werden (denn das ist in der Geschichte ja immer wieder passiert!) und sie deshalb möglichst meidet?

Zu Ihrer 2. Hauptaussage bezüglich Wissenschaft und Christentum:

„Nietzsche war ein Mensch mit den höchsten Möglichkeiten geistiger Entwicklung; dies aufgrund seiner früheren Leben als fortgeschrittener Christ. Er kam in die Situation der Prüfung, so wie Jesus sie in der Wüste erfuhr. Er erlebte tiefste Einsamkeit. Als Luzifer nun herantrat mit dem Angebot seines Reiches, das von dieser Welt ist, da bejahte er es. Es war der Ring der Ewigen Wiederkunft - nicht die Wiederverkörperung als Entwicklung, sondern die mechanische, unablässige Wiederholung Desselben, illusionär lustvoll bejaht. Das Ich gottgleich vergrößert, gespiegelt als Welt im eigenen Besitz.“ (Thomas R. E. Lentze, Wissenschaft und Christentum, 20.11.2011; 23:30 **).

Nietzsche war bis zu seinem Bruch mit dem Christentum ein protestantischer, also evangelischer, nämlich lutherischer Christ. Wahrscheinlich ist er auch in einer von Ihnen erwähnten „Situation der Prüfung“ (**) gewesen. Mit sogar an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erlebte er die von Ihnen ebenfalls erwähnte „tiefste Einsamkeit“ (**). Man kann Nietzsche aber auch, wenn man kurz formulieren will, so beschreiben: Nietzsche war ein Experimentalphilosoph oder Experimentaldenker, der alle nur denkbaren „Immunkrankheiten“ an sich ausprobierte und zum größten „Immunologen“ wurde.

Ich komme in diesem Zusammenhang noch einmal kurz auf eine ältere Aussage von Ihnen zurück:

„Sieht man den Menschen dermaßen reduziert (wobei ich keinesfalls behaupte, daß die Ergebnisse an sich falsch seien), so sieht man keine Zukunft mehr und verdammt sich selbst zum »Unbehagen an der Kultur«. Man wird dann auch nichts ändern können. - Das ist auch, was ich an der gegenwärtigen Männerbewegung ganz allgemein zu beklagen habe: sie »entlarven« den Feminismus und beschrieben seine Gestalten. Damit sind sie täglich beschäftigt. Gut, das tue ich auch. Aber wenn man den Mist einmal konstatiert hat, dann soll man auch sagen, welchen Stellenwert der Gegner hat, und was er fürchtet, m.a.W. man soll eine wünschenswerte Zukunft beschreiben. Das aber kann gegenwärtig, soweit ich sehe, nur das anthroposophisch vertiefte Christentum.“ (Thomas R. E. Lentze, Mittelschicht - Dreierschritte, 14.11.2011; 19:03 **).

Nietzsche z.B. - er gehört zu den modernen Genies, von denen ich hier viele auch hätte nennen können - hat trotz allem, was ihn selbst zur Verzweiflung und fast zur völligen Resigantion gebracht hat, in eine Zukunft gewiesen, die zwar zunächst nicht wünschenswert ist, die aber wünschenswert erscheinen und auch werden kann. Ich will nicht sagen, daß ich diesbezüglich ein fanatischer Anhänger Nietzsches wäre - denn: mit einer Liebe-zum-Schicksal z.B. wird man tatsächlich nur wenig oder wahrscheinlich sogar „nichts ändern können“ (**). Aber immerhin: „wenn man den Mist einmal konstatiert hat, dann soll man auch sagen, welchen Stellenwert der Gegner hat, und was er fürchtet, m.a.W. man soll eine wünschenswerte Zukunft beschreiben.“ (**). Und das hat - auf seine Art selbstverständlich - auch Nietzsche getan. Nietzsche und die nicht wenigen anderen modernen Abendländer vor und nach ihm haben das in dem kleinen Rahmen, der ihnen nur noch geblieben war, getan, was gegenwärtig gemäß Ihrer Aussage (!) „nur das anthroposophisch vertiefte Christentum“ (**) noch kann. Glauben Sie das wirklich? Und, falls ja, warum?

Können die die Faustischen, die Abendländer, nicht versuchen, ihren Untergang so angenehm wie möglich zu gestalten - das Wort „angenehm“ darf wegen bestimmter Konnotationen nicht mißverstanden werden, denn ich meine damit nicht die Gemütlichkeit beim Fernsehen u.s.w. -, d.h. die zunehmenden Gefahren so zu lenken, daß sie selbst wenigstens nicht ihr Gesicht verlieren? Müssen sie sich nicht wenigstens auf diese Weise verteidigen? Oder sollten sie sich etwa gar nicht verteidigen? Kann da wirklich nur Religion helfen? Und, falls ja, ist es dafür nicht noch zu früh? Muß nicht erst noch die Neu-Religion mehr und intensiver, ja besser vorbereitet werden?

Ich glaube, uns könnten sehr wohl auch die Ideen, die Warnungen und Vorhersagen weniger religiös motivierter Menschen - ich nenne hier noch einmal die bekanntesten meiner Favoriten: Goethe, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Spengler, Heidegger und Sloterdijk (**) - dazu bringen, weniger Angst vor der Zukunft zu haben. Dabei wird wahrscheinlich eine Neu-Religion entstehen, oder aber eben doch die alte Religion wieder bemüht werden müssen, oder es werden viele verschiedene, schon längst in anderen Kulturkriesen existierende Religionen in die unsrige, falls sie dann noch existieren wird, integriert werden (vgl.: Hinduismus), während man ansonsten eher so lebt wie heute z.B die Brasilianer (vgl. Brasilianisierung) oder früher z.B. die Fellachen (**|**|**|**) im ehemaligen Ägypten.

Mir tut das auch alles in der Seele weh, aber man muß doch damit leben. Jetzt werden Sie wieder sagen: „Unbehagen an der Kultur“ **); aber das Unbehagen an der Kultur ist, wenn man die Kultuangehörigen als einen Körper versteht, nur eines von vielen Symptomen der Vergreisung der Kultur, aber nicht unbedingt als Resigantion interpretierbar. Wenn der Winter beginnt, sagen ja auch nur 0,000000001% der Menschen: „Ich gehe unter, ich resigniere, ich gebe auf, ich hänge mich auf.“ Man muß den Untergang des Abendlandes (Spengler) nicht ie einen Untergang eines Schiffes vorstellen, sondern jahreszeitlich, nämlich: kulturjahreszeitlich. Schon der „Sommer“ (**|**) als die „Jugend“ einer Kultur gehört mit zu ihrem Untergang.

Mit freundlichen Grüßen!

Hubert Brune


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