Was ich zu Weihnachten gemacht habe und machen werde.

trel ⌂, Montag, 26. Dezember 2011, 11:27 (vor 2095 Tagen)
bearbeitet von trel, Dienstag, 27. Dezember 2011, 04:11

Es gehört sich, festzustellen, daß Weihnachten nicht nur zwei oder drei Feiertage, sondern die volle Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar umfaßt. Damit ist die Weihnachtszeit eingefaßt in zwei Pole: einem eher weiblichen, der sich am Lukas-Evangelium orientiert, und einem eher männlichen, der sich am Matthäus-Evangelium orientiert.

Ich weiß nicht, ob einem das in der katholischen und der evangelischen Kirche so genau erklärt wird. In der durch Rudolf Steiner 1922 inaugurierten "Christengemeinschaft", der ich mich verbunden weiß, werden die tieferen Zusammenhänge jedenfalls ernstgenommen. Zur Erinnerung:

Das Lukas-Evangelium erzählt die Geschichte von der nächtlichen Geburt Jesu in einfachen, natürlichen Verhältnissen, nämlich in einer Vieh-Krippe, in Gegenwart von Hirten, die demutsvoll die himmlischen Worte vernommen hatten: "Geoffenbart sei Gott in den Höhen und Friede auf Erde den Menschen, die eines guten Willens sind." - Das Ganze lebt in einer mütterlichen Atmosphäre.

Das Matthäus-Evangelium dagegen beginnt mit einer peniblen Auflistung der Ahnenreihe und einer ernsten Besorgnis des Vaters über die vermutete Untreue seiner Frau. Doch ihm erscheint ein Engel, der ihn aufklärt. Und Joseph ist es auch, der dem göttlichen Sohn den Namen gibt. - Es kamen nun drei bedeutende, inspirierte Männer, Priesterkönige, die dem Kind Geschenke bringen. Und von einem weiteren bedeutenden Mann ist die Rede, der allerdings Unheil bewirkt: König Herodes. Er ordnet den bethlemitischen Kinder-Massenmord an. Und wiederum ist es der Vater, der durch Engel göttliche Weisungen empfängt, dreimal nacheinander, und die Flucht und Rückkehr der Familie organisiert. - Diese Geschichte ist also eindeutig väterlich-männlich gestimmt.

So ist die Weihnachtszeit eingerahmt von einem mütterlichen gestimmten und einem väterlich gestimmten Fest. Letzteres heißt Epiphanias (Erscheinung Gottes im Menschen, Christus in Jesus) oder Tag der Heiligen Drei Könige.

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Üblicherweise macht man sich zu Weihnachten Geschenke, obwohl die Geschenke der drei Priesterkönige (Astrologen!) eigentlich Opfergaben waren: Sie opferten die Weistümer der Alten Welt zugunsten einer neuen, der christlichen Spiritualität. Gold, Myrrhe und Weihrauch waren dafür Symbole.

Doch ich lebe allein und habe nichts zu verschenken, noch empfange ich Geschenke. Mein Sohn, im Dezember 14 geworden, hat sich kurz zuvor von mir losgesagt, ohne vorausgegangene persönliche Differenzen mit mir, aber anscheinend auf Anordnung seiner zwei Mütter. Er hat nämlich außer der biologischen Mutter noch eine rechtliche Mutter, anders gesagt: eine gerichtlich bestellte Vormünderin. Die Alternative wäre gewesen, dem Vater (also mir), das alleinige Sorgerecht zu übertragen, doch das passiert in Deutschland nur selten. Diesen beiden Müttern hat er sich nun unterworfen. Seine letzten Worte an mich waren, ich möge für ihn beten.

Umso näher lag es, Weihnachten möglichst eng mit meiner Gemeinde in der erwähnten Christengemeinschaft zu verbringen. Am 24. fuhr ich vormittags hin, um bei den Vorbereitungen für die "Lichterstunde", dem Fest für die Kinder und ihre Eltern, mitzuwirken; später noch einmal zur Teilnahme und um beim Aufräumen zu helfen. Zu Mitternacht ein drittes Mal hin zur Menschenweihehandlung (so nennt man dort das, was sonst Gottesdienst heißt); am 25. morgens ein viertes Mal hin, um an den Handlungen um 8 Uhr und 10 Uhr teilzunehmen.

Insgesamt war ich damit innerhalb eines Tages 12*) Stunden auf dem Fahrradsattel. Das war anstrengend, ist aber gesünder als sich vollzufressen mit Gänsebraten und all den Süßigkeiten, mit denen man ansonsten überhäuft wird. Man bedenke, was die Krankenhäuser in diesen und den nächsten Tagen zu tun haben mit Menschen, die sich schlichtweg überfressen. Aber vielen bekommt's ja, und das sei ihnen selbstverständlich gegönnt.

*) Korrektur: Pardon, es waren 8 Stunden!

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Weihnachten ist auch die Zeit der zwölf Heiligen Nächte.

Hierüber habe ich ein Skript vor mir liegen mit Aussagen, die R.Steiner dem Anthroposophen Herbert Hahn persönlich mitgeteilt hatte. Es wurde mir vor Jahren von einer Angestellten des Waldorfkindergartens geschenkt, den mein Sohn Jahre besucht hatte.

Daraus zitiere ich zunächst für den Advent - obwohl der schon vorbei ist:

Für den Lichtsuchenden sollen in der Advent-Zeit die Widerstände des Lebens ein besonderer Prüfstein sein. Er muß immer bemüht sein, die Personen von der Sache zu trennen, denn Leid und Schwierigkeiten werden uns als Proben geschickt, und die Menschen, durch die uns Schweres geschieht, sind nur das Werkzeug. Einfügen sollen wir uns in jede Situation, ruhen in ihr, ohne uns zu verlieren. - Der Inhalt des großen Verlangens dieser Zeit ist, sich das Göttliche tatsächlich einzuverleiben (Zustand der Geburt), nicht nur in Ausnahmezuständen Göttliches zu erleben. Alles, was mit der irdischen Persönlichkeit zusammenhängt, sollen wir ausschalten. Wir sollen ganz kindhaft sein, ganz entspannt dem anderen gegenüber. Alles, was geredet und gemeint wird, Diskussionen, Gereiztheit, allen diesen Ballast sollen wir lassen.

Vor jeder großen Feier steht eine große Gelegenheit, etwas in sich zu überwinden - das Opfer!

Nun, das paßt doch gut zu meiner Situation: Verlust des einzigen Sohnes, einem Stück meines Lebens. Die Menschen, die mir das antun, sind Werkzeug, können nicht anders. Der Sohn wird eines Tages zu mir zurückkommen, oder auch nicht. Dies alles sei dem Himmel überlassen, jedenfalls während der Weihnachtszeit. - "Der Glaube hat dir geholfen", sagte Jesus - und so ist es! Denn religiöser Glaube ist eine Kraft, kein Defizit an Wissen, wie es von den Atheisten behauptet wird.

Es werden nun die Aufgaben für die einzelnen Adventwochen beschrieben - dies überspringe ich jetzt -, dann weiter:

Am 24. Dezember beginnen die zwölf Heiligen Nächte. Sie sind Symbole für die zwölf Seelenkräfte, die wir in uns lebendig machen müssen. Und so gilt diese Einstellung für immer, nicht nur für die zwölf Nächte allein.

Am 1.1. um 12 Uhr größte Sonnennähe, daher fünfeinhalb Tage vor- und nachher die Zeit der Heiligen Nächte. In diesen dunkelsten Nächten ist uns die Geistessonne am nächsten. Sie durchscheint die Erde von innen, durchlichtet alles, nicht wie später: die Erde von oben bescheinend.

In die zwölf Heiligen Nächte soll man sehr wachbewußt hineingehen. Für die erste Nacht bis 1 oder 2 Uhr wach bleiben; während der anderen Nächte möglichst regelmäßig, also zur gleichen Zeit zu Bett gehen. Überhaupt einen regelmäßigen Rhythmus leben in dieser Zeit. Ist das im Äußeren nicht möglich, dann soll man es innerlich versuchen. Wer die Stille im äußeren Ritus nicht durchführen kann, soll versuchen, sich der Heiligkeit der Zeit stets bewußt zu sein. Besonders bewußt auch die Pflichten erfüllen, eingedenk, daß man sie in heiliger Zeit verbringt. Sich selber aber nichts durchgehen lassen, keine hälichen Regungen in der Seele haben, immer strenger und strenger mit sich selber sein.

Im Weihnachtserlebnis, in den zwölf Heiligen Nächten, wird der Keim gelegt zu den zwölf Monaten des Jahres. Darum sind diese zwölf Tage so wichtig. Wenn wir z.B. in den ersten Tag entgleiten, legen wir einen Keim, der im ersten Monat negativ im Blute aufgeht.

Wir müssen versuchen, die zwölf Tage gesetzmäßig und richtig zu verleben, denn wir brauchen jedes Jahr, um an unserer Wiedergeburt zu arbeiten, und dürfen keines verlieren.

Die nun folgenden Anweisungen und Erklärungen für die einzelnen Tage und Nächte übergehe ich, weil sie für die meisten Leser zu esoterisch, d.h. zu schwer verständlich sein dürften.

Nur dies noch:

Besonders entscheidend ist, was wir uns in der Silvesternacht vornehmen. In der Silvesternacht gibt uns der Volksgeist für einige Augenblicke frei. Was wir dann denken, wird von den höchsten Hierarchien ergriffen - und es trägt die Kraft der Verwirklichung in sich.

Der Volksgeist gehört zu den Erzengeln, den Archangeloi. Diese stehen eine Stufe höher als die Engel (Angeloi). Jeder Mensch hat einen Angelos, seinen "Schutzengel", der die Reihe der vergangenen und die Zielrichtung der künftigen Verkörperungen überblickt, und der durch unser fehlerhaftes Verhalten ständig gleichsam gekreuzigt wird, weil er für uns vor dem Vater geradesteht. Er wirkt vertikal (vgl. die Himmelsleiter) und ist dem Heiligen Geist zugeordnet.

Die Erzengel oder Volksgeister wirken hingegen horizontal. Sie umkreisen die Erde und öffnen sich uns einmal im Jahr während der Weihnachtszeit bzw. den physisch dunkelsten Nächten, wo das Geisteslicht am hellsten ist. Sie sind dem Sohn zugeordnet.

Soweit für diesmal. Ich wünsche meinen Lesern besinnliche Tage und Nächte!

trel


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