„Politgeometrie“ oder „Gesäßgeographie“?

Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 10:40 (vor 2116 Tagen) @ admin
bearbeitet von Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 11:42

Guten Morgen, Herr Lentze!

Sie sind ja ein guter Analytiker und Systematiker, Herr Lentze! Das zeigt sich besonders beim Thema „Feminismus“, aber wohl auch beim Thema „Politik-Ideologie“, wie ich feststellen durfte. Sie orientieren sich dabei - wahrscheinlich leigt das daran, daß Sie Steinerianer sind - an der ZEIT. Sie geben nämlich aus Ihrer „Sicht die folgende Erklärungen:

Links-extrem sein bedeutet: Zukünftige Entwicklungsphasen vorwegnehmend.

Links sein bedeutet: Auf Zukünftiges hin orientiert.

Konservativ sein bedeutet: Bleibendes, immer Gültiges bewahrend.

Rechts sein bedeutet: Auf Vergangenes hin orientiert.

Rechts-extrem sein bedeutet: Überwundene Entwicklungsphasen hereinholend.

Wohl gemerkt: »Konservativ« ist hier die Mitte!“ (**).

Wie Sie ja mittlerweile längst bemerkt haben düften, bin ich ein Spenglerianer und Bruneaner (**). Ich orientiere mich beim Thema „Politik-Ideologie“ an Brunes „Politgeometrie“ (**) , die sich, wie das Präfix „Geo“ des Substantivs „Geometrie“ schon verrät, weniger an der Zeit als viel mehr am RAUM orientiert. Brune kommt nämlich zu folgenden Erklärungen:

[image][image] „Extremismen sind immer möglich, können sich vielfältig äußern und von jeder Position ausgehen. Deswegen hier nur die bekanntesten Beispiele:

Auch die Mitte (der Liberalismus) kann sich zum Extremismus, z.B. zum Anarchismus (radikaler Mitte-Faschismus) radikalisieren.

Extremismen wie z.B. der Sozialnationalismus (radikaler Links-Faschismus) und der Nationalsozialismus (radikaler Rechts-Faschismus) sind im Grunde austauschbar.

Um eine optimale „Politgeometrie“ hinzubekommen, müssen Politiker schon mehr tun als unsere Parteipolitiker, deren Führer zusammen mit den Führern der Interessenvereine die gesamte Politik der Gemeinschaft bestimmen und auf diese Weise die Gemeinschaft letztlich völlig zerstören. Sie sind die Totengräber der Gemeinschaft. Wenn sie z.B. den Kern jeder Gemeinschaft, die kleinen Kollektivformen (**|**) wie die Ehe und die Familie, gespalten haben, können sie sicher sein, daß schon bald auch die großen wie die Nation und die Kultur gespalten sein werden. Diese Politik ist vergleichbar mit ganz bestimmten Geschehnissen in der Physik: wenn der Kern eines Atoms gespalten wird, wird eine ungeheurlich große Bindungsenergie freigesetzt (siehe: Starke Kernkraft als die stärkste der 4 Naturkräfte **); wenn moderne (totalitäre) Politikführer die Ehe und die Familie zerstören - sie tun dies z.B. durch Erlaß der entsprechenden Scheidungsgesetze und Antifamiliengesetze, die den „Singles“ („Indivduen“ sagen sie) dienen -, ebenfalls „eine ungeheurlich große »Bindungsenergie« freigesetzt“, die sie dann nutzen, um ihr Spiel fortzusetzen. Sie spielen „atomistische Gesellschaften“. Beendet ist das Spiel genau dann, wenn durch die Spaltung der „Kerne“ möglichst viele große und mittlerere Kollektivformen entweder bis zur Unkenntlichkeit zerstört oder bis zur Übernahme fremder großer und mittlerer Kollektivformen extrem deformiert worden sind. Der Untergang von Nationen und Kulturen ist also dann vollendet, wenn deren „Kerne“ extrem oft gespalten, also extrem verwandelt worden sind.“

(Hubert Brune, Politgeometrie, 2001 **).

Der Vorteil des Bruneschen Modells liegt u.a. darin, daß auch die Mitte extrem werden kann, weil es der Kreis ist, der Brunes „Politgeometrie“ zugrundeliegt, und in einem Kreis ist die Mitte nicht gleichbedeutend mit dem Zentrum, sondern trägt das Zentrum in sich (in seiner Mitte - das Zentrum ist also die Mitte der Mitte) und befindet sich auch am Rand, kann also auch extrem sein. Die frühere deutsche Partei „Zentrum“, die im 19. Jahrhundert und 1. Drittel des 20. Jahrhunderts erfolgreich war, war der Bedeutung ihres Namens nach nicht zu einer extremen Position fähig. Das will doch was heißen! Oder?

Die „Politgeometrie“ der heutigen Bundesrepublik Deutschland - der BRD GmbH, wie so manche Spötter sagen -, sieht laut Brune so aus:

[image] „Das Modell Bundesrepublik ist ein Links-Liberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus, hat sich weiter nach links entwickelt und ist heute ein Radikal-Links-Liberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus. In der Bundesrepublik gibt es nur noch linke Blockparteien, d.h. eine linke Einheitspartei. Wenn heute in der Bundesrepublik von der „Mitte“ die Rede ist, dann müßte der Bereich des Grauen ( „CDU/CSU“) und dessen Nachbarn bis zur linken und rechten Grenze (vgl. in der Graphik die gestrichelten Linien) gemeint sein; da aber rechts von ihm alles verboten ist (außer z.B. „REP“, „NPD“ u.ä., die zwar de jure noch nicht, aber de facto schon seit ihrer Gründung verboten sind), ist damit ein Teil der Mitte verboten (der größte Teil der rechten Mitte befindet sich ja im Bereich des Verbots); also muß unser Parteienstaat mit „Mitte“ in etwa den Bereich des Grünen und also die „Grünen“ meinen, obwohl der Bereich bereits außerhalb der Mitte ist (die linke Grenze der Mitte befindet sich ja im Bereich des Gelben [„FDP“]). Ob er diesen Bereich wirklich meint, weiß ich nicht; aber gemäß der politischen Geometrie gehört dieser Bereich nicht zur Mitte, sondern eindeutig zur Linken. Klar, daß die „SPD“ nicht sozialdemokratisch („S“), nicht für Deutschland („D“), sondern nur eine Partei („P“) ist, daß die „CDU/CSU“ nicht christlich („C“), nicht demokratisch („D“), nicht sozial („S“), sondern nur eine Union („U“) ist, daß die „FDP“ nicht frei („F“), nicht demokratisch („D“), sondern nur eine Partei („P“) ist, daß die „Grünen“ nicht grün (“Grüne“) sind, sondern sich nur aus rein wahltaktischen und sonstigen opportunistischen Gründen so nennen, daß aber die „Linken“ Linke sind - dies alles spricht dafür, daß bis auf die Linken die Namen dieser Parteien verlogen sind, daß also auch, weil diese Parteien nur Teile ihrer Einheitspartei sind, der Name dieser Einheitspartei verlogen ist („SPD/CDU/CSU/FDP/Grüne/Linke“) und ersetzt werden muß durch einen wahrheitsgemäßen Namen: „PUP/Linke“ (Partei-Union-Partei/Linke **). Diese Enheitspartei steht für den Linksliberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus und ist besonders links, weil sie sich über den linken Weg zum Staat, zum Parteienstaat gemacht hat bzw. hat machen lassen. In diesem Bündnis zwischen der Linken und der Mitte ist heute die Linke mit 60,2% Machtanteil und einem Anteil am Politikbereich von 29,5% (geometrisch: 53,1°) stärker vertreten als die Mitte mit 39,8% Machtanteil und einem Anteil am Politikbereich von 19,5% (geometrisch: 35,1°), während diejenigen, die an der Macht gar nicht beteiligt sind, einen Anteil am Politikbereich von 51% (geometrisch: 91,8°) haben. Eine solche Staats- bzw. Regierungsform ist nicht demokratisch, auch nicht repräsentativ-demokratisch, sondern plutokratisch bis zeusiokratisch (**) und repräsentativ nur im Sinne eines diesem Parteienstaat absolut entsprechenden Parlamentarismus, bei dem auch die Gewaltenteilung nur auf Papier geschrieben steht, aber nicht praktiziert wird.“

(Hubert Brune, Politgeometrie, 2001 **).

Ihr „zeitlicher“ Ansatz sagt mir auch sehr zu, Herr Lentze! Die Zeit ist aber auch in Brunes „Politgeometrie“ durchaus berücksichtigt, denn diese geht von der Moderne aus, läßt die Einteilung der Extremismen genau zu dem Zeitpunkt beginnen, zu dem auch die Moderne begonnen hat, weil die Moderne schon per definitionem „extrem“ ist. Ansonsten geht das Modell auf evolutionäre bzw. historische Zeiten zurück, in denen die Entscheidung anstand und immer wieder ansteht, ob man den „Markt“ oder den „Staat“ bzw. dessen Vorläufer (versteht sich!) bevorzugt (**).

Gruß

Herr Schütze


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