Woran wird der Antichrist zu erkennen sein?

trel ⌂, Montag, 09. Januar 2012, 07:29 (vor 2140 Tagen)
bearbeitet von admin, Samstag, 22. Februar 2014, 22:38

Von Wladimir Solowjew gibt es die "Kurze Erzählung vom Antichrist", erschienen etwa um 1900. V.Tomberg, ebenfalls Russe, hat Inspirierendes dazu geschrieben.

Der Antichrist wird äußerst schwer zu erkennen sein, von den meisten Menschen wahrscheinlich überhaupt nicht. Er ist in jeder Hinsicht genial, löst alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme, fördert die Kultur, und er ist auch im Umgang angenehm. Aus landläufiger Sicht gibt es nichts, was gegen ihn spricht.

Das galt in vielerlei Hinsicht allerdings auch schon für seine Vorgänger, also etwa für Lenin und Hitler. Für Lenin hat das Tomberg ausgeführt. Lenin war von vielen Lastern frei, von denen Menschen sonst oft befallen sind. Er war auch nicht übermäßig ehrgeizig.

Für Hitler gilt Ähnliches. Er war Nichtalkoholiker, Nichtraucher und Vegetarier. Daß er es im Ersten Weltkrieg nicht weiter als bis zum Gefreiten brachte, lag einfach an seinem mangelnden Ehrgeiz. Er war im Umgang korrekt und höflich. Intelligent war er auch, jedenfalls auf militärischem und gewissen anderen Gebieten.

Wenn also manche Leute versucht haben, ihn als Unsympath, ja als Unmensch und Ungeheuer darzustellen, so ist das normal, wenn es von Feindesseite so dargestellt wird. Es ist jedoch als peinlich zu werten, wenn ein solches Urteil seitens deutscher Zeitgenossen und Nachfahren erfolgt.

Antichristlich inspirierte Menschen sowie der Antichrist selber sind niemals mit dem "gesundem Menschenverstand" zu erkennen. Im Gegenteil, der gesunde Menschenverstand spricht immer für sie. Sie sind auch nicht mit gründlicher Logik zu erkennen. Über die verfügen sie ja selbst, und oft in überlegenem Maße.

Es gibt nur ein Mittel: das Gewissen. Handelte es sich beim gesunden Menschenverstand und bei der Logik um Fähigkeiten der Empfindungsseele bzw. der Verstandesseele, so handelt es sich beim Gewissen um eine Fähigkeit der Bewußtseinsseele. Diese wird erst seit dem 15. Jahrhundert ausgebildet, also mit Beginn der Neuzeit, ist aber noch keinesfalls bei allen Menschen gut entwickelt. Man spricht bisweilen auch vom "moralischem Gespür".

Man entwickelt diese Fähigkeit besonders gut durch Verbindung mit Christus. Dazu gehört der Wille, sich mitverantwortlich zu fühlen für die Unvollkommenheiten und Leiden unserer Mitmenschen. Sie zu verurteilen, ist damit völlig unvereinbar.

trel

Zum Thema: Hinweis auf einen JF-Artikel von F.Schmidt-Ahmad + Kommentare

trel ⌂, Donnerstag, 12. Januar 2012, 10:04 (vor 2137 Tagen) @ trel

In einem JF-Artikel vom 8-1-2012, betitelt "Ein Reich nicht von dieser Welt - Teil 2" hat Fabian Schmidt-Ahmad den Christus in seiner tiefsten Bedeutung thematisiert.

Es hat - leider nur drei Leserkommentare gegeben; zwei sind von mir. Sie beziehen sich auf den Antichrist, um das Wesen des Christus damit zu verdeutlichen. Ich gebe sie hier wieder, da sie die obigen Ausführungen ergänzen, sowie zu meiner eigenen Gedächtnisstütze, für den Fall, daß ich das Thema des Antichristen fortsetze.

--------------------------


Thomas Lentze aus Bonn

Montag, 09-01-12 14:52

(2)
Was viele Menschen, auch bekennende Christen, nicht verstehen, ist die Notwendigkeit, daß ein so guter Mensch, ja Gottmensch, wie Jesus Christus verhöhnt und gekreuzigt werden MUßTE.

Nehmen wir Judas Iskariot, der ihn verriet. Das war in landläufigem Sinne gar kein schlechter Mensch. Im Gegenteil, er wollte dem Guten zum Sieg verhelfen. Sein Kuß, der ihn zum Verräter machte, war Ausdruck echter Freude über das, was gleich eintreten würde: Jesus würde "es seinen Gegnern zeigen", gegebenfalls Engel herbeirufen, auf jeden Fall aber eine irdische Herrschaft antreten.

Daß es aber eine rein irdische Lösung nicht geben kann, leuchtet den meisten Menschen gar nicht ein und läßt sich logisch auch nicht begründen.

Thomas Lentze aus Bonn

Montag, 09-01-12 12:11

Was wäre denn, wenn demnächst ein Mann aufträte, mit genialen Begabungen ausgestattet, der alle wirtschaftlichen und sozialen Probleme glaubhaft zu lösen verspricht und an dem auch kein persönlicher Makel festzustellen ist?

Nehmen wir an, dieses Genie würde das Modell einer Weltherrschaft entwerfen, das wirklich Frieden verspricht. Dieses Modell überzeugt einfach, weil es jeden intelligenten Menschen überzeugen muß.

Nehmen wir an, dieser höchst sympathische, völlig untadelige Ausnahmemensch käme ins Gespräch für das Amt des globalen Präsidenten. Was spräche dagegen, ihn zu wählen? Einzig, daß er Christus nicht anerkennt?

Nun, das ist eben der Antichrist, die größte Versuchung aller Zeiten. Nachzulesen bei Solowjew, Tomberg u.a.

Woran erkennt man antichristlich eingestellte Menschen ?

trel ⌂, Donnerstag, 12. Januar 2012, 22:00 (vor 2136 Tagen) @ trel
bearbeitet von trel, Samstag, 14. Januar 2012, 10:12

Wohl jeder wahre Christ wird seine größten Enttäuschungen nicht an Atheisten, sondern an denjenigen Menschen erleben, von denen er das größte Verständnis erwarten sollte.

Das erlebte schon Jesus Christus so. Nicht mit "Huren und Zöllnern", also mit den ungebildeten Leuten und sozialen Versagern hatte er Probleme, sondern mit den Priestern und Theologen, das heißt mit denjenigen, die ihn schon aufgrund ihrer Schriftkenntnisse hätten erkennen müssen. Denn er wurde ja im Alten Testament vielfach angekündigt und es wurden dort auch die Zeichen genannt, an denen er zu erkennen sein würde.

Valentin Tomberg erging es ähnlich. Der wurde zwar nicht gekreuzigt, aber er wurde aus der Anthroposophischen Gesellschaft ausgeschlossen und ständig, auch noch nach seinem Tod, schwer verleumdet. Ebenfalls wurde er, der Christ und Christologe unter den Anthroposophen schlechthin, abgewiesen durch die von Steiner inaugurierte Christengemeinschaft.

Steiner selbst hat bekanntlich viel weniger unter seinen unmittelbaren Gegnern gelitten als unter seinen eigenen Anhängern. Diesen hatte er seine Todeskrankheit zu verdanken, wie er selber sagte.

Vgl. zu alledem die Gleichnisse im Matthäus-Evangelium im 21. und 22. Kapitel.

---------------------

Ich stellte die Frage: Woran erkennt man antichristlich eingestellte Menschen? - Man erkennt sie nicht unbedingt daran, daß sie das Christentum ablehnen. Das kann ja auf einfacher Unkenntnis beruhen. Um wirklich antichristlich zu sein, muß man schon gründlich verstanden haben, worum es geht - und gerade darauf seine Ablehung bauen. Was nicht ausschließt, daß dieselben Personen z.B. kirchliche Ämter bekleiden.

So war zwar Fr. Nietzsche in seinem Leben kein Pfarrer, aber immerhin Pfarrer-Sohn. Er schrieb auch anfangs christliche Gedichte! Das Paradoxon klärt sich, wenn man Steiners Hinweis zu Rate zieht, wonach Nietzsche früher ein Mönch gewesen sein soll, der sich auf besonders brutale Weise kasteite. Im späteren Leben hat sein Körper ihm das mit schwerer Krankheit beantwortet und in ihm einen heftigen Gegen-Affekt geweckt.

Wie schon früher gesagt, wird der absolute Antichrist, dessen Kommen bevorsteht, als solcher zunächst nicht zu erkennen sein. Das wird erst dann der Fall sein, wenn es ans "Eingemachte" geht, also die Gretchenfrage, hier: Christusfrage, angesprochen wird. Darauf aber würde er sich mit Unsereinem wahrscheinlich gar nicht einlassen, denn jedes Regime kann ein paar "Spinner" ertragen.

Aber dann gibt's ja noch den Papst, den Erzoberlenker der Christengemeinschaft, den Chef der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und Andere. Wir werden sehen, wie weit ihre Erkenntnis- und Glaubenskräfte reichen.

Die größten Glaubens-Helden im Nationalsozialismus dürften übrigens die Zeugen Jehovas gewesen sein.

trel

RSS-Feed dieser Diskussion
powered by my little forum