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Steinbach: "Die Nazis waren eine linke Partei." Richtig?

admin @, Freitag, 03. Februar 2012, 22:18 (vor 2115 Tagen)
bearbeitet von admin, Freitag, 03. Februar 2012, 22:45

Ein Spiegel-Artikel befaßt sich mit der Frage, ob, wie Erika Steinbach auf Twitter behauptete, die Nazis Linke waren.

Das Ergebnis laut Spiegel-Redakteurin und den meisten Spiegel-Foristen: Nein. Manche meinen sogar, die NSDAP sei die denkbar rechteste Partei gewesen.

Doch Vorsicht! Der "Spiegel" ist unbestritten links. Dem müssen wir gerade in dieser Frage nicht alles glauben.

Wenn es dort etwa heißt,

Die NSDAP, sagt etwa der Historiker Heinrich August Winkler, "war das organisierte und extremste Nein zu allem, wofür linke Parteien standen. Rechter kann man gar nicht stehen",

so ist das falsch. Denn immerhin haben die Nazis so Manches dauerhaft durchgesetzt, was eigentlich linkes Anliegen ist. Nicht nur, aber insbesondere den Mutterkult, der heute das Familienrecht bestimmt. Ferner den Volkswagen, den Volksempfänger usw., Dinge die jeder einfache Mensch zu erwerben in der Lage sein sollte. Auch das Wort "Urlaub" wurde damals volkstümlich. Siehe auch die sozialen Programme von "Kraft durch Freude".

Davon abgesehen ist es auch Unsinn, eine Partei, die in den Linken Gegner sieht, nur deswegen als rechts zu bezeichnen. Linke bekämpfen sich auch untereinander!

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Höchst lächerlich auch die folgende Bemerkung eines "Experten":

"Natürlich hatte die NSDAP einen 'deutschen Sozialismus' im Programm, aber keinen internationalistischen, sondern einen, der auf Exklusion, Verfolgung und Vernichtung basierte."

Ja, beruhte denn der internationalistische Sozialismus nicht auf Exklusion, Verfolgung und Vernichtung? Stalin tötete doch unzählige seiner eigenen Gefolgsleute. Da war Hitler weitaus berechenbarer!

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Was wäre denn rechts?

Zur rechten Position gehört zwingend Konservativismus. Doch konservativ waren die nationalen Sozialisten mit Sicherheit nicht, zumindest Hitler war es nicht. Er tat, was alle Sozialisten machen:

  • Traditionen verleugnen (insbesondere die preußische),
  • Hierarchien beseitigen (Ständeordnung, besonders im Militär),
  • das religiöse Leben unterdrücken.

Auch die Zerstörung der Familien haben die Nazis durch ihren Mutterkult zumindest vorbereitet.

Lediglich die Privatisierung des Eigentums haben sie nicht betrieben.

Was im Nationalsozialismus für Konservativismus gehalten werden könnte, war, richtiger besehen, Atavismus. Mit Atavismus bezeichnet man den Durchbruch überholter Entwicklungsstadien. Das gab es wirklich, etwa ingestalt der "Germanentümelei" und dem Aufwärmen heidnischer Kulte. Konservativismus hingegen bedeutet, die durchgehende Kontinuität des Überlieferten zu bewahren, so also auch das Christentum. Und in diesem Zusammenhang natürlich auch das Preußentum. Doch daran war gerade Hitler nicht interessiert. Er war auch an seiner eigenen Familienforschung nicht interessiert.

Vergleiche ansonsten den Artikel hier im Forum: Nationalsozialismus: Rechts- oder eher Links-Ideologie? Haffners Meinung.

admin

„Politgeometrie oder Gesäßgeographie“?

Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 00:30 (vor 2114 Tagen) @ admin
bearbeitet von Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 01:43

Ich grüße Sie, Herr Lentze!

Selbstverständlich war der Nationalsozialismus nicht nur rechts bzw. rechtsextrem, sondern auch links bzw. linksextrem. Ob er allerdings sogar nur links bzw. linksextrem war, wage ich doch zu bezweifeln.

Ich habe diesbezüglich einen interessanten Anmerkung von Hubert Brune zu folgendem Text von Peter Sloterdijk gefunden: „Nach 1945 haben wir von Nationalsozialismus auf Sozialnationalismus umgestellt, parteiübergreifend (**|**|**|**). Folglich konnte damals der einzige real existierende Beinahe-Sozialismus der Welt auf deutschem Boden entstehen, in Form der guten alten Bundesrepublik Deutschland. Die DDR lieferte hierzu die Parodie.“ (Peter Sloterdijk, Die nehmende Hand und die gebende Seite, 2010, S. 60 **). Dazu folgende Anmerkung von Hubert Brune:

„War der Nationalsozialismus primär ein Sozialismus und sekundär ein Nationalismus oder primär ein Nationalismus und sekundär ein Sozialismus? Seinem Namen nach ist die Antwort eindeutig: primär ein Sozialismus und sekundär ein Nationalismus. Man könnte aber auch meinen, daß er primär ein Nationalismus und sekundär ein Sozialismus war, oder?

Wortzusammensetzungen haben nur dann einen klaren Sinn, wie auch Ernst Nolte meint, „wenn der Akzent wirklich auf dem Substantiv liegt und wenn das hinzugefügte Adjektiv bloß eine zusätzliche, wenngleich wesentliche Bestimmung zum Ausdruck bringt. Der Nationalsozialismus war indessen nie primär ein Sozialismus, d.h. eine hauptsächlich von den Motiven einer inneren Klassenauseinandersetzung bestimmte Bewegung, sondern er war ein Sozialnationalismus des faschistischen Typs, und zwar in dessen radikalster Erscheinungsform.“ (Ernst Nolte, Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945, 1987, S. 478-479 **). Nolte meint offenbar, daß der Nationalsozialismus primär ein Sozialnationalismus und nur sekundär ein Nationalsozialismus, aber eben doch beides war, während Sloterdijk behauptet, daß der Sozialnationalismus der Nachfolger des Nationalsozialismus war. Recht gebe ich Nolte insofern, als daß der Nationalsozialismus beides war - nämlich primär ein Sozialnationalismus und sekundär ein Nationalsozialismus - , jedoch war er beides auf so sehr ähnliche Weise, daß ein Unterschied kaum zu erkennen ist. Der Nationalsozialismus war - linguistisch gesprochen - ein Sozialismus nationalistischer Art, und er war - historisch gesprochen - ein Nationalismus sozialistischer Art. Für Nolte war „er die am meisten links stehende der rechten Parteien ..., der fast ebenso viele linke wie rechte Züge aufwies.“ (Ernst Nolte, Der kausale Nexus, 2002, S. 362 **). Und „sein Hauptfeind wiederum, der in Rußland siegreiche Kommunismus, ... war die am meisten rechte der linken Parteien“ (ebd, S. 362 **). Auch meine Analyse kommt zu diesem Schluß. Der Bolschewismus (Sowjetismus, ob als Leninismus, Stalinismus u.s.w. oder auch als Maoismus u.v.a.) war selbstverständlich kein Kommunismus, sondern gab nur vor, einer zu werden, und war in Wirklichkeit ein russischer (in China ein chinesischer u.s.w.), also nationaler Sozialismus, der schon wegen der drohenden Unruhen einen Sozialismus (mit Aussicht auf das Paradies [den Kommunismus], worauf seine christlich-orthodox und islamisch geprägten Einwohner zumindest ansprechbar waren) zulassen mußte und nur über diesen Umweg sein eigentliches Ziel - den sozialen Nationalismus - verfolgen konnte (man denke nur z.B. an die Russifizierung des gesamten Sowjetreiches) - kurz: der Bolschewismus war primär ein Nationalsozialismus und sekundär ein Sozialnationalismus. So war er das eine mehr aus Gründen der „Sachzwänge“ und das andere mehr aus Gründen der Zielvorstellungen. Exakt umgekehrt war es bei Hitler und seiner Bewegung - nicht umsonst verstand sich Hitler als „Anti-Lenin“ (**|**|**). Der von Lenin begründete Bolschewismus war primär ein Nationalsozialismus und sekundär ein Sozialnationalismus, und der von Hitler begündete Nationalsozialismus war primär ein Sozialnationalismus und sekundär ein Nationalsozialismus. So, als hätte Hitler zu Lenin gesagt: Ich zeige dir, wie das geht, was du niemals kannst.

Die spiegelverkehrten Seiten von Nationalsozialismus und Bolschewismus machen aber trotzdem die sehr gravierenden Unterschiede in den Entwicklungsstufen der sie betreffenden Länder deutlich: hier Deutschland als die weltweit führende Nation in allem (ob in Kultur-, Wisenschaft, Technik Wirtschaft oder sonstigem **) und dort Rußland bzw. die Sowjetunion als „frühmittelalterlicher“ Zwangsssystem und vorindustrieller Gefängnisstaat (keine Nation, sondern ein Gefängnis), in dem außer Terror und Gewalt nichts funktionierte.

Diese beiden unterscheiden sich wie z.B. Tag und Nacht. Kein Wunder, daß Lenin von Deutschland absolut begeistert war und Hitler von Rußland absolut nicht. Lenin und später auch Stalin wollten Rußland industrialisieren, auf „Westniveau“ bringen - mit Gewalt! Hitler wollte Deutschland vom Weltrang 1 (**) zwar nicht auf einen niedrigeren Rang bringen, aber von diesem Rang aus gibt es nur niedrigere Ränge, d.h. wenn man hier etwas ändern will, kann es nur in eine Richtung gehen, und die Tatsache, daß andere Länder Deutschland um seinen Weltrang 1 beneideten, gierig nach ihm waren, ihn um jeden Preis haben wollten, und die andere Tatsache, daß Hitler seine Ideologie auch mit Gewalt in die Praxis umgesetzt sehen wollte, führten dazu, daß nach dem 2. Weltkrieg Deutschland seinen Weltrang 1 an die USA abgeben mußte.

Um auf Sloterdijks Aussage zurückzukommen: War es wirklich so, wie Sloterdijk behauptet, daß nach dem Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland „von Nationalsozialismus auf Sozialnationalismus umgestellt“ worden ist, wenn doch schon der Nationalsozialismus selbst primär ein Sozialnationalismus und nur sekundär ein Nationalsozialismus war? Die zwei Hauptideologien im „Deutschland-der-Besatzer“ waren doch die der angelsächsisch dominierten Weltregion (der Globalkapitalismus mit dem Ziel: Ein Weltmarkt) und die der sowjetsch dominierten Weltregion (der Bolschewsismus, der, wie gesagt, primär ein Nationalsozialismus und sekundär ein Sozialnationalismus war). Zwischen diesen beiden Hauptideologien stand die alte Bundesrepublik von ihrem Anfang an, während die DDR von ihrem Anfang an nur dem Bolschewismus der Sowjets zu gehorchen hatte. Wer die alte Bundesrepublik noch bewußt erlebt hat, weiß, daß die Bolschewisten hier immer mehr Einfluß bekamen: je reicher die BRD wurde, desto einflußreicher wurde bei ihr die DDR, d.h. die Ideologie der Bolschewisten. Sloterdijk hätte also eher so formulieren sollen: Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde in Deutschland von einem Nationalsozialismus, der primär ein Sozialnationalismus und sekundär ein Nationalsozialismus war, einerseits auf einen Bolschewismus, der primär ein Nationalsozialismus und sekundär ein Sozialnationalismus war, und andererseits auf einen Globalkapitalismus, der immer mehr durch diesen Bolschewismus gelähmt wurde, umgestellt. Und nach dem Mauerfall (09.11.1989) hat sich diese Entwicklung - für viele wider Erwarten - sogar noch enorm verstärkt, und zwar auch oder sogar besonders zugunsten des Bolschewismus (so, als hätte er doch noch, nämlich durch sein „Ende“, durch seine „Öffnung“ gesiegt!), weil ja die Ideolgie nicht verschwunden ist, sondern sich mehr denn je verbreitet und (wieder) verbündet hat (wo Liberalismus ist, da ist auch Sozialismus - und wenn sich diese beiden Todfeinde verbünden, ist ihr Kampf erst recht nicht vorbei!).

Hat sich 1990 wirklich die DDR der BRD oder nicht viel eher die BRD der DDR angeschlossen? Hat seit Ende des Kalten Krieges bei uns nicht der Bolschewismus mehr Sieg davongetragen als der Globalkapitalismus? Und das in einer Zeit, in der kein einziger Arbeitnehmer mehr augebeutet wird, aber sogar auch die Herrschenden so tun, als wäre es noch so, damit sie die Mittelschicht immer mehr ausbeuten, ja „fristgerecht“ enteignen und dabei auch noch ihr „schlechtes Gewissen“ beruhigen können. Das, was noch zur Zeit der Ausbeutung der Arbeitnehmer durch die privaten Unternehmer „rechte“ und „linke“ Ideologie und Politik war, hat sich längst geändert, nämlich umgedreht in einer Übergangszeit bis hin zu der Zeit der Ausbeutung der Mittelschicht durch den staatlichen „Unternehmer“ (das kleptokratische Monster „Leviathan“), die immer noch andauert und hoffentlich bald zu Ende gehen wird. Deswegen ist Sloterdijks Unterscheidung in „Altlinke“ (**|**|**) und „Neulinke“ (heutige Linke = frühere Rechte) richtig und zu ergänzen: „Altrechte“ und „Neurechte“ (heutige Rechte = frühere Linke). Welche Partei vertritt denn bei uns heute wirklich die Interessen der Mittelschicht? Eindeutige Antwort: Keine! Aber alle Herrschenden bei uns reden so, als ob sie sie verträten, um anschließend wieder die Steuern zu erhöhen und ihre eigenen Schulden allen Mittelschichtlern und deren Nachwuchs in immer größer werdenden Ausmaßen zuzuschieben, aufzubürden. Unsere Herrschenden lügen mehr als alle Herrschenden vor ihnen. Heute sind Rechte verboten, weil sie, nämlich als „Neurechte“ (heutige Rechte = frühere Linke), genau das sind, was früher die Linke, also die „Altlinke“, war: die Partei der Ausgebeuteteten. Genau davor haben unsere Herrschenden am meisten Angst, und genau deshalb - und nur deshalb - sind Rechte verboten! Die Ausgebeuteten kommen heute aus der Mittelschicht! Und nur aus ihr! Meine Forderung lautet: Laßt die Interessen der Mittelschicht zu! Laßt ihre Partei zu! Laßt ihre Rechte zu! Laßt die Rechte zu! Eure Angst vor der Revolution der gebenden Hand, dem Aufbruch der Leistungsträger u.s.w. ist - wie immer - Angst vor dem Machtverlust und sonst nichts!“

(Hubert Brune, Anmerkung zu: Peter Sloterdijk, Die nehmende Hand und die gebende Seite, 2010, S. 60 **).


Zu dem von Ihnen erwähnten Spiegel-Artikel (**) kann ich nur sagen, daß darüber schon alles gesagt ist, wenn man ihn nur erwähnt: Linke Journalisten sollen darüber urteilen, was links war und ist - das ist lächerlich! Zum Mitäufer Heinrich August Winkler habe ich ebenfalls einen einen interessanten Text von Hubert Brune gefunden, den ich Ihnen sogleich zukommen lassen werde. Die von Ihnen ins Netz gestellten Haffner-Zitate (**) sind dagegen sehr interessant.

Gruß!

H. S.

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„Politgeometrie “; Unterschied Sozialismus - Kommunismus

admin @, Sonntag, 05. Februar 2012, 17:17 (vor 2114 Tagen) @ Herr Schütze
bearbeitet von admin, Sonntag, 05. Februar 2012, 17:21

Der Bolschewismus (Sowjetismus, ob als Leninismus, Stalinismus u.s.w. oder auch als Maoismus u.v.a.) war selbstverständlich kein Kommunismus, sondern gab nur vor, einer zu werden

Hiermit habe ich meine Schwierigkeiten. Wo genau liegt der Unterschied?

Als ich meine beiden Artikel "Lenin, Hitler, Schwarzer", (1) und (2) schrieb, habe ich zur Charakteristik des Leninismus "Kommunismus" gewählt, war und bin mir aber nicht sicher, ob ich nicht besser "Sozialismus" oder "Marxismus" hätte wählen sollen.

Ebenso war und bin ich mir in der Wortwahl nicht sicher, als ich in meinem Artikel Formenkreis des Feminismus eine Form als "Marxistischer Feminismus" bezeichnete.

Ich hatte derzeit gedacht an die Verhältnisse kurz nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland, so, wie S.Haffner sie in seinem Buch Die verratene Revolution – Deutschland 1918/19 beschrieben hat. Die Kommunisten, so mein Eindruck, unterschieden sich von den Sozialisten (genauer: den Leuten der SPD) durch ihre viel größere Radikalität und Militanz. Sie waren demnach das "Urbild"; die Sozialisten waren das schwache "Nachbild". Fast so, aber gewissermaßen umgekehrt, wie der in Sünde gefallene Mensch das schwache Nachbild seines göttlichen Urbildes ist.

Anderseits beschrieb Schafarewitsch in seinem Buch Der Todestrieb in der Geschichte. Erscheinungsformen des Sozialismus den Sozialismus von der Antike bis in die Gegenwart in allen seinen - auch extremsten - Ausprägungen, worin der Kommunismus inbegriffen war. Dieses Buch hatte ich damals aber noch nicht gelesen.

Insofern bitte ich um Verständnis dafür, daß noch feinere Unterscheidungen - wie die zwischen Nationalsozialismus und Sozialnationalismus - mein Fassungsvermögen gegenwärtig übersteigen.

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Es gibt weitere Unsicherheiten für mich. So neige ich dazu, das Wort "Faschismus" oder "faschistisch" nicht mehr anzuwenden, obwohl Nolte es (auch) für den Nationalsozialismus anwandte. Denn:

  • Erstens bezeichnet der Faschismus zunächst nur das Konzept von Mussolini. Alles andere ist keine Reinform mehr.
  • Zweitens wird der Begriff durch die sog. "Antifaschisten" (Stalinisten) angewandt auf alle Menschen rechts von ihnen, ist also innerhalb einer Sachdiskussion nicht mehr verwendbar.

Gruß!
admin

„Politgeometrie“ oder „Gesäßgeographie“?

Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 10:40 (vor 2114 Tagen) @ admin
bearbeitet von Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 11:42

Guten Morgen, Herr Lentze!

Sie sind ja ein guter Analytiker und Systematiker, Herr Lentze! Das zeigt sich besonders beim Thema „Feminismus“, aber wohl auch beim Thema „Politik-Ideologie“, wie ich feststellen durfte. Sie orientieren sich dabei - wahrscheinlich leigt das daran, daß Sie Steinerianer sind - an der ZEIT. Sie geben nämlich aus Ihrer „Sicht die folgende Erklärungen:

Links-extrem sein bedeutet: Zukünftige Entwicklungsphasen vorwegnehmend.

Links sein bedeutet: Auf Zukünftiges hin orientiert.

Konservativ sein bedeutet: Bleibendes, immer Gültiges bewahrend.

Rechts sein bedeutet: Auf Vergangenes hin orientiert.

Rechts-extrem sein bedeutet: Überwundene Entwicklungsphasen hereinholend.

Wohl gemerkt: »Konservativ« ist hier die Mitte!“ (**).

Wie Sie ja mittlerweile längst bemerkt haben düften, bin ich ein Spenglerianer und Bruneaner (**). Ich orientiere mich beim Thema „Politik-Ideologie“ an Brunes „Politgeometrie“ (**) , die sich, wie das Präfix „Geo“ des Substantivs „Geometrie“ schon verrät, weniger an der Zeit als viel mehr am RAUM orientiert. Brune kommt nämlich zu folgenden Erklärungen:

[image][image] „Extremismen sind immer möglich, können sich vielfältig äußern und von jeder Position ausgehen. Deswegen hier nur die bekanntesten Beispiele:

Auch die Mitte (der Liberalismus) kann sich zum Extremismus, z.B. zum Anarchismus (radikaler Mitte-Faschismus) radikalisieren.

Extremismen wie z.B. der Sozialnationalismus (radikaler Links-Faschismus) und der Nationalsozialismus (radikaler Rechts-Faschismus) sind im Grunde austauschbar.

Um eine optimale „Politgeometrie“ hinzubekommen, müssen Politiker schon mehr tun als unsere Parteipolitiker, deren Führer zusammen mit den Führern der Interessenvereine die gesamte Politik der Gemeinschaft bestimmen und auf diese Weise die Gemeinschaft letztlich völlig zerstören. Sie sind die Totengräber der Gemeinschaft. Wenn sie z.B. den Kern jeder Gemeinschaft, die kleinen Kollektivformen (**|**) wie die Ehe und die Familie, gespalten haben, können sie sicher sein, daß schon bald auch die großen wie die Nation und die Kultur gespalten sein werden. Diese Politik ist vergleichbar mit ganz bestimmten Geschehnissen in der Physik: wenn der Kern eines Atoms gespalten wird, wird eine ungeheurlich große Bindungsenergie freigesetzt (siehe: Starke Kernkraft als die stärkste der 4 Naturkräfte **); wenn moderne (totalitäre) Politikführer die Ehe und die Familie zerstören - sie tun dies z.B. durch Erlaß der entsprechenden Scheidungsgesetze und Antifamiliengesetze, die den „Singles“ („Indivduen“ sagen sie) dienen -, ebenfalls „eine ungeheurlich große »Bindungsenergie« freigesetzt“, die sie dann nutzen, um ihr Spiel fortzusetzen. Sie spielen „atomistische Gesellschaften“. Beendet ist das Spiel genau dann, wenn durch die Spaltung der „Kerne“ möglichst viele große und mittlerere Kollektivformen entweder bis zur Unkenntlichkeit zerstört oder bis zur Übernahme fremder großer und mittlerer Kollektivformen extrem deformiert worden sind. Der Untergang von Nationen und Kulturen ist also dann vollendet, wenn deren „Kerne“ extrem oft gespalten, also extrem verwandelt worden sind.“

(Hubert Brune, Politgeometrie, 2001 **).

Der Vorteil des Bruneschen Modells liegt u.a. darin, daß auch die Mitte extrem werden kann, weil es der Kreis ist, der Brunes „Politgeometrie“ zugrundeliegt, und in einem Kreis ist die Mitte nicht gleichbedeutend mit dem Zentrum, sondern trägt das Zentrum in sich (in seiner Mitte - das Zentrum ist also die Mitte der Mitte) und befindet sich auch am Rand, kann also auch extrem sein. Die frühere deutsche Partei „Zentrum“, die im 19. Jahrhundert und 1. Drittel des 20. Jahrhunderts erfolgreich war, war der Bedeutung ihres Namens nach nicht zu einer extremen Position fähig. Das will doch was heißen! Oder?

Die „Politgeometrie“ der heutigen Bundesrepublik Deutschland - der BRD GmbH, wie so manche Spötter sagen -, sieht laut Brune so aus:

[image] „Das Modell Bundesrepublik ist ein Links-Liberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus, hat sich weiter nach links entwickelt und ist heute ein Radikal-Links-Liberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus. In der Bundesrepublik gibt es nur noch linke Blockparteien, d.h. eine linke Einheitspartei. Wenn heute in der Bundesrepublik von der „Mitte“ die Rede ist, dann müßte der Bereich des Grauen ( „CDU/CSU“) und dessen Nachbarn bis zur linken und rechten Grenze (vgl. in der Graphik die gestrichelten Linien) gemeint sein; da aber rechts von ihm alles verboten ist (außer z.B. „REP“, „NPD“ u.ä., die zwar de jure noch nicht, aber de facto schon seit ihrer Gründung verboten sind), ist damit ein Teil der Mitte verboten (der größte Teil der rechten Mitte befindet sich ja im Bereich des Verbots); also muß unser Parteienstaat mit „Mitte“ in etwa den Bereich des Grünen und also die „Grünen“ meinen, obwohl der Bereich bereits außerhalb der Mitte ist (die linke Grenze der Mitte befindet sich ja im Bereich des Gelben [„FDP“]). Ob er diesen Bereich wirklich meint, weiß ich nicht; aber gemäß der politischen Geometrie gehört dieser Bereich nicht zur Mitte, sondern eindeutig zur Linken. Klar, daß die „SPD“ nicht sozialdemokratisch („S“), nicht für Deutschland („D“), sondern nur eine Partei („P“) ist, daß die „CDU/CSU“ nicht christlich („C“), nicht demokratisch („D“), nicht sozial („S“), sondern nur eine Union („U“) ist, daß die „FDP“ nicht frei („F“), nicht demokratisch („D“), sondern nur eine Partei („P“) ist, daß die „Grünen“ nicht grün (“Grüne“) sind, sondern sich nur aus rein wahltaktischen und sonstigen opportunistischen Gründen so nennen, daß aber die „Linken“ Linke sind - dies alles spricht dafür, daß bis auf die Linken die Namen dieser Parteien verlogen sind, daß also auch, weil diese Parteien nur Teile ihrer Einheitspartei sind, der Name dieser Einheitspartei verlogen ist („SPD/CDU/CSU/FDP/Grüne/Linke“) und ersetzt werden muß durch einen wahrheitsgemäßen Namen: „PUP/Linke“ (Partei-Union-Partei/Linke **). Diese Enheitspartei steht für den Linksliberal(kapital)ismus/Links-(Öko-)Sozialismus und ist besonders links, weil sie sich über den linken Weg zum Staat, zum Parteienstaat gemacht hat bzw. hat machen lassen. In diesem Bündnis zwischen der Linken und der Mitte ist heute die Linke mit 60,2% Machtanteil und einem Anteil am Politikbereich von 29,5% (geometrisch: 53,1°) stärker vertreten als die Mitte mit 39,8% Machtanteil und einem Anteil am Politikbereich von 19,5% (geometrisch: 35,1°), während diejenigen, die an der Macht gar nicht beteiligt sind, einen Anteil am Politikbereich von 51% (geometrisch: 91,8°) haben. Eine solche Staats- bzw. Regierungsform ist nicht demokratisch, auch nicht repräsentativ-demokratisch, sondern plutokratisch bis zeusiokratisch (**) und repräsentativ nur im Sinne eines diesem Parteienstaat absolut entsprechenden Parlamentarismus, bei dem auch die Gewaltenteilung nur auf Papier geschrieben steht, aber nicht praktiziert wird.“

(Hubert Brune, Politgeometrie, 2001 **).

Ihr „zeitlicher“ Ansatz sagt mir auch sehr zu, Herr Lentze! Die Zeit ist aber auch in Brunes „Politgeometrie“ durchaus berücksichtigt, denn diese geht von der Moderne aus, läßt die Einteilung der Extremismen genau zu dem Zeitpunkt beginnen, zu dem auch die Moderne begonnen hat, weil die Moderne schon per definitionem „extrem“ ist. Ansonsten geht das Modell auf evolutionäre bzw. historische Zeiten zurück, in denen die Entscheidung anstand und immer wieder ansteht, ob man den „Markt“ oder den „Staat“ bzw. dessen Vorläufer (versteht sich!) bevorzugt (**).

Gruß

Herr Schütze

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„Politgeometrie“; Links - Mitte - Rechts

admin @, Sonntag, 05. Februar 2012, 16:45 (vor 2114 Tagen) @ Herr Schütze
bearbeitet von admin, Sonntag, 05. Februar 2012, 16:49

Sie sind ja ein guter Analytiker und Systematiker, Herr Lentze! Das zeigt sich besonders beim Thema „Feminismus“, aber wohl auch beim Thema „Politik-Ideologie“, wie ich feststellen durfte.

Danke für das Lob! (Obwohl ich nicht weiß, ob ein Lob mir wirklich guttäte.)

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Sie orientieren sich dabei - wahrscheinlich liegt das daran, daß Sie Steinerianer sind - an der ZEIT.

Als Anthroposoph - bitte nicht Steinerianer, das sind die Anbeter und Konservativen im schlechten Sinne, wie z.B. Marie Steiner, die einen selbständig Denkenden wie V.Tomberg bekämpfte mit dem Argument, daß wir mit "Dr.Steiner" für die nächsten tausend Jahre genug hätten -, also als Anthroposoph, besser: anthroposophisch Gebildeter, denke ich wirklich viel unter dem Gesichtspunkt der Zeit. Die spielt gerade in der Kosmologie eine außerordentlich konkrete Rolle. Aber mein Schema ist, soweit ich weiß, in diesem Milieu nicht vorgedacht worden.

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Der Vorteil des Bruneschen Modells liegt u.a. darin, daß auch die Mitte extrem werden kann

Auch in meinem Modell. Vergleiche dazu meinen Artikel Lenin, Hitler, Schwarzer (2), aus dem ich folgende Passage als Bildschirmfoto wiedergebe:

[image]

Demnach ist der Mensch der Lebensmitte der Mensch auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und Selbstbehauptung. Und es ist klar, daß der Wille zur Selbstbehauptung, verbunden mit der Fähigkeit zur Selbstbehauptung, dann auch ausarten, also "extrem" werden kann.

Diese Extremität ist allerdings eine solche der Intensität. Man ersieht übrigens daraus, daß

  • gesellschaftliche Mittelschicht (Oben-Unten-Geometrie) und die
  • Mitte innerhalb der Links-Rechts-Geometrie

auseinandergehalten werden müssen!

Was Brune im Detail erklärt, ist übrigens auch interessant. Aber er hebt mehr das Konkrete hervor, ich mehr das Grundsätzliche.

Gruß
admin

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