Winklers „Westen“ - was richtig und was falsch daran ist

Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 02:10 (vor 2114 Tagen)
bearbeitet von Herr Schütze, Sonntag, 05. Februar 2012, 02:30

Hier der versprochene Text von Hubert Brune:

[image]„Der Historiker Heinrich August Winkler hat in einem mit dem Titel „Wo fängt der Westen an, wo hört der Osten auf?“ (**) überschriebenen Interview mit einem FAZ-Redakteur eine Erläuterung zu seiner Defintion vom »Westen« abgegeben.

Auf die Frage, was der »Westen« überhaupt sei, antwortete Winkler: »Historisch betrachtet ist der Westen: das lateinische Europa. Jener Teil Europas, der im Mittelalter und darüber hinaus sein spirituelles Zentrum in Rom hatte. Denn das ist der Teil Europas, in dem die Geschichte der Gewaltenteilung beginnt. Die Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt, auch die von fürstlicher und ständischer Gewalt. Ich denke an das Wormser Konkordat von 1122 und die Magna Charta von 1215 in England. Und nur dort, wo es diese Vorgeschichte gab, konnte sich die Trennung von gesetzgebender, vollziehender und rechtsprechender Gewalt durchsetzen. Nur im Okzident gab es die großen Emanzipationsprojekte, die Renaissance, die Reformation, die Aufklärung. Im byzantinisch-orthodoxen Osten fand das alles nicht statt. .... Die Trennung zwischen dem lateinischen und dem orthodoxen Europa ist heute noch greifbar - man muß sich nur vor Augen führen, welche Probleme die EU-Mitglieder Bulgarien, Rumänien, Griechenland mit der Gewaltenteilung, mit dem »rule of law«, heute noch haben.« (**). Abgesehen von einigen Unstimmigkeiten, ist dieser Aussage Winklers zuzustimmen.

Daß aber »englische und amerikanische Nonkonformisten ... als erste demokratische Ideen entwickelt« (**) hätten, ist falsch. 1.) Die Deutsche Hanse entwickelte als erste demokratische Ideen, nur kurze Zeit später folgten Venetien, Florenz und Genua, und danach erst folgte England. Und: 2.) Die Abendländer sind doch wohl heute noch nicht zu dement, um zu wissen, daß die USA, denn die sind ja mit den »amerikanischen Nonkonformisten« gemeint, erst ab dem Ende des 18. Jahrhunderts - zuvor waren sie eine Kolonie der Engländer - als eigenständige Nation in die Geschichte des »Westens« eintreten konnten. Die Zeitspanne ist viel zu gering dafür, daß die US-Amerikaner überhaupt einen nennenswerten Beitrag zur Geschichte des Abendlandes hätten beitragen können - die einzige Ausnahme bietet die Moderne i.e.S. (**), und die ist nun leider aber nicht für den Aufbau, also Aufgang, sondern für den Abbau, also Untergang des Abendlandes zuständig. Und daran waren und sind die USA allerdings tatsächlich sehr intensiv beteilgt.

Doch jetzt kommt schon der erste große »Hammer« in Winklers Interpretation: Wider besseres Wissen leugnet er einerseits (wenn es um das Deutsche und die Deutschen geht) die Bedeutung der nationalen Eigenarten, um sie andererseits (wenn es um das Nichtdeutsche und die Nichtdeutschen geht) wiederum hervozuheben. Hier zeigt sich die seit dem Ende des 2. Weltkrieges, noch mehr seit »1968« und noch einmal mehr seit 1990 propopagandistisch verbreitete, weil diktatorisch verordnetete und als »Politische Korrektheit« getarnte Zensur, die auch beim 1938 geborenen, 1945 aus Ostpreußen vertriebenen (!) Winkler ihre Spuren hinterlassen hat. Winkler spricht einerseits mit negativem Unterton vom angeblichen »deutschen Sonderweg« (**) oder vom »»deutschen Weg«« (**) Gerhard Schröders, aber andererseits mit positivem Unterton vom »Selbstverständnis Polens« (**). Entweder hat Winkler die Zensur schon so sehr verinnerlicht, oder aber er weiß wirklich nicht - und das als Historiker (!) -, daß der »Westen«, also das Abendland ja auch gerade durch Eigenarten der Völker, die Nationen quasi, gekennzeichnet ist, daß es für »Westler« (Abendländer) also ganz »normal« ist, verschiedene Selbstverständnisse zu haben: Jeder Weg einer westlichen Nation ist - selbstverständlich - immer auch ein Sonderweg. Das ist ja gerade typisch »westlich«, typisch abendländisch! Daß aber Polen, so Winkler, »sich dezidiert zum Westen bekennt« (**), ja überhaupt bekennen kann, verdankt es doch nur Deutschland. Denn es waren ausschließlich Deutsche, die die Polen christianiserten, also im Sinne des römischen Katholizismus »latinisierten« (**), um es mit Winkler selbst zu sagen. Außerdem bekennt sich Polen nur deshalb »dezidiert zum Westen« (**), weil es (a) dadurch sehr viele ökonomische und politische Vorteile und (b) Angst vor Rußland hat! Für echte abendländische Nationen aber gilt, daß sie stets ihren Sonderweg einhalten. Daß Frankreich sich mehrfach und lang anhaltend mit dem Osmanischen Reich (heute: Türkei), also mit einer Macht nicht des Abendlandes, sondern des Morgenlandes verbündete, um seinen Erzfeind, dem Deutschen Reich (damals unter der Führung der Habsburger), zu schwächen - und nur nebenbei gesagt: es hat ihm zuletzt trotzdem nichts genützt (!) -, scheint Winkler vergessen zu haben. Dabei ist dieses Beispiel nur eines von sehr vielen. Deutschland hat sich seit den negativen Erfahrungen mit Napoleon mit Rußland aus ähnlichen Gründen verbündet wie Frankreich in den Jahrhunderten zuvor mit der Türkei und wie Frankreich, England, USA u.v.a. im 20. Jahrhundert mit Rußland bzw. der Sowjetunion, Japan und China u.v.a.. Alles Sonderwege, Herr Winkler!

Zum Sonderweg der USA, den Winkler selbstverständlich in diesem Fall so nicht nennt, heißt es: »Je mehr Amerika (nein! USA! Oder gehören Kanada und die lateinamerikanischen Staaten [zu] den USA? Anm. HB) sich zum pazifischen Raum hin orientiert, je abhängiger Amerika (nein! USA! Anm. HB) wirtschaftlich von China wird, desto wichtiger wird es, daß Europa in wichtigen Fragen ein einheitliches Votum abgibt. Nur dann kann es ein starker Partner der USA sein.« (**). Wenn sich die USA China, also einer Macht, die ebenfalls nicht zum Abendland gehört, zuwendet, dann ist das für Herrn Winkler wahrscheinlich ein »Selbstverständnis« (**), aber ansonsten nicht weiter zu kommentieren; doch wenn Deutschland dies tun würde, dann würde er sofort mit negativem Unterton kommentieren: »Es ... ist der ... deutsche Sonderweg« (**).

Aus dem Munde eines Historikers fast schon gefährlich klingt folgender Satz: »Ich glaube nicht, daß der Westen eines Gegners bedarf.« (**). Nietzscheanisch gesehen scheint für Winkler der Westen schon tot zu sein, denn: wer leben will, will die Macht und hat darum selbstverständlich Feinde. Als scheinheilig und geheuchelt - besonders auch angesichts des zuletzt kommentierten Satzes - erscheint mir die Aussage Winklers, der Westen habe nur noch, aber immerhin doch noch durch »sein normatives Projekt ... die Chance, die Welt noch gründlich zu verändern.« (**). Na, ja. Wer’s glaubt.

Doch nun der zweite große »Hammer« in Winklers Interpretation: »In Deutschland gibt es immer noch ein paar Vorbehalte gegenüber der Art und Weise, wie Angelsachsen und Franzosen auf der Universalität der Menschenrechte bestehen.« (**). Die Wahrheit ist, daß Deutsche, US-Amerikaner, Engländer und Franzosen gleichermaßen oder, falls es doch kleine Unterschiede zwischen ihnen geben sollte, die Deutschen mehr als die anderen auf die »Universalität der Menschenrechte« bestehen. Das Dumme ist nur, Herr Winkler, daß die »Menschenrechte«, wie sie seit 1948 verfaßt sind, den Untergang des Abendlandes sogar noch extrem beschleunigen (**).

Hoffentlich ist Herr Winkler sich wirklich bewußt über die für uns unheilvolle Bedeutung seines wie folgt geäußerten Satzes: »Demokratie ohne Rechtsstaat ist nicht davor gefeit, in Tyrannei umzuschlagen.« (**). Dieser Satz ist zwar nicht falsch, aber ich weiß doch, daß Herr Winkler davon ausgeht, bei uns gäbe es keine Tyrannei. Herr Winkler, bei uns haben die Herrschenden die Demokratie auf einen Anteil von höchstens 30% und den Rechtsstaat auf einen Anteil von höchstens 40% heruntergefahren - da ist kaum noch von »Demokratie« und »Rechtsstaat«, dafür aber umso mehr von Tyrannei zu sprechen! Die riesige Mehrheit wird von einer klitzekleinen Minderheit unterdrückt. Die Gewaltenteilung ist nicht mehr existent, weil gleichgeschaltet. Alle Richter gehören den einer »Blockpartei« hörigen Parteien an. Die islamische Scharia hat in nicht wenigen Regionen bereits den Rechtsstaat auf einen Anteil von höchstens 10% gedrückt. »Das Verfassungsrecht ... wird durch ... das Strafrecht eingeengt.« (Hans-Peter Raddatz **). Das alles bedeutet nicht Demokratie, sondern Diktatur, nicht Rechtsstaat, sondern Unrechtsstaat! Willkommen in der Tyrannei, Herr Winkler!

[image]Der Wahrheit wieder näher kommt Winkler mit seiner Behauptung, daß die Gründungsväter der USA gegen Ende des 18. Jahrhunderts die attische Demokratie »geradezu als abschreckendes Beispiel für die Herrschaft von Demagogen beschrieben haben und ihre Regierungsform als bewußtes Gegenmodell dazu entwickelt« (**) haben. »Auffallend ist ja, daß gerade dort, wo Griechenland unmittelbar fortwirkte, in Byzanz also, die Entwicklung nicht stattfand, die zu Aufklärung, Emanzipation, Demokratie führte. Die Grenze zwischen Ostrom und Westrom wirkt noch im heutigen Europa fort.« (**).

Es folgt der dritte große »Hammer« in Winklers Interpretation: »Die Einwanderung aus nichtwestlichen Ländern kann der Westen sehr gut bewältigen, wenn er darauf beharrt, daß sein Wesenskern nicht zur Disposition steht: die unveräußerlichen Menschenrechte, der Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Mann und Frau.« (**). Die Wahrheit ist, daß die nichtwestlichen Einwanderer in (Noch-)Zusammenarbeit mit den westlichen Herrschern - bereits längst dabei sind, den Westen zu bewältigen, nämlich überwältigen. Wie bitte soll der Westen da noch darauf beharren (können), »daß sein Wesenskern nicht zur Disposition steht: die unveräußerlichen Menschenrechte, der Rechtsstaat, die Gleichberechtigung von Mann und Frau«? Die »Menschenrechte« von 1948 sind nicht »unveräußerlich«, sondern extrem veräußerlich, sie beschleunigen den Untergang des Abendlandes (**); der Rechtsstaat wird - wie nie zuvor im Westen - untergraben (in nicht wenigen abendländischen Ländern gilt praktisch längst die morgenländische Scharia!); die »Gleichberechtigung von Mann und Frau« ist seit »1968« sachlich nur noch eine Farce - abgesehen davon, daß sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits erreicht war -, dient diese abgedroschene Parole nur noch als Mittel zum Zweck einiger weniger Männer und Frauen, die sich Feministen bzw. Feministinnen nennen und mittlerweile soviel Macht haben, daß sie 99% der Frauen und Männer problemlos diktieren können, wer und was eine »Frau« zu sein habe (nämlich eine Lesbe [ein Mann im »falschen Körper« {!?!}]) und daß die Männer nach dem globalen Androzid, wie er von Valerie Solanas und Sally M. Gearhart gefordert wurde, bzw. nach der Reduktion ihrer Anzahl auf 10% auf ewig zu versklaven seien.

Winkler ist nicht (mehr) als Historiker zu bezeichnen, wenn er wirklich glaubt zu wissen, daß der abendländische »Wesenskern nicht zur Disposition« (**) stehe, denn echte Historiker wissen längst, daß der Wesenskern des Westens zur Disposition steht. Und sie wissen auch, daß dieser westliche Wesenskern insbesondere auch deshalb zur Disposition steht, weil er von seinen eigenen angeblichen »Beharrern« zum Teil schon erheblich zerstört worden ist.

Was bei vielen heutigen Abendländern am meisten auffällt, ist der Selbsthaß, der Haß auf das Abendland, der sich in übertriebener Kritik bis hin eben zu einem selbstmörderischen Haß äußert. Der Westen zerstört sich also primär selbst. Besonders deutlich wird das natürlich bei den Menschen, die zu den bedeutendsten Völkern des Westens gehören: Germanen und Romanen - und unter den Germanen besonders bei den Deutschen. Die Deutschen als das größte, stärkste, bedeutendste Volk des Abendlandes waren nämlich schon bei dessen Aufbau das größte, stärkste, bedeutendste Volk des Abendlandes, also ist es nur folgerichtig, wenn sie es auch bei dessen Abbau sind.

Als Nihlist verehrt man nicht, man tut nur so, als ob z.B. die kaum realisierbare »Menschheit« und/oder das ebenfalls kaum realisierbare »Individuum« zu realisieren sei, und in Wirklichkeit zerstört man alle Kollektivformen (**) - das beginnt an zwei Seiten: bei den kleinen und den großen Kollektivformen. Wenn die nihilistischen Totengräber z.B. die kleinen Kollektivformen wie die Ehe und die Familie gespalten haben, können sie sicher sein, daß schon bald auch die großen wie die Kultur und die Nation gespalten sein werden. Die Zerstörung von Nationen und Kulturen ist dann vollbracht, wenn deren »Kerne« beliebig oft gespalten, also beliebig verwandelt worden sind. **

Bei Heinrich August Winkler findet sich immer wieder dasselbe antideutsche Schema. Geht es um Negativbeispiele, dann nennt Winkler deutsche Beispiele; geht es um Positivbeispiele, dann nennt Winkler nichtdeutsche Beispiele. Hier gilt, was ich zuletzt am 25.12.2011 im Kommentar zum Text von Josef Joffe (**) gesagt habe: Die Deutschfeindlichkeit war noch nie zuvor so gemein wie heute. Auch Winkler ist leider - mehr latent als offen - deutsch(en)feindlich, also antideutsch, weil er der von den Medien verbreiteten deutsch(en)feindlichen Hetze, dem antideutschen Ressentiment, der deutsch(en)feindlichen Staatsräson, der Zensur deutsch(en)hassender Diktatoren zum Opfer gefallen ist.“

(Hubert Brune, Winklers „Westen“ - was richtig und was falsch daran ist, 06.01.2012).

Ist Winkler überhaupt noch als ein Historiker zu bezeichnen oder nicht doch viel eher als ein „Mitläufer“?

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